Bremerhaven

Maritime Tage: Müssen wir bald Eintritt zahlen?

Die Maritimen Tage in Bremerhaven: Ein großer Spaß, der viel Geld kostet. Nur ein Teil wird mit Standgeld und Sponsoring refinanziert. Das Gros zahlen Stadt und Land. Ob sich das lohnt und Besucher Eintritt zahlen sollten, weiß der Veranstalter.

Mädchen fotografieren Schiffe im Neuen Hafen.

Maritime Tage oder Seestadtfest: Die jährlichen Hafenpartys wurden mit Citytax-Geld bezuschusst.

Foto: Arnd Hartmann

Fünf Tage lang Party am Neuen Hafen mit tollen Schiffen, Musik, Essen und Trinken - das kostet auch. Mit 580.000 Euro rechnet der Veranstalter, die Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft Erlebnis Bremerhaven GmbH. Die großen Schiffe, Bühnen, Logistik, Werbung, Sicherheit - all das will finanziert werden. Das Gros zahlen Stadt und Land.

Lübeck nimmt Eintritt

Manch andere Städte gehen neue Wege, Beispiel Lübeck. Das Duckstein-Festival. Am Ufer zwischen der Musik- und Kongresshalle und der Trave gibt es zehn Tage lang Musik auf einer schwimmenden Bühne, dazu ein internationales Kulturprogramm mit Straßentheater, Artistik und Comedy und Leckeres aus aller Welt. Zehn Euro kostet der Eintritt pro Tag, ein Festivalpass für alle zehn Tage 15 Euro.

„Das lässt sich nicht vergleichen“, sagt Ralf Meyer, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH. Das dort von einem Unternehmen initiierte Festival toure durch mehrere Städte und sei kein maritimes Stadtfest wie die Hanse Sail Rostock, die Kieler Woche, das Fest an der Jade Wilhelmshaven oder eben die Maritimen Tage. Und: Die großen Konzerte, die auf der Seebäderkaje stattfinden, kosten ja Eintritt.

Bei Toggo-Tour Eintritt nehmen als Alternative

Er nennt ein Beispiel: Am vergangenen Wochenende war die Super-RTL-Toggo-Tour zu Gast in Bremerhaven. Das Gelände war frei zugänglich ohne Eintritt. Entsprechend groß war der Andrang und Familien mussten warten, was kritisiert wurde. Die Veranstalter hätten auch einzäunen und Eintritt nehmen können. „Ich vermute, dann hätte es keine Wartezeiten gegeben“, sagt Meyer.

Bremerhaven mache mit dem Hafenfest eine andere Rechnung auf: Man geht davon aus, dass die Maritimen Tage im Durchschnitt 325.000 Besuche erzielen. Das spüle Umsätze in allen Bereichen wie Organisation, Marketing, Basar, Einzelhandel, Hotellerie, Gastronomie, Schiffsausrüstung in die Kassen. Aus Erfahrung rechne man mit über sechs Millionen Euro Umsatz. Auch das Umland profitiere bei Ferienvermietung, Hotellerie und Gastronomie von der Veranstaltung.

„Von regionalwirtschaftlicher Bedeutung ist darüber hinaus der nicht monetarisierbare Imageeffekt“, sagt Bremerhavens Touristik-Chef. Deutschlandweit würden Medien berichten - in Tageszeitungen, Zeitschriften, Internet, Radio- und Fernsehen. Es gebe Live-Sendungen während der Veranstaltung, erklärt er.

Ausnahmen für viele Gruppen

Gezählt werden Besuche, nicht Besucher. Ein Eintritt würde sich auf diese Zahlen auswirken. Um die Besucherzahlen während der Pandemie steuern zu können, habe man alle Szenarien mit Umzäunung des Geländes durchgespielt. „Ein organisatorischer und logistischer Alptraum“, sagt Meyer. Das Gelände lasse sich nicht absperren. Man müsste für Hotelgäste, Skipper, Anwohner, Angestellte, Vereine, Museumsbesucher und Zoobesucher Ausnahmeregelungen schaffen. Feuerwehrzufahrten, die kontrolliert werden müssen. Der Eintritt müsste kassiert und kontrolliert werden.

Claus Jäger vom Verein „Schulschiff Deutschland“.

Claus Jäger vom Verein „Schulschiff Deutschland“.

Foto: Lothar Scheschonka

Es müssten Bändchen oder Tickets und Geld den Besitzer wechseln, es müsste Mitarbeiter geben, die das kontrollieren. „Ich glaube nicht mal, dass wir genug Personal finden würden“, schätzt Meyer. Die Kosten für den ganzen Aufwand würden den Erlös aufzehren. Gäste der Stadt würden zudem doppelt zur Kasse gebeten: Ins Fest fließt Geld aus der Bettensteuer, die Touristen in der Stadt zahlen.

Könnte man Eintritt für das Besuchen der Schiffe nehmen? Für den Besuch der „Schulschiff Deutschland“ beispielsweise muss der Verein Eintritt nehmen, denn so finanziert sich der Erhalt des Seglers. „Darauf könnten wir nicht über die gesamten Maritimen Tage verzichten“, sagt der Vorsitzende Claus Jäger. Für Meyer vollkommen korrekt: Das Schiff bekomme ja auch kein „Antrittsgeld“.

Es ist ein maritimes Stadtfest für jeden Bremerhavener und das soll es bleiben.

Ralf Meyer, Geschäftsführer Erlebnis Bremerhaven

Das bekommen andere: Die Großsegler von „Götheborg“ bis „Dar Mlodziezy“ oder „Gulden Leeuv“ kommen nur, weil Bremerhaven sie bezahlt. „Dafür bieten sie Gästetouren an, die wir verkaufen. Oder stehen für Vermietung an Land zur Verfügung“, erklärt Meyer. Durch die Weserfahrten und Vermietungen beispielsweise an Firmen holt der Veranstalter einen Teil der Kosten rein. Deshalb ist auch das „Open Ship“ meist kostenfrei: „Das ist seit jeher der Charakter des Festes“, sagt Meyer.

Eintrittsgeld wäre aus Sicht der Bremerhavener Schausteller „eine Katastrophe“, sagt Willy Reinhard. „Wir müssen selbst mit dem spitzen Bleistift kalkulieren, was ist wirtschaftlich, was können die Menschen zahlen“, sagt der Unternehmer. „Wir sind froh, dass die Leute kommen, Eintritt würde der Veranstaltung das Genick brechen“, ist er sicher.

Die Stadt will deshalb auch nichts ändern. „Es ist ein maritimes Stadtfest für jeden Bremerhavener und das soll es bleiben“, sagt der Touristikchef.

Maike Wessolowski

Reporterin

Maike Wessolowski wurde in Remscheid geboren. Die ausgebildete Reiseverkehrskauffrau und Reporterin lebte und arbeitete in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen bis sie 2018 in Bremerhaven festmachte. An der Region schätzt sie: Menschen, Maritimes, Möglichkeiten.

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