Bremerhaven

Schlimme Hunde-Attacke an der Hafenstraße hat Konsequenzen

Ein Mann liegt am Boden, über ihm wütet ein Terrier, die Polizei muss Pfefferspray gegen den Hund einsetzen: Dieser Zwischenfall in Bremerhaven-Lehe beschäftigt die Zeugen und Anwohner noch immer. Jetzt gibt es ernste Konsequenzen gegen die Halterin.

Nicht immer ist ein als gefährlich eingestufter Hund das wirkliche Problem, sondern der Halter. Nach einem schlimmen Zwischenfall in der Hafenstraße in Bremerhaven kam der attackierende Hund ins Tierheim. (Unser Symbolfoto zeigt einen American Staffordshire im Tierheim Passbrunn in Bayern.)

Nicht immer ist ein als gefährlich eingestufter Hund das wirkliche Problem, sondern der Halter. Nach einem schlimmen Zwischenfall in der Hafenstraße in Bremerhaven kam der attackierende Hund ins Tierheim. (Unser Symbolfoto zeigt einen American Staffordshire im Tierheim Passbrunn in Bayern.)

Foto: Armin Weigel/dpa

Keinen Hund mehr halten soll die Frau, deren "Listenhund" jüngst in Bremerhaven-Lehe einen Chihuahua totgebissen hat. Das hat nordsee-zeitung.de erfahren.

Rückblick: Zu dem dramatischen Geschehen kommt es am Abend des Donnerstag, 24. November. Es ereignet sich an einem Ort, den Anwohner und Passanten oft mit gemischten Gefühlen passieren: auf dem kleinen Platz zwischen Penny und AWO im oberen Bereich der Hafenstraße.

Es passierte in einer Problemzone in der oberen Hafenstraße

Dort halten sich oft von früh bis spät etliche Männer und Frauen auf, nicht immer leise und nicht immer nüchtern, oft mit Hunden – alles zum Leidwesen vieler Anlieger, AWO-Besucher und Einkäufer.

In dieser Problemzone im Durchgang zur Bütteler Straße sieht eine Bremerhavenerin an diesem Abend gegen 18.30 Uhr eine aufgeregte Menschenmenge.

Eine Frau ruft immer wieder „Mein Hund!“, am Boden liegt ein Mann, neben ihm steht ein großer Hund, der sich erkennbar in etwas verbissen hat. Ein anderer Mann versucht, die Kiefer des Hundes mit einem langen Stock aufzuhebeln – vergeblich.

Die Passantin, die sich mit Hunden auskennt, hat den Eindruck, dass es sich bei dem Tier um einen Staffordshire Terrier handelt. Das ist ein sogenannter „Listenhund“, dessen Zucht und Haltung im Bundesland Bremen wegen seiner potenziellen Gefährlichkeit verboten ist.

Eine hundekundige Passantin alarmierte sofort die Polizei


Die Bürgerin weiß: Wenn diese zur Dominanz neigenden Hunde zubeißen, haben sie den naturgegebenen Reflex, nicht mehr loszulassen. Sie wählt deshalb sofort den Notruf 112.

Die von der couragierten Bürgerin alarmierte Polizei kommt beeindruckend schnell. Polizeibeamte springen heraus, gehen sofort mit Pfefferspray auf den Hund los.

Erst ein massiver Einsatz des Sprays bringt den Terrier dazu, seinen Biss zu lösen - endlich. Die Polizisten drängen das Tier von den Menschen weg, sichern es mit einem Halsband und einer Leine.

Der Terrier hatte sich in einen Chihuahua verbissen

Erst dann wird klar: Der kräftige Hund hatte nicht den am Boden liegenden Mann angegriffen, sondern einen kleinen Hund, den dieser verzweifelt schützen wollte.

Der Terrier hatte sich in die Kehle eines Chihuahua-Mischlings verbissen. Für den kleinen Hund kommt der mutige Polizeieinsatz zu spät: Er stirbt durch die Attacke des großen Hundes.

Inzwischen sind mehrere Polizeibusse vor Orte. Die Stimmung ist aufgeheizt, bei der Aufnahme des Sachverhaltes kommt es zwischen den umstehenden Personen zu einer leichten Körperverletzung. Den Beamten gelingt es schließlich, die Situation zu beruhigen.

Oft ist der Halter des Hundes das eigentliche Problem

Den gesicherten Hund bringt die Polizei noch am Abend ins Tierheim Bremerhaven. Zeugen des Vorfalls fragen sich: „Was wird mit ihm passieren?“ Hundekenner wissen: Oft ist nicht der Hund, sondern der Halter das wirkliche Problem.

So ist es auch in diesem Fall. Ein fachkundiger Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Bremerhaven sucht nach dem Zwischenfall eigens dafür das Tierheim auf, begutachtet den Hund, spricht mit den Mitarbeitern des Heims. Ergebnis: Der Hund – wie sich herausstellt, ein Pitbull-Staffordshire-Terrier-Mix – wirkt dort völlig unauffällig, ja sogar lieb.

Offenkundig ist er aber falsch aufgezogen und gehalten worden – zu isoliert und ohne genügend Kontakt zu anderen Hunden.

Die Halterin darf nun keinen Hund mehr haben

Wie Magistratssprecherin Laura Bohlmann-Drammeh im Gespräch mit nordsee-zeitung.de mitteilt, soll die Halterin den sichergestellten Hund nicht zurückbekommen. Das Ordnungsamt hat sogar ein Hundehaltungsverbot gegen sie eingeleitet - und ein Bußgeldverfahren. Ihr droht, dass sie mehrere hundert Euro bezahlen muss.

Und was geschieht mit dem Staffordshire-Mischling? Er darf am Leben bleiben.

Das Tierheim Bremerhaven sucht nun einen neuen, diesmal geeigneten Halter für ihn – außerhalb des Bundeslandes Bremen, weil solche Hunde in Bremerhaven und Bremen gar nicht gehalten werden dürfen.

Die Anwohner und Passanten bleiben wegen der Lage besorgt

Was bleibt, ist die Sorge der Anwohner und Passanten am Durchgang zwischen Penny und AWO. Die sich dort aufhaltenden Menschen haben oft Hunde dabei. Durchweg scheinen sie innig mit den Tieren verbunden, nicht immer aber wirken sie fachkundig.

Eine Bürgerin sieht die Lage dort deshalb mit Bangen. Zu nordsee-zeitung.de sagt sie: „Was ist, wenn das nächste Mal nicht ein Hund, sondern ein Schulkind Ziel einer solchen Hundeattacke wird?“

Sie haben auch gefährliche Situationen mit Hunden in Bremerhaven erlebt? Sie möchten etwas zu der Problemzone in der oberen Hafenstraße sagen? Sie können sich – auch vertraulich – an unseren Reporter wenden: christian.lindner@nordsee-zeitung.de


Christian Lindner

Leiter Online-Redaktion

Christian Lindner stammt aus Schleswig-Holstein. Den Beruf des Redakteurs gelernt hat er im Rheinland. Er hat viel im Lokalen gearbeitet, und für alles Digitale hat er ein Faible. Journalismus bedeutet für ihn: Daran mitwirken, dass Gutes gut bleibt und Schlechtes besser wird.

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