Nordenham

IG Metall Wesermarsch macht Druck und kündigt Streiks an

Vor dem Werktor des Airbus-Standorts Nordenham hat die IG Metall Wesermarsch am Freitag acht Prozent mehr Lohn gefordert. Die heiße Phase hat laut der Gewerkschaft begonnen. Man ist bereit für Warnstreiks - mit Auswirkungen auf die gesamte Region.

Eine Menge von Menschen steht vor dem Airbus Werktor in Nordenham.

Die IG Metall Wesermarsch hat eine Kundgebung vor dem Airbus-Werktor in Nordenham organisiert.

Foto: Hanke

Rund 200 Menschen stehen vor dem Werktor am Airbus-Standort Nordenham. Ein Glücksrad ist aufgebaut, an die Beschäftigten werden gratis Suppe und Brezeln ausgegeben. „Bei uns gibt es noch etwas umsonst, Arbeitgeber scheinen nicht so großzügig zu sein“, beginnt Jochen Luitjens seine Rede.

Der Geschäftsführer der IG Metall Wesermarsch ist sauer. Nach zwei gescheiterten Verhandlungsterminen ohne ein Angebot der Arbeitgeberseite stünden weitere schwierige Gespräche bevor. Um den Druck auf den Arbeitgeberverband zu erhöhen, sind IG-Metall-Gewerkschafter in der vergangenen Woche in zahlreiche Betriebe gegangen, haben Gespräche geführt oder Flugblätter verteilt. Die Kundgebung in Nordenham vor dem Airbus-Werk ist in dieser Woche die letzte ihrer Aktionen.

„Vielen Kolleginnen und Kollegen geht langsam der Arsch auf Grundeis. Das muss doch langsam mal bei der Arbeitgeberseite ankommen“, ruft Luitjens in sein Mikrofon und erntet Applaus bei den Airbus-Mitarbeitern. Auch die Beschäftigten der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie leiden unter den steigenden Energie-, Lebensmittelpreisen und der Inflation.

„Gut für die Kaufkraft in der Region“

Arbeitgeber sollten nach Ansicht des Gewerkschafters die Löhne entsprechend anpassen und die Verantwortung nicht an die Bundesregierung abgeben. „Viele Betriebe haben das Corona-Loch schnell wieder ausgleichen können. Das Jammertal der Arbeitgeber ist nicht so tief, wie sie es immer darstellen“, argumentiert Luitjens. Die Binnennachfrage sei zwar geschwächt, eine Anhebung der Löhne würde sich aber positiv auf die Kaufkraft in der Region auswirken.

Existenzängste in der Belegschaft angesichts der Krisen beobachtet auch ein Airbus-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Der Nordenhamer zeigt sich bei der Kundgebung mit seinen Kollegen und Kolleginnen solidarisch und fordert: „Die Gewinne der Betriebe sollten auch bei denjenigen ankommen, die diese erwirtschaften.“ Für einen Mitarbeiter mit der Entgeltgruppe sechs würden die geforderten acht Prozent mehr Gehalt rund 267 Euro mehr im Monat bedeuten.

Der dritte Verhandlungstermin ist für den 27. Oktober angesetzt - einen Tag vor Ablauf der Friedenspflicht. Jochen Luitjens glaubt jedoch nicht daran, dass der Arbeitgeberverband den Forderungen der IG Metall nachkommen wird. „Mich würde ein plötzliches Angebot überraschen. Wir bereiten uns jetzt auf Warnstreiks vor.“

Alle Metall- und Elektroindustrie-Betriebe in der Wesermarsch sowie die Werften in Lemwerder sind von den Tarifverhandlungen betroffen.

„Das Jammertal der Arbeitgeber ist nicht so tief, wie sie es immer darstellen“, sagt Jochen Luitjens, Geschäftsführer der IG Metall Wesermarsch.

„Das Jammertal der Arbeitgeber ist nicht so tief, wie sie es immer darstellen“, sagt Jochen Luitjens, Geschäftsführer der IG Metall Wesermarsch.

Foto: Hanke

Leandra Hanke

Volontärin

Leandra Hanke, Jahrgang 1992, ist seit Januar 2021 Volontärin bei der NORDSEE-ZEITUNG. Sie studierte Journalistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität in Hamburg und davor Politikwissenschaften in Bremen. Sie fühlt sich im Norden und vor allem an der Nordsee-Küste zu Hause.

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