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5 Dinge, die Sie noch nicht über die St.-Matthäus-Kirche in Rodenkirchen wussten

Die Wesermarsch bietet viele schöne Kirchen, aber die St.-Matthäus-Kirche in Rodenkirchen ist wohl die schönste mit ihren Münstermann-Kunstwerken. Es lohnt sich drinnen wie draußen ein genauer Blick: Auch unauffällige Details erzählen Geschichten.

Warum befindet sich die Uhr der St.-Matthäus-Kirche links oben in der Ecke des Kirchenschiffs? So genau weiß das niemand zu sagen. Jedenfalls lässt sich vom Friedhof aus gut erkennen, was die Stunde geschlagen hat.

Warum befindet sich die Uhr der St.-Matthäus-Kirche links oben in der Ecke des Kirchenschiffs? So genau weiß das niemand zu sagen. Jedenfalls lässt sich vom Friedhof aus gut erkennen, was die Stunde geschlagen hat.

Foto: Reim

1. Wie Eltern ihrer toten Kinder gedenken

Vier Liedertafeln hängen im Kirchenschiff. Den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern zeigen sie an, welche Stücke und welche Strophen aus dem Gesangbuch gesungen werden. Doch bedeutsam ist nicht nur ein Blick auf die Zahlen. Die Tafeln erzählen eine traurige Geschichte.

Gestiftet wurden sie Ende des 17. Jahrhunderts von Johan Stöer und seiner Frau Mette aus Strohausen, Gott zu Ehren und als Erinnerung an die Kinder des Paares. Acht von ihnen starben als Säuglinge oder Kleinkinder. Dazu passen die gemalten Putten, die sich auf einen Schädel und eine Sanduhr stützen - Symbole für Vergänglichkeit und Tod. Noch etwas stellt sich bei der Lektüre heraus: Die Eltern verwendeten mitunter den Namen eines verstorbenen Kindes fürs nächste Neugeborene erneut.

2. Schon Adam und Eva hatten ein Haustier

Bildhauer Ludwig Münstermann, der 1629 den Altar schuf, 1631 die Kanzel und außerdem Taufstein und Epitaph, mochte Tiere. Dessen ist sich Pfarrerin Birgit Faß sicher: „Wo es ging, hat er eines untergebracht.“ Und so finden sich Adler und Phönix, Affe und Schwan, Schlange und Hasen und viele andere Tiere in der Kirche.

Mit dabei ist der Hund, den Adam und Eva nach Münstermanns Idee offenbar schon im Paradies hielten. Der zahme Vierbeiner wurde Zeuge, als Eva den Apfel vom Baum der Erkenntnis holte. Die Vermutung, dass er mit den beiden Menschen ging, als sie aus dem Paradies vertrieben wurden, liegt nahe, ist aber biblisch nicht belegt. Zu finden ist die detailreiche Schnitzerei an der Kanzel.

3. Appetitliches Obst mit großer Wirkung

Ludwig Münstermann mochte nicht nur Tiere, er hatte auch etwas übrig für Obst. Beiderseits des Altars finden sich beispielsweise verlockend rote Erdbeeren. „Erdbeeren galten als Mittel gegen ein bedrücktes Gemüt“, berichtet Pfarrerin Faß.

Ob die Wirkung sofort eintrat, lässt sich nicht mehr feststellen, doch heutzutage ist Vorsicht geboten: Die roten Früchte ragen so tief hinunter, dass sich Passanten leicht den Kopf stoßen könnten. Der Mann über der Beere ist Martin Luther. Das sagt nicht nur die Inschrift aus, auch der Schwan an der Seite des Reformators weist darauf. Der galt als Symboltier für Luther.

4. Wer restauriert, der bleibt

Zugegeben, nur diejenigen, die in den verschlossenen Sakristeiraum gelangen, können das witzige Selbstporträt von „U P“ sehen. Die Initialen stehen für Uwe Pleninger. Der Restaurator aus Hannover hat vor einigen Jahren in der St.-Matthäus-Kirche gearbeitet. Dass er auch die kleine Zeichnung von sich zurückgelassen hat, ist, so weiß die Pfarrerin, guter Restauratoren-Brauch. Auch frühere Vertreter der Zunft haben sich in der Kirche verewigt.

5. Die fast vergessene Kirchenuhr

Seit 2011 steht auf der Orgelempore beeindruckend und ganz und gar funktionstüchtig die alte Kirchenuhr. Dass das gute Stück, das ursprünglich 1735 an die Kirchengemeinde geliefert worden war, noch existiert, ist dem örtlichen Maschinenbaumeister Wilfried Peters zu verdanken.

Die Uhr war im 19. Jahrhundert stillgelegt worden und danach in Vergessenheit geraten. Bei Restaurierungsarbeiten 1986 wurde sie wiederentdeckt - und sollte im Müll landen. Doch Wilfried Peters nahm sich der Sache an, steckte viel Zeit und Energie in das alte Stück. 1990 präsentierte er die Uhr wieder schön wie einst. 2011 zog sie zurück an ihren ursprünglichen Standort.

Ellen Reim

Reporterin

Seit mehr als 25 Jahren ist sie mit Leib und Seele Lokalredakteurin bei der KREISZEITUNG WESERMARSCH. Vor allem in Nordenham kennt sie sich bestens aus.

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