Nordenham

Abwassergebühren verdoppeln sich in Nordenham

Wohnungseigentümer und Mieter konnten sich freuen: Sowohl im Jahr 2021 als auch in 2022 sanken die Abwasser-Gebühren in Nordenham im Vergleich zum Jahr 2020 um stolze 50 Prozent. Doch damit ist es jetzt vorbei.

Blick vom Klärwerksturm auf die Nordenhamer Kläranlage, die sich nach wie vor im Eigentum der Stadt befindet.

Blick vom Klärwerksturm auf die Nordenhamer Kläranlage, die sich nach wie vor im Eigentum der Stadt befindet.

Foto: Schnieder

Die Stadtverwaltung hatte schon Ende 2020 angekündigt, dass es sich um zwei Sonderjahre handelt, die 2023 vorbei sein werden. Dann müssten die Gebühren zurückkehren zu alter Höhe. Genauso kommt es jetzt.

Die Gebühr war zunächst im Jahr 2020 leicht gesunken von zuvor 2,38 Euro auf 2,13 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser. Für 2021 und 2022 sank sie dann um 50 Prozent von 2,13 Euro auf 1,11 Euro. Jetzt steigt sie zum 1. Januar 2023 an auf 2,50 Euro pro Kubikmeter. Der Finanzausschuss des Stadtrates hat Mittwochabend im Rathaussaal dieser Anhebung einmütig zugestimmt.

Für einen durchschnittlichen Haushalt mit vier Personen fielen bei einem Jahresverbrauch von 200 Kubikmetern 2021 und 2022 pro Jahr 222 Euro an. Ab 1. Januar 2023 werden es 500 Euro sein.

Kämmereileiter Sven Hinderks weist im Gespräch mit der Presse darauf hin, dass die 2,50 Euro pro Kubikmeter dem Level früherer Jahre entsprechen. Hinzugerechnet werden mussten lediglich die seither erbrachten Aufwendungen für Kanalsanierungen.

Sven Hinderks ist zuversichtlich, dass das Gebühren-Niveau von um die 2,50 Euro pro Kubikmeter Abwasser auch 2024 gehalten werden kann. Neue Kostensteigerungen seien kaum zu erwarten. Zudem könnten auch in den nächsten Jahren immer mal wieder Sonderposten auflaufen, die zu Gebührensenkungen führen.

Deutlich günstiger als andere Kommunen

Damit bleibt die Stadt bei ihren Abwassergebühren nach wie vor deutlich günstiger als die übrigen Kommunen in der Wesermarsch, in denen der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) für die Schmutzwasserbeseitigung sorgt. Die Stadt Nordenham hat im Unterschied zu diesen Kommunen ihre Kanalisation und Kläranlage in städtischem Eigentum behalten.

Wie der Kämmereileiter auf Nachfrage der Presse erläuterte, ist die Stadt somit zwar günstiger. Sie ist aber weder als besser noch als schlechter als der OOWV einzustufen. Grund: Die Stadt ist bei der Sanierung ihres Kanalnetzes noch nicht so weit gekommen, wie sie gerne möchte. Dafür fehlte Personal im Bereich der Abwassertechnik.

Das wirkte sich auf die für die Gebühren nötigen Kalkulationen aus. Denn diese müssen sich nach den tatsächlichen Aufwendungen richten. Die Stadt darf damit keine Gewinne erzielen. Gleiches gilt übrigens bei der Abwasser-Entsorgung durch den OOWV.

Genau deshalb gab es 2021 und 2022 den 50-Prozent-„Rabatt“: Denn die Aufwendungen der Stadt waren in den Vorjahren geringer als vorher erwartet. Es gab etwas weniger Investitionen und nicht so viele besondere Kosten sowie teilweise auch Einsparungen bei Personalkosten.

In der Verwaltungssprache ist diesbezüglich von „Sonderposten“ die Rede, welche im Gebührenhaushalt aufgelöst werden müssen. Das ist in Nordenham durch die Gebührensenkungen 2021 und 2022 vollständig geschehen.

Drohen nun in den nächsten Jahren drastische Erhöhungen der Schmutzwasser-Gebühr wegen des Greensill-Skandals mit einem möglichen Verlust für Nordenham in Höhe von bis zu 13,5 Millionen Euro?

Nein, sagt der Kämmereileiter. Solche Verluste treffen den Gesamthaushalt der Stadt, nicht aber den speziellen Gebührenhaushalt. Dieser muss sich nach den tatsächlichen Aufwendungen für die Schmutzwasserbeseitigung richten und eben nicht nach eventuellen vorsorglichen Kreditaufnahmen oder Geldanlagen der Stadt.

Ab 1. Januar steigt in Nordenham wegen der „Sonderposten“-Auflösung nicht nur die Gebühr für Schmutzwasser, sondern auch die zur Beseitigung von Niederschlagswasser (Regenwasser) stark: von 22 auf 48 Cent pro Quadratmeter Fläche. Die Beseitigung von Niederschlagswasser an der Straße steigt moderat von 61 auf 68 Cent pro Quadratmeter.

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