Niedersachsen

Illegale Feuerwerkskörper: Durchsuchungen in Grenzregion

Böller und Raketen gehören für viele fest zum Jahreswechsel. Das Abrennen illegalen, hoch explosiven Böllern sehen Behörden und Verbände zunehmend mit Sorge. Händler verbotener Pyrotechnik sind nun bei einem grenzüberschreitenden Polizeieinsatz im Visier.

Von dpa
20. Dezember 2022
Email senden zur Merkliste
Polizisten stehen vor einer Bunkeranlage.

Polizisten stehen vor einer Bunkeranlage.

Foto: Friso Gentsch/dpa

Mit Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und den Niederlanden ist die Polizei seit dem frühen Dienstagmorgen gegen den Handel mit illegalen Feuerwerkskörpern vorgegangen. In den Niederlanden habe es zwei Festnahmen gegeben, sagte ein Sprecher der zuständigen Polizeidirektion Osnabrück der Deutschen Presse-Agentur. Es sei ein großes Aufgebot von Polizisten der Bundesländer und der Niederlande im Einsatz. Durchsucht würden mehrere Objekte in der Grenzregion. Angaben zu beschlagnahmten Feuerwerkskörpern machte die Polizei zunächst nicht.

Ziel des grenzübergreifenden Einsatzes sei das Zerschlagen krimineller Netzwerke im Kampf gegen den Handel mit illegalen und hoch gefährlichen Feuerwerkskörpern. Die Ermittlungen werden auf deutscher Seite von der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück geführt - auch die Strafverfolgungsbehörde der Europäischen Union, Europol, ist beteiligt.

Die Durchsuchungen sind der zweite Schlag der Ermittler gegen die Szene in dem Dreiländereck binnen weniger Monate. Bereits im Oktober hatten Ermittler elf Verdächtige in den Niederlanden festgenommen. Damals waren bei Durchsuchungen in der Grenzregion zwischen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden rund 350 Tonnen illegale Pyrotechnik im Wert von rund 25 Millionen Euro beschlagnahmt worden. Die aktuelle Razzia stehe mit den Beschuldigten in dem früheren Verfahren aber nicht im Zusammenhang, so die Polizei.

Durch die frühere Razzia wurde nach Polizei-Angaben nach zwei Jahren Ermittlungen ein niederländisches kriminelles Netzwerk aufgedeckt, das mit illegalen, hoch gefährlichen Feuerwerkskörpern gehandelt haben soll. Die damals beschlagnahmte illegale Pyrotechnik soll von China über mehrere Länder, darunter Deutschland, in die Niederlande transportiert worden sein. Den Ermittlern zufolge gibt es zudem Hinweise, dass das hochexplosive Material auch für andere Straftaten benutzt wird - etwa bei der Sprengung von Geldautomaten.

Ins Rollen kamen die Ermittlungen damals durch sogenannte Encrochat-Daten. Bei Encrochat handelte es sich um ein verschlüsselte Kommunikationssystem, mit dem Kriminelle Straftaten planten und organisierten. Nachdem französische Behörden das System im Frühjahr 2020 knackten, kamen tausende Ermittlungsverfahren in Gang.

In den Niederlanden hatte die Polizei bereits in den vergangenen Wochen tonnenweise illegale Böller beschlagnahmt. Allein Anfang Dezember waren es insgesamt 4,2 Tonnen. In einer Wohnung in Almere etwa entdeckten Fahnder 427 Kilogramm illegaler Feuerwerkskörper. Weil die Regeln für das Abbrennen von Feuerwerkskörpern an Silvester in den Niederlanden vor einiger Zeit verschärft wurden, hat die Einfuhr illegaler schwerer Böller vor allem aus Deutschland und Belgien zugenommen. Nach einem Böllerverbot zu Silvester während der Corona-Pandemie in den beiden Vorjahren werden nun wieder verstärkt Verletzte und Sachschäden durch die Böllerei befürchtet.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) hatte die vorangegangenen grenzüberschreitenden Durchsuchungen der Ermittlungsbehörden zum Anlass genommen, um auf die Gefahr illegaler Pyrotechnik hinzuweisen. „Illegales Feuerwerk ist kein Spaß, sondern eine lebensgefährliche Bedrohung für Leib und Leben“, hatte der VPI-Vorsitzende Thomas Schreiber in einer Mitteilung gesagt. Da Hersteller und Händler von Feuerwerk zuletzt einen Trend zum Abrennen illegaler Pyrotechnik feststellten, wollte der Verband eine verbandseigene Experten-Gruppe einrichten, hieß es Mitte November.

0 Kommentare
PASSEND ZUM ARTIKEL
zur Merkliste

Niedersachsen

Siebenjähriger von Auto erfasst: Lebensgefährlich verletzt
zur Merkliste

Niedersachsen

Lehrermangel: Ministerin setzt auf Austausch mit Betroffenen
zur Merkliste

Niedersachsen

Vollsperrung nach Lasterunfall auf der A7
nach Oben