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Dieses Traditionsschiff geht bald wieder auf Segeltörns in der Nordsee

Das Traditionssegelschiff „Gesine von Papenburg“ kann bald wieder auf der Nordsee fahren. Viel Arbeit steckte der Trägerverein in die Restaurierung des Seglers, der auch ein Botschafter der Stadt Papenburg ist.

Neu lackiert wird das Traditionsschiff „Gesine von Papenburg“ von Mitarbeitern der Meyer Werft auf einem Tieflader gesichert.

Neu lackiert wird das Traditionsschiff „Gesine von Papenburg“ von Mitarbeitern der Meyer Werft auf einem Tieflader gesichert.

Foto: Lars Klemmer/dpa

In der riesigen Schiffsbauhalle der Meyer Werft macht die «Gesine von Papenburg» einen verlorenen Eindruck. Das Segelschiff ist immerhin auch mehr als 28 Meter lang und wiegt 75 Tonnen. Aber neben dem 344 Meter langen Kreuzfahrtriesen «Carnival Jubilee», der hier gerade gebaut wird, wirkt das altertümliche Segelschiff wie ein Spielzeug.

Mehrere Wochen lang wurde das Traditionsschiff auf der Meyer Werft von Grund auf restauriert. Jetzt hängt es am Kran und wird aus dem Dock zu einem Tieflader gebracht.

Das Traditionsschiff «Gesine von Papenburg» liegt im Baudock der Meyer Werft.

Das Traditionsschiff «Gesine von Papenburg» liegt im Baudock der Meyer Werft.

Foto: Lars Klemmer/dpa

«Das ist schon eine Riesenfreude für uns», sagt Georg Olker, erster Vorsitzender des Freundeskreises der «Gesine von Papenburg». Wer will, kann bei dem Verein den der Stadt gehörenden Segler für Törns auf der Nordsee buchen.

„Gesine von Papenburg“ ist Freizeitvergnügen und Botschafterin der Stadt Papenburg

Das grün-rot gestrichene Schiff ist aber mehr als nur ein Freizeitvergnügen für maritim angehauchte Gästegruppen. Es ist auch ein Botschafter der Stadt Papenburg. «Wir sind damit auch schon beim Hafenfest in Hamburg gewesen», sagt Hans-Wilhelm Mammes, der seitens des Vereins zu den Skippern, also den Schiffsführern, der «Gesine» gehört.

Auch wenn es aussieht wie ein historisches Schiff, gebaut wurde es in den 1980er Jahren von Auszubildenden der Meyer Werft, zusammen mit fünf anderen Nachbauten historischer Schiffstypen, die heute im Hauptkanal in der Mitte der Stadt Papenburg im Freilicht-Schifffahrtmuseum liegen. Sie sorgen für maritimes Flair im Zentrum der emsländischen Stadt.

Eine echte friesische Schmack

Der Schiffstyp selber ist rund 200 Jahre alt, erzählt Olker: «Er war typisch für diese Region.» Es handelt sich um eine friesische Schmack, eine Weiterentwicklung der damals in der Region üblichen Plattbodenschiffe. Im Gegensatz zu diesen war eine Schmack aber hochseetauglich. «Man konnte damit die Küsten abreisen bis nach Frankreich runter oder in die Ostee», sagt Olker.

Das hochseetaugliche Segelschiff gehört der Stadt und wird vom Freundeskreis der «Gesine von Papenburg» betreut.

Das hochseetaugliche Segelschiff gehört der Stadt und wird vom Freundeskreis der «Gesine von Papenburg» betreut.

Foto: Lars Klemmer/dpa

Diese Schiffstypen hätten die Papenburger und ostfriesische Region seinerzeit für die Welt geöffnet, erzählt Mammes. Vorher habe es nur Handel im Küstenbereich gegeben. Mit einer Schmack aber hätten die Papenburger Torf nach Schottland liefern können und von dort Kohle nach St. Petersburg. Als teuere Rückfracht sei Holz nach Papenburg geliefert worden.

Die historischen Schiffe waren natürlich Holzschiffe. Aber weil die Meyer Werft heute seine Kreuzfahrtschiffe aus Stahl baut, seien auch die Nachbauten 1985 aus Stahl gefertigt worden, sagt Olker, der selber als Maschinenbauingenieur auf der Werft arbeitet.

Diese Dinge mussten geändert werden

Der Anlass, weshalb die «Gesine von Papenburg» nun für zehn Wochen in der Werft lag, seien neue Sicherheitsbestimmungen für Traditionsschiffe gewesen, sagt Olker. Seit 2018 seien diese in Kraft. So habe die Reling zehn Zentimeter höher gemusst. Auch die Ventile für die Dieseltanks hätten ausgetauscht werden müssen. Bei der jüngsten TÜV-Untersuchung im Jahr 2021 seien diese Dinge aufgeschrieben worden, im Jahr 2022/23 habe der Verein die Liste abarbeiten wollen.

Da wegen der Corona-Pandemie die Kreuzfahrtbranche einen riesigen Einbruch erlebt hatte, musste die Meyer Werft ihr Bauprogramm nach Rücksprache mit den Auftraggebern strecken. Es war also Platz in den riesigen Baudocks der Werft, die kleine Gesine für ein paar Wochen aufzunehmen, sagt Werftsprecher Peter Hackmann. Die Arbeiten an dem Schiff machte der Freundeskreis über die Jahreswende. Die Werft stellte die Infrastruktur zur Verfügung.

Zehn Wochen wurde die „Gesine von Papenburg“ auf der Meyer Werft restauriert.

Zehn Wochen wurde die „Gesine von Papenburg“ auf der Meyer Werft restauriert.

Foto: Lars Klemmer/dpa

«Natürlich haben wir gesagt, klar, wir helfen», sagt Ludger Husmann. Der gelernte Schiffsbauer arbeitet im Industriemanagement der Meyer Werft. An der Außenwand des Schiffes gab es eine Stelle, die ausgebessert werden musste. «Wo das Schiff hier lag, haben wir geguckt, was noch gemacht werden musste», berichtet Husmann.

Arbeit an dem Schiff ist noch lange nicht beendet

Unter anderem musste auch die Hauptmaschine ausgebaut und zu einer Spezialfirma nach Leer zur Überholung gebracht werden, erzählt Olker. Die Arbeit an dem Schiff sei für den Verein noch längst nicht beendet. «Die Maschine muss wieder eingebaut werden, und auch am Innenausbau müssen wir noch arbeiten.»

Viel Mühe steckt für die Aktiven des 105 Mitglieder zählenden Vereins in dem Schiff. Mit bis zu zehn Menschen sei in den vergangenen Wochen an der Gesine von Papenburg gearbeitet worden. «Die Stunden kann man gar nicht zählen», sagt Olker.

Auch Papenburgs Bürgermeisterin Vanessa Gattung lässt es sich an diesem Tag nicht nehmen, sich die Verladung des Seglers in der Meyer Werft anzuschauen. «Ein Traditionsschiff, dass auch in der Hand einer Kommune ist, das hat man in Deutschland nicht so oft», sagt die SPD-Politikerin. Trotz der notwendigen Investitionen in das Schiff sei es schön, dass es die Stadt habe.

Die «Gesine von Papenburg» (links) im Vergleich zu einem Kreuzfahrtschiff.

Die «Gesine von Papenburg» (links) im Vergleich zu einem Kreuzfahrtschiff.

Foto: Lars Klemmer/dpa

Sie selber sei schon mit ihrem Opa zusammen auf der «Gesine von Papenburg» gefahren. «Ich war einmal dabei bei einer Überfahrt nach Emden und stand dann auch schon einmal am Steuer», erzählt die 33-Jährige. Von daher habe sie seit Kindesbeinen eine Verbindung zu dem Schiff.

„Gesine von Papenburg“ nur im Winter im Heimathafen

Das sei wohl nicht bei allen Papenburgern und Papenburgerinnen so, sagt Olker. «Die Gästefahrten starten nicht von Papenburg aus, sondern von Norderney oder Carolinensiel», sagt er. Nur im Winter sei das Schiff an einem Liegeplatz in der Stadt. Insofern wolle der Verein die Restaurierung dazu nutzen, einmal in der Stadt die Werbetrommel für das Schiff zu rühren.

Die «Gesine von Papenburg» sei eine ideale Städtebotschafterin, sagt Bürgermeistern Gattung. «Ich finde das schön, dass wir in der Stadt immer wieder die Bezüge finden zum Schiffsbau.» Das Gefühl zu haben, nah am Meer zu sein, rauszukommen, maritim geprägt zu sein, das zeichne die Stadt aus.

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