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Güterumschlag bremischer Häfen sinkt verglichen zum Vorjahr

Für die bremischen Häfen war es kein gutes Jahr: Der Güterumschlag wird 2022 aller Voraussicht niedriger ausfallen als noch im Vorjahr. Das wurde am Montag bekannt. Künftig könnten Energieimporte wichtiger als bislang für die Häfen werden.

Von dpa
19. Dezember 2022
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Bremens Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD), spricht.

Bremens Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD), spricht.

Foto: Michael Bahlo/dpa/Archivbild

Die schwache gesamtwirtschaftliche Lage weltweit, der Angriff Russlands auf die Ukraine und die Störungen der globalen Lieferketten haben sich schlecht auf die bremischen Häfen ausgewirkt. Zu dieser Einschätzung kam die Bremer Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) am Montag. Schätzungen ihres Ressorts zufolge wird der seeseitige Güterumschlag im Jahr 2022 mit etwa 64,5 Millionen Tonnen 7,4 Prozent niedriger sein als noch im Vorjahr. „Auch dieses Jahr hätten wir uns etwas anders gewünscht, wenn wir uns den Gesamtumschlag in den Häfen anschauen“, sagte Schilling im Bremer Rathaus.

Für die Hafenanlagen in Bremerhaven wird beim Umschlag ein Minus von 7,9 Prozent im Vorjahresvergleich erwartet, für die Anlagen in Bremen-Stadt ein Rückgang um 5,4 Prozent.

Der Vorstandsvorsitzende des Seehafen- und Logistikdienstleisters BLG Logistics, Frank Dreeke, sagte, das Unternehmen habe das Jahr 2022 trotz vieler Krisen vernünftig abgeschlossen. Am Autoterminal Bremerhaven - laut Unternehmen ist es eines der größten Autohäfen der Welt - werden bis Ende des Jahres einer Schätzung zufolge 1,6 Millionen Fahrzeuge umgeschlagen, transportiert und technisch bearbeitet. Im Vorjahr waren es noch 1,7 Millionen und vor der Corona-Pandemie - im Jahr 2019 - 2,1 Millionen Fahrzeuge.

Gut habe sich dagegen der Neustädter Hafen - laut BLG Logistics handelt es sich um Europas größtes Terminal für Stück- und Schwergut sowie Projektladung - entwickelt. Das Unternehmen erwartet, dass an dem Standort das Umschlagsvolumen rund 20 Prozent über dem des Vorjahres liegen wird.

Um einen Großteil der bremischen Hafeninfrastruktur kümmert sich im Auftrag der Stadt Bremen das Unternehmen Bremenports. Der Geschäftsführer von Bremenports, Robert Howe, sagte: „Wir haben ein herausforderndes Jahr 2022 gehabt.“ Den umgestürzten Moleturm in Bremerhaven nannte er als ein Beispiel. Rund 100 Mitarbeiter werden das Unternehmen altersbedingt in den nächsten Jahren verlassen, das entspricht in etwa einem Viertel der Belegschaft. Howe sagte, es sei schwierig, in den sogenannten Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) Personal nach Bremen und Bremerhaven zu bekommen.

„Sie wissen, dass die bremischen Häfen nicht dafür stehen, ein Energie-Hub zu sein“, sagte Howe. Aber Deutschland brauche in der Zukunft große Mengen an Energie aus dem Ausland: Wasserstoff und Wasserstoff-Derivate wie beispielsweise Ammoniak. Energie könne nicht ausschließlich über Pipelines transportiert werden, weswegen sich der Transport über den Seeweg anbiete. „In dem Sinne brauchen wir alle Häfen, die wir haben in Deutschland“, berichtete Howe. Die bremischen Häfen hätten das Potenzial, sich künftig zu einer Basis für den Import von Energie zu entwickeln.

Die Bremische Hafen- und Logistikvertretung (BHV), ein Wirtschafts- und Interessenverband, forderte die Politik auf, sich für die Kooperation der norddeutschen Seehäfen einzusetzen. „Dieses reine Standortdenken, jeder kümmert sich da um seinen Kram, das können die einzelnen Bundesländer unserer Meinung nach morgen und übermorgen nicht mehr selber leisten“, sagte BHV-Vorstandsmitglied Christoph Holtkemper. Von der Bundesregierung brauche es mehr Geld, damit deutsche Häfen mit den erfolgreichen Häfen in Rotterdam (Niederlande) und Antwerpen (Belgien) konkurrieren könnten, sagte Holtkemper.

Die bremischen Häfen zählen zu den wichtigsten in Europa. Wie es im Hafenkonzept 2035 des Landes heißt, sichern die Häfen rund 40.000 Arbeitsplätze im Land, bundesweit seien es etwa 345.000 Industriearbeitsplätze.

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