Bremerhaven

Wie die Polizei versucht, Frauen vor Gewalt zu schützen

Zum besseren Schutz von Frauen und Kindern, die von Gewalt betroffen sind, hat die Ortspolizeibehörde Bremerhaven eine neue Stelle geschaffen. Sie soll gewährleisten, dass die Istanbul-Konvention umgesetzt wird. So soll das funktionieren.

Ein Mann hält eine Frau fest.

Im Jahr 2021 wurden in Bremerhaven 36 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung angezeigt. Zum Vorjahr stiegen die Fallzahlen um über 55 Prozent.

Foto: dpa

Passiert ein gewaltsamer Übergriff und es wird die Polizei gerufen, dann entscheiden die Beamten vor Ort, ob ein Risikofall vorliegen könnte. Als ein „Hochrisikofall“ werden Frauen bezeichnet, die akut von Gewalt bedroht sind - in den meisten Fällen durch ihren Partner oder Ex-Partner. „Wir können als Erstes zum Schutz der Frauen dem Mann eine Wohnungsverweisung aussprechen, die auch für mehrere Tage gilt“, erklärt Volker Ortgies, Direktor der Ortspolizeibehörde.

Nachdem der Fall von der Ermittlungsbehörde oder der Kriminalpolizei bearbeitet ist, wird entschieden, ob es zu einer Fallkonferenz kommt. Eine Fallkonferenz bedeutet, dass sich die verschiedenen, verantwortlichen Einrichtungen zusammensetzen und Informationen über die betroffene Person austauschen, um eine schnelle Hilfe zu gewährleisten. Diese polizeiinternen Prozesse zu koordinieren, wie zum Beispiel die Fallkonferenz, gehört zu den Aufgaben der neuen Stelle, die die Ortspolizei Bremerhaven in Zusammenarbeit mit dem Magistrat geschaffen hat. Finanziert wird sie aus Landesmitteln. „Es geht darum, dass wir schneller reagieren und den betroffenen Personen besser Unterstützung bieten können“, erklärt Ortgies.

Anzahl der Dunkelziffern soll sinken

Die neue Stelle soll die verschiedenen Behörden in Bremerhaven dabei unterstützen, die Konventionen von Istanbul in der Praxis umzusetzen. Die Istanbul-Konvention ist 2011 vom Europarat ausgearbeitet worden. Mit der Unterzeichnung hat sich Deutschland verpflichtet, Gewalt gegen Frauen zu verhindern, zu verfolgen und zu beseitigen.
„Mehr Frauen sollen sich aufgerufen fühlen, Gewalt auch anzuzeigen“, ergänzt Nadine Laue. Die Pressesprecherin der Ortspolizeibehörde betont, dass sie ebenfalls ihre Streifenkollegen schulen, für erste Anzeichen von häuslicher Gewalt sensibler zu werden, um im Einsatz schneller reagieren zu können. Von der Schaffung der Stelle erhofft sich die Polizei, dass mehr Gewalttaten angezeigt werden und damit in die Statistik eingehen. „Damit deutlich wird, wie groß dieses Problem wirklich ist und noch mehr Ressourcen darauf verwendet werden können“, so Ortgies. Zu den Aufgaben der neuen Stelle zählt auch zu überprüfen, wie beispielsweise die Zusammenarbeit zwischen den Frauenhäusern und der Polizeibehörde funktioniert. Anfang 2023 wird die „Koordinierungsstelle Istanbul Konvention“ mit ihrer Arbeit beginnen.

Leandra Hanke

Volontärin

Leandra Hanke, Jahrgang 1992, ist seit Januar 2021 Volontärin bei der NORDSEE-ZEITUNG. Sie studierte Journalistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität in Hamburg und davor Politikwissenschaften in Bremen. Sie fühlt sich im Norden und vor allem an der Nordsee-Küste zu Hause.

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