Nordenham

Trotz Vollzeitjob bleibt Wesermärschlern kaum genug zum Leben

Sie müssen sowieso schon jeden Cent zweimal umdrehen, aber explodierende Lebenshaltungskosten bringen sie jetzt endgültig ans Limit: Im Landkreis Wesermarsch arbeiten rund 3.200 Menschen zum Niedriglohn. Was muss sich ändern?

Für Menschen, die wenig Geld verdienen, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten einen Lohnschub, damit aus 90 Cent 1 Euro werden.

Für Menschen, die wenig Geld verdienen, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten einen Lohnschub, damit aus 90 Cent 1 Euro werden.

Foto: NGG

Die Betroffenen arbeiten zum Niedriglohn, obwohl sie einen Vollzeitjob haben. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hin. Die NGG Oldenburg-Ostfriesland beruft sich hierbei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach liegen 16 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Wesermarsch beim Einkommen unter der amtlichen Niedriglohnschwelle von derzeit 2.344 Euro brutto im Monat.

„In Restaurants, Hotels, Bäckereien und Metzgereien arbeiten besonders viele Menschen zu Mini-Löhnen. Die rasant steigenden Preise für Energie und Lebensmittel treffen sie mit voller Wucht“, sagt Matthias Brümmer. Für den Geschäftsführer der NGG-Region Oldenburg-Ostfriesland ist es deshalb jetzt notwendig, „Lohn-Täler anzuheben“. Ziel sei es, möglichst viele Beschäftigte im Landkreis Wesermarsch von einem kräftigen Lohn-Plus profitieren zu lassen. „10 Prozent plus X‘“, so fordert Matthais Brümmer.

Mindestens 13 Euro pro Stunde

Die NGG habe sich deshalb für 2023 vorgenommen, eine kräftige und dauerhafte Erhöhung der Löhne durchzusetzen - bei Tarifverhandlungen für ganze Branchen genauso wie bei Haustarifverträgen mit einzelnen Betrieben. „Denn die Verbraucherpreise werden oben bleiben. Ziel ist es deshalb, die Einstiegslöhne auf mindestens 13 Euro pro Stunde anzuheben“, macht der NGG-Geschäftsführer klar.

Neben notwendigen dauerhaft höheren Löhnen und Gehältern werde sich die NGG Oldenburg-Ostfriesland zusätzlich auch für die kurzfristig wirksame Inflationsausgleichsprämie stark machen. „Bis zu 3.000 Euro ohne Steuern und ohne Abgaben sind ein gutes und zusätzliches Instrument, das die Bundesregierung den Unternehmen an die Hand gegeben hat, um Beschäftigten über die Klippen der Krise zu helfen“, so Matthias Brümmer.

Inflation macht Geringverdienenden zu schaffen

„Vom Einkauf im Supermarkt bis zum Haarschnitt beim Friseur - überall wird es teurer. So teuer, dass sich gerade Geringverdiener viele Dinge des täglichen Bedarfs nicht mehr leisten können“, warnt Matthias Brümmer. Eine Bäckereifachverkäuferin habe schon in normalen Zeiten Schwierigkeiten, mit ihrem Geld bis zum Monatsende klarzukommen. „Deshalb brauchen Geringverdiener gerade jetzt einen Extra-Lohn-Schub. Denn der Job muss auch in der Krise dafür sorgen, dass es nicht am Nötigsten zum Leben hapert. Eine Vollzeitarbeit darf nicht zum Risikofaktor fürs Portemonnaie werden“, sagt Matthias Brümmer.

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