Hamburg & Schleswig-Holstein

Diese Frau hat ihre Doktorarbeit über Dildos geschrieben

Na das ist doch mal ein vibrierendens Thema: Die Hamburger Kulturwissenschaftlerin Nadine Beck hat ihre Doktorarbeit über Sexspielzeuge geschrieben. Und sie hat verraten, warum sie sich auf diesem Gebiet so gut auskennt.

Nadine Beck (Hamburg) hat rund 500 Sexspielzeuge gesammelt - und ihre Doktorarbeit über das Thema geschrieben.

Nadine Beck (Hamburg) hat rund 500 Sexspielzeuge gesammelt - und ihre Doktorarbeit über das Thema geschrieben.

Foto: Nadine Beck/dpa

Nadine Becks Leidenschaft ist die Leidenschaft. Die Hamburger Kulturwissenschaftlerin hat sich auf Sexspielzeuge spezalisiert. Ob riesengroß, als Kosmetikgerät getarnt oder elegant wie ein kleiner Kunstgegenstand - Beck kennt sie fast alle.

Über die Entwicklung der Geräte für die weibliche Lust in den vergangenen 120 Jahren hat sie ihre Doktorarbeit ("Der vibrierende Dildo" / Uni Marburg) geschrieben.

Und womöglich hat die 45-Jährige seitdem in ihrer Wohnung in Hamburg-Altona sogar die größte historische Sammlung an Sexspielzeugen stehen: «Ich habe bisher mehr als 500 Sexspielzeuge gesammelt», sagt Beck der Deutschen Presse-Agentur.

50 Exponate in neuer Ausstellung auf dem Hamburger Kiez

Die Objekte für die Begierde stehen zum Teil in Vitrinen. Doch dort sollen sie nicht etwa ohne Publikum verstauben. Im Gegenteil: Beck gibt sie immer wieder auch für Ausstellungen her. Eine ist ab 16. Oktober 2022 in Hamburg zu sehen.

Die neue Dauerausstellung im kleinen Privatmuseum "L'Apotheque" auf dem Hamburger Kiez zeigt die Entwicklung der Vibratoren seit 1869. Rund 50 Exponate aus Becks Sammlung stehen teils hinter Glas in dem wohl ersten deutschen Museum für historisches und außergewöhnliches Sexspielzeug.

Die Ausstellung in St. Pauli, die nur im Zusammenhang mit einer vorab gebuchten Führung besichtigt werden kann, besticht nicht nur durch die besonderen Vibratoren und den Charme der denkmalgeschützten, alten Apotheke, sondern auch durch ihre wissenschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Einordnung.

Die Führungen sind "humorvoll und mit Anspruch"

Die Führungen in dem Ein-Raum-Museum übernehmen Inhaberin Anna Genger und ihre Museums-Partnerin und künstlerische Leiterin Bianca Müllner. «Humorvoll und mit Anspruch», wie sie beide sagen. Dabei werden die Führungen an die Zielgruppe angepasst. «Wir wollen den Horizont erweitern und aufklären.»

Dieses Ziel steht auch bei Sammlungsgeberin und Kuratorin Nadine Beck an oberster Stelle ihres nebenberuflichen Schaffens. Sex und Lust sollen kein Tabuthema sein, sagt sie. «Ich möchte, dass die Leute darüber sprechen. Natürlich hat jeder das Recht, sich nicht dafür zu interessieren. Aber ich möchte die Räume schaffen, damit es geht», so die fast fertig ausgebildete Sexualpädagogin.

Die Doktorarbeit und die Ausstellung waren für die umtriebige Beck dabei erst der Anfang. Vor wenigen Wochen hat sie zudem ein Aufklärungsbuch zusammen mit Rosa Schilling veröffentlicht.

Auch ein Aufklärungsbuch der Teenager geschrieben

"Sex in echt"(Oetinger-Verlagsgruppe) heißt es und es gibt Teenagern Antworten auf so ziemliche alle Fragen zu Lust, Liebe und Pubertät. Unaufgeregt, direkt und locker geht es darin um das unterschiedliche Aussehen von Penissen, Busen und Vulven, um Selbstbefriedigung, sexuelle Orientierung, die verschiedenen Spielarten von Sex, Grenzen beim Sex, Verhütung und natürlich Sexspielzeuge.

Vielen Kapiteln ist gemein, dass Platz für eigene Notizen und Gedanken ist. «Es ist wichtig, darüber nachzudenken, was man will. Und zu lernen, auch darüber zu sprechen», sagt Beck weiter. Das sei nicht nur gut für Jugendliche. Auch Erwachsene hätten in Sachen Sex und Sexspielzeuge viel Nachholbedarf. "Wenn man erstmal anfängt über Sexualität zu sprechen, merkt man zum einen, wie wenig die Menschen wissen und zum anderen, wie alleine gelassen sie sind mit diesem Thema."

Auch 80-Jährige sollen ganz frei über Sex sprechen

Ihr Buch sieht sie - wie auch die Ausstellung im Museum "L'Apotheque" - zunächst nur ein Mosaiksteinchen, ein erster Schritt hin zu mehr Gesprächsbereitschaft in Sachen Sexualität. "Wir wollen, dass es so viele Aufklärungsbücher und -möglichkeiten wie möglich gibt. Alle haben ein Recht darauf. Auch 80-Jährige." Das alles führe hoffentlich dazu, «dass wir irgendwann normaler, entspannter und befreiter darüber sprechen können - wenn wir wollen».

Bis es soweit ist, ist Becks Zettel nach wie vor voll. "Ich würde gern ein Curriculum für angehende Lehrende mitentwickeln, damit sie Material für guten Aufklärungsunterricht an die Hand bekommen."

Ein Blick in Becks Sammlung von Sexspielzeugen - aufbewahrt in ihrer Hamburger Wohnung.

Ein Blick in Becks Sammlung von Sexspielzeugen - aufbewahrt in ihrer Hamburger Wohnung.

Foto: Nadine Beck/dpa

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