Butjadingen

Warum Butjadingen keinen Museumshafen will

Ein Fedderwardersieler Hafen ohne das Ausflugsschiff „Wega II“, ohne ein- und auslaufende Krabbenkutter? Im Interview erzählt Butjadingens Bürgermeister Axel Linneweber, warum er das auf keinen Fall möchte. Doch die Gefahr ist real.
Die „Wega II“ steuert ihren Liegeplatz an, davor liegt der Krabbenkutter „Christine“. Solche Bilder wird es nicht mehr geben, wenn nicht schnell etwas passiert.

Die „Wega II“ steuert ihren Liegeplatz an, davor liegt der Krabbenkutter „Christine“. Solche Bilder wird es nicht mehr geben, wenn nicht schnell etwas passiert.

Foto: Glückselig

Herr Linneweber, sie haben persönliche Beziehung zu Fedderwardersiel.

Na ja, als gebürtiger Butjenter hat man die ja ganz automatisch.

Aber bei Ihnen ist es noch ein bisschen mehr. Vorfahren und Verwandte waren Fischer.

Richtig, mein Opa war Fischer, meine beiden Onkel haben ebenfalls lange Zeit gefischt. Dem einen gehörte der Kutter „Jupiter“, dem anderen die „Bianca“, die inzwischen in Großensiel liegt.

Bürgermeister Axel Linneweber hat eine besondere Beziehung zum Fedderwardersieler Hafen. Sein Opa und seine beiden Onkel waren Fischer. Familienurlaube fanden auf dem Wasser statt.

Bürgermeister Axel Linneweber hat eine besondere Beziehung zum Fedderwardersieler Hafen. Sein Opa und seine beiden Onkel waren Fischer. Familienurlaube fanden auf dem Wasser statt.

Foto: Hey-Pro

Sind Sie gelegentlich mit zum Fischen rausgefahren?

Klar, früher gab es ja noch die Makrelenfahrten. Da bin ich als Jungspund gerne mal mitgefahren. Außerdem ist mein Vater seit vielen Jahrzehnten Skipper und hat noch heute ein Schiff im Yachthafen in Fedderwardersiel liegen. Die Familienurlaube haben früher auf dem Wasser stattgefunden. Deshalb kenne ich den Priel ganz gut. Und deshalb habe ich auch schon eine enge Beziehung dazu.

Warum ist es so wichtig, dass Fedderwardersiel nicht zum Museumshafen verlandet, sondern dort weiterhin ein Arbeitshafen existiert?

Wenn die Verschlickung sich so fortsetzt, wie sie sich aktuell darstellt, und wenn wir nicht gegensteuern, dann wird genau das passieren - Fedderwardersiel wird zum Museumshafen. Aber das kann natürlich nicht das Ziel sein. Ein lebendiger Arbeitshafen ist etwas völlig anderes als ein Museumshafen, in dem man höchsten noch auf Infotafeln darstellen kann, wie es früher einmal ausgesehen hat. Es gibt so viele Facetten, die mit diesem Hafen zusammenhängen. Das haben wir auch in dem Film „Leben am Fedderwarder Priel“ deutlich zu machen versucht.

Ich bin froh, dass ich in den vergangenen Wochen die Gespräche mit all den Politikerinnen und Politikern führen konnte.

Axel Linneweber, Bürgermeister

Bei Ebbe offenbart sich das ganze Drama. Wer ist alles betroffen?

Das ist neben den Fischern, die für ein wichtiges und traditionsreiches regionales Handwerk stehen, auch die Landwirtschaft. Der Hafen spielt eine wichtige Rolle bei der Entwässerung; sie würde nicht mehr funktionieren, wenn der Hafen verlandet ist. Es geht aber auch um Naherholung. Es sind nicht nur die Urlauber, die gerne in den Hafen fahren und zugucken, wenn die Kutter rein- und rausfahren. Auch die Butjenter und Leute aus der unmittelbaren Umgebung tun das. Der Fedderwardersieler Hafen ist das maritime Highlight der Region. Wenn man irgendwann nur noch auf Schlickberge guckt, dann ist das alles vorbei. Das Konzept, mit dem wir den Hafen weiterentwickeln wollen, lebt davon, dass die Fischer, die „Wega II“ und das Boot der DGzRS ein- oder auslaufen. Zu nennen ist auch das Nationalparkhaus, dass unter anderem die Geschichte eines Hafens vermittelt, der im kommenden Jahr 200 Jahre alt wird. Es ist doch etwas völlig anderes, wenn die Gästeführer sagen können „das alles ist da draußen“, als wenn sie sagen müssten „das war mal da draußen“. Wattwanderungen sind heute vor Fedderwardersiel kaum noch möglich. Und stark betroffen sind natürlich auch die Skipper nebenan im Yachthafen.

Schlick in der Hafenzufahrt: Wer hier ein- oder auslaufen will, muss ein immer kleiner werdendes Zeitfenster nutzen.

Schlick in der Hafenzufahrt: Wer hier ein- oder auslaufen will, muss ein immer kleiner werdendes Zeitfenster nutzen.

Foto: Glückselig

Was muss Ihrer Meinung nach jetzt geschehen?

Wir brauchen Unterstützung, durch die das Problem der Verschlickung beherrschbar bleibt. Das geht am Ende nur mit Baggermaßnahmen. Natürlich kann man auch über bauliche Lösungen reden, zum Beispiel über die Errichtung eines Leitdamms. Aber dafür ist ein Verfahren von zehn bis 15 Jahren erforderlich. Die Zeit haben wir nicht. Dass die „Seekrabbe“ regelmäßig baggert und dass der Einsatz auch noch für neun weitere Jahre gesichert ist, ist gut und wichtig. Aber letztlich ist das nur Kosmetik. Um wenigstens den Ist-Zustand zu erhalten, brauchen wir ein Schiff, das hier in viel größerem Umfang baggert. So ein Schiff haben wir nicht, und wir können es uns auch nicht kaufen. Deshalb geht es nur mit Unterstützung. Wer am Ende bezahlt, ist letztlich relativ egal. Wir brauchen jemanden, der die Möglichkeiten hat und der es auch will.

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Wollen wollen ja alle. Zumindest haben die vielen Politiker, die in den vergangenen Wochen im Landtagswahlkampf im Hafen zu Besuch waren, alle viel Verständnis für die Situation Butjadingens gezeigt. Und ja durchaus auch Hilfsbereitschaft signalisiert.

Ich bin froh und dankbar, dass wir all diese Gespräche führen konnten. Denn über einen Punkt waren sich alle einig - dass hier regelmäßig und in großem Umfang gebaggert werden muss. Bleibt zu hoffen, dass das auch nach der Wahl bei den Entscheidungsträgern die Rolle spielt, die es jetzt in all den Gesprächen gespielt hat.

Leben am Priel

Die Kreiszeitung startet unter dem Titel Leben am Priel eine Interview-Reihe, die sich an den von der Tourismusgesellschaft in Auftrag gegebenen und von der Butjadinger Produktionsfirma Hey-Pro realisierten Film „Leben am Fedderwarder Priel“ anlehnt. Die Interviews beleuchten die verschiedenen Facetten der drohenden Verschlickung des Priels und der Hafenzufahrt. Den Auftakt macht Butjadingens Bürgermeister Axel Linneweber.

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