Sport

So kommt mehr Straßenfußball in die Vereine

Der Deutsche Fußballbund (DFB) will mit einer Wettkampfreform bei den Jüngsten dafür sorgen, dass Talente mehr gefördert werden. Die neue Form heißt Funino und soll den Straßenfußball in die Vereine holen. Der NFV-Kreis Rotenburg will das neue Projekt Mitte September, zunächst im G-Jugendalter, starten und dafür Vereine gewinnen, die Turniere veranstalten und damit die Werbetrommeln rühren.

Ob aus dem Nachwuchsfußballer einmal ein zweiter Ronaldo wird, bleibt dahingestellt, die Grundlagen des Fußballs lernt er durch Funino.

Ob aus dem Nachwuchsfußballer einmal ein zweiter Ronaldo wird, bleibt dahingestellt, die Grundlagen des Fußballs lernt er durch Funino.

Foto: Krause

„Bei Funino geht es um kindgerechte Spiele, bei denen alle Kids mitgenommen werden sollen. Das Schöne ist, am Ende haben alle gewonnen“, ist sich Regina Thurisch sicher. Die Vorsitzende des NFV-Frauen-Mädchen- und Jugendausschusses ist sich bewusst, dass die neue Wettkampfreform nicht nur Befürworter findet. „Natürlich ist das Neuland und daher ist Überzeugungsarbeit angesagt“, weiß Thurisch, die Vereine kennt, die sich Funino auf die Fahne geschrieben haben. Der JFV Wiedau-Bothel ist ein Vorreiter, hat bereits zum fünften Mal den so genannten Johannes-Cup veranstaltet. Bei dem Funino-Turnier hatten zuletzt 300 Kinder viel Spaß am Kick auf vier Tore und gingen in mehreren Spielfeldern auf Torejagd.

„Ich finde die Wettkampfform gut, da sind Erfolgserlebnisse vorprogrammiert. Mit den einfachen Regeln gibt man den Kindern ein gutes Werkzeug an die Hand“, meint Bernhard Lauter, der erste Vorsitzende des JFV Wiedau-Bothel.

Und auch JFV-Nachwuchstrainerin Nadine Wellbrock, die eine U8-Mannschaft betreut, zeigt sich fasziniert von Funino. „Jedes Kind hat die Möglichkeit, mitzuspielen, ist in seinen Entscheidungen frei, kann dribbeln, passen und in der Schusszone Tore erzielen. Ich habe nicht erlebt, dass es Stress gab, die Kids kommunizieren sehr gut miteinander und regeln Dinge problemlos“, betont Wellbrock.

Im DFB-Stützpunkt Rotenburg ist Funino bereits präsent, wird immer wieder in Übungseinheiten eingestreut. „Funino ist bei uns ein wichtiges Thema und kommt bei den Kids an. Jeder Spieler hat den Ball viel öfter am Fuß, geht ins Eins-gegen-Eins-Duell und muss Lösungen finden. Die Palette der Positionen ist breit und keiner wird als Verteidiger geparkt“, räumt Christoph Meinke ein.

Dass Kinder im G- und F-Jugendalter keine Erfahrungen als Torhüter sammeln, findet der 34-jährige Botheler nicht weiter schlimm. „Manuel Neuer hat auch nicht von Beginn an im Tor gespielt. Daher sehe ich es nicht als Nachteil an, das Torwartspiel erst später zu erlernen“, erklärte Meinke.

Die Regeln sind „kinderleicht“, da wird unter anderem anstelle eines Einwurfes einfach eingedribbelt, Tore in der Schusszone erzielt und bei einem Unentschieden der Sieger durch zwei Spieler über ein „Schnick, Schnack, Schnuck“ entschieden.

Beim Bundesligisten VfL Wolfsburg hat Funino in der Fußballschule längst Einzug gehalten und Ex-Profi Uwe Erkenbrecher hat beste Erfahrungen mit dem früheren Straßenfußball gemacht. „Durch den Funino-Fußball bekommt der Breitensport wieder eine ganz andere Dichte und Breite. Da geht es um die Förderung der Spielintelligenz und der Kreativität. Und es werden alle mitgenommen, klar fallen einige hinten runter. Das hat unterschiedliche Gründe“, so der Fußballlehrer.

Dass Funino kein Allheilmittel ist, findet Benjamin Duray, ehemaliger Trainer des Oberligisten Rotenburger SV. „Das ist sicher ein Baustein. Die Bewegungsvielfalt und das Kennenlernen sind wichtiger denn je“, betonte er.

Der NFV-Kreis Rotenburg hat bereits gewisse Rahmenbedingungen geschaffen und zum Beispiel 16 Tore vom NFV erhalten, die den Vereinen bei Turnieren zur Verfügung gestellt werden sollen. „Ich hoffe, dass Vereine den Versuch machen und ein Turnier veranstalten. Natürlich ist das aufwendig und man benötigt viele fleißige Helfer. Bei einem Tagesturnier hätte eine große Anzahl von Vereinen die Möglichkeit, ihren Kids Wettkampf-Praxis anzubieten“, meint Regina Thurisch, die bereits eine Ausschreibung und ein Regelwerk auf den Weg gebracht hat.

Und dann besteht das NFV-Angebot, einen Funino-Vortrag am 17. September, 19 Uhr, in der Volksbank Zeven, Vitusplatz 3a, zu besuchen. Die Praxis erfolgt am 27. Oktober auf dem Gelände des VfL Sittensen.

Kindertrainer-Zertifikat

Damit die Kids eine gute Betreuung und Ansprache im Trainingsalltag erfahren, bietet der NFV-Kreis-Rotenburg ein Trainer-Zertifikat für Jugendliche an. Eine Online-Schulung findet am 23. August statt, und am 4. September folgt eine Präsenz-Veranstaltung. „Damit wollen wir den Interessierten die ersten Schritte und Abläufe zeigen“, informiert der Vorsitzende des NFV-Qualifizierungsausschusses, Hans-Jürgen Kotteck.

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