Region

Der Weg ist das Ziel: Nordpfade-Wandern im LK Rotenburg

Wandern macht glücklich. Das habe ich am eigenen Leib erfahren. Dafür muss es nicht in die Berge gehen. Das funktioniert sogar vor der Haustür. Besonders gut auf den Nordpfaden durch wunderschöne Gegenden im Landkreis Rotenburg.

Der Nordpfad „Zevener Geest“ ist auch im Herbst und Winter ein lohnendes Ziel, um sich an der frischen Luft zu bewegen.

Der Nordpfad „Zevener Geest“ ist auch im Herbst und Winter ein lohnendes Ziel, um sich an der frischen Luft zu bewegen.

Foto: Hennings

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Wollte ich alle 24 Nordpfade im Landkreis Rotenburg am Stück wandern, wäre ich gut fünf Tage gemütlich unterwegs. Wohlgemerkt Tag und Nacht. Doch wir wollen es ja nicht übertreiben. Die insgesamt 358 Kilometer lassen sich schließlich in Etappen bewältigen, in Form von zwei Dutzend Rundwegen, verteilt über den gesamten Landkreis.

Unterwegs auf dem Nordpfad „Zevener Geest“ durchquert Autor Lutz Hilken herrliche Waldgebiete.

Unterwegs auf dem Nordpfad „Zevener Geest“ durchquert Autor Lutz Hilken herrliche Waldgebiete.

Foto: Hennings

Lange und kurze Strecken

Ob fünf, 15 oder 32 Kilometer Strecke: Der Weg ist das Ziel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und eines kann ich aus eigener Erfahrung versichern: Der Herbst- und Winterblues ist schon nach den ersten Metern wie weggeblasen.

Die Vorfreude beginnt beim Packen. „Wieso packen?“, wird sich mancher fragen. Wir befinden uns schließlich im Flachland. Natürlich lässt sich manche Strecke spontan und ohne weitere Vorbereitung bewältigen. Etwa der mit 9,6 Kilometern zu den kürzeren und wunderschönen Strecken gehörende Nordpfad „Kuhbach-Oste“ bei Groß Meckelsen. Aber wer ein paar Dinge beherzigt und Nützliches im Rucksack dabei hat, der genießt die Routen vielleicht doppelt.

Malerische Aussichten bietet nicht nur der Nordpfad „Ostetal“ dem Wanderer.

Malerische Aussichten bietet nicht nur der Nordpfad „Ostetal“ dem Wanderer.

Foto: TouROW

Die richtigen Schuhe

Robustes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung sollten vorausgesetzt sein, denn es geht zu Fuß durch Feld und Flur, über Stock und Stein. Doch was gehört in den Rucksack? Eine Flasche Wasser oder eine Thermoskanne mit Heißgetränk und ein kleiner Snack für unterwegs können nicht schaden. Sei es ein Apfel, ein belegtes Brot oder ein Müsli-Riegel.

Wer sich zwischendurch mal auf einem der Rastplätze entlang des Weges hinsetzen möchte, der sollte ein leichtes, klappbares Sitzkissen mitnehmen. Gerade in Herbst und Winter, wenn die Holzbänke oft feucht sind. „Vielen Wanderern ist es egal, wie das Wetter ist“, weiß Udo Fischer, Geschäftsführer des Touristikverbandes Landkreis Rotenburg (TouROW), der die Nordpfade initiiert hat. „Die Leute sind auf allen 24 Nordpfaden unterwegs, das ist der Wahnsinn.“

Am Nordpfad „Ostetal“ lässt es sich selbst in der kalten Jahreszeit trefflich picknicken.

Am Nordpfad „Ostetal“ lässt es sich selbst in der kalten Jahreszeit trefflich picknicken.

Foto: TouROW

Gute Ausstattung

Ob der Wanderer unbedingt eine kleine Hausapotheke in Form von Pflaster, Wund-Desinfektionsmittel, Insektenschutz oder Zeckenkarte mitnehmen muss, sei dahingestellt. Für den Notfall und in manchen Jahreszeiten sind diese Utensilien aber sinnvoll. Wer beim Wandern überdies dazu neigt, sich Blasen zu laufen, sollte seine Füße vorher entsprechend abkleben.

Manches mag verzichtbar sein: nicht aber der wirklich hilfreiche Tourenbegleiter, eine 96 Seiten starke, handliche Broschüre des TouROW. Diese ist online bestellbar und bieten dem Ausflügler alle nötigen Informationen rund um die ausgewählte Wanderroute. Inklusive der Streckenführung. Mit dieser zur Hand finden selbst eher Orientierungslose sicher ans Ziel.

Einer der schönsten Nordpfade: „Federlohmühlen“ bei Riekenbostel und Kirchwalsede ist auch im Winter eine Wanderung wert.

Einer der schönsten Nordpfade: „Federlohmühlen“ bei Riekenbostel und Kirchwalsede ist auch im Winter eine Wanderung wert.

Foto: TouROW

Gute Beschilderung

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Nordpfade sind hervorragend ausgeschildert und eigentlich unverlaufbar. Dennoch kann es bei angeregten Gesprächen mit Mitwandernden schon mal vorkommen, dass man nicht mehr auf die Route achtet. Alles selbst schon erlebt. Und dann ist es hilfreich, wenn man mit einem Blick auf die Karte im Tourenbegleiter feststellt, wo man sich gerade befindet. Zumal es mitten in Wald oder Flur ansonsten nicht viele Orientierungspunkte gibt.

Ein Stopp für lohnende Fotomotive lässt sich an vielen Nordpfaden immer mal wieder einlegen.

Ein Stopp für lohnende Fotomotive lässt sich an vielen Nordpfaden immer mal wieder einlegen.

Foto: TouROW

Gut durchdacht

Insofern haben die Nordpfade-Macher wirklich an alles gedacht. Und gibt es mal Wegestörungen oder Umleitungen, werden diese online auf www.nordpfade.de angezeigt. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Im Gegenteil.

Sind die Wanderschuhe erst geschnürt und ist der Startpunkt eines Nordpfades erreicht, heißt es durchatmen und genießen. Raus aus dem Alltag, rein in die Natur. Auch im Winter. Die frische Luft, der Blick in die Natur, das entspannte Wandern – eine Wohltat für Körper und Seele. Schon nach wenigen Metern sind Sorgen vergessen, kreisen die Gedanken um die einfacheren Dinge des Lebens.

Verkehrsgeräusche sind schnell außer Hörweite. Nur noch der Klang der Natur ist zu vernehmen, der große Schatz der Pflanzen- und Tierwelt gerät, je nach Jahreszeit, in den Fokus. Welcher Vogel ist fern zu hören? Um welchen Pilz handelt es sich am Wegesrand?

Schöne Ausblicke gibt es beim herbstlichen Wandern auf dem Nordpfad „Eichholz-Franzhorn“.

Schöne Ausblicke gibt es beim herbstlichen Wandern auf dem Nordpfad „Eichholz-Franzhorn“.

Foto: TouROW

Sehenswürdigkeiten am Wegesrand

Selbst im Winter gibt es viel Schönes zu entdecken: Der Vörder See in Bremervörde auf dem 20 Kilometer langen Nordpfad „Vörder See – Osteland“, das große Waldgebiet Hinzel bei Hipstedt (14,1 km Rundweg), das Huvenhoopsmoor bei Glinstedt (14 km), der landschaftlich vielfältige Nordpfad „Hölzerbruch-Malse“ bei Basdahl (13,4 km), urwüchsige Wälder am Rande der Teufelsmoorregion auf dem Rundweg „Eichholz und Franzhorn“ bei Gnarrenburg (13,4 km), das wunderschöne „Ostetal“ zwischen Granstedt und Ober Ochtenhausen (10,6 km) oder die beiden Wassermühlen auf dem Nordpfad „Zwei Mühlen“ zwischen Badenstedt und dem idyllischen Eitzmühlen (10,9 km).

Mehr als zehn Kilometer

Wer gerne länger wandert, der sollte sich die „Timke-Wälder“ vornehmen (18,1 km) oder das benachbarte „Tarmstedter Moor“ (19,5 km), die „Zevener Geest“ (23,3 km) oder die „Wümmeniederung“ bei Rotenburg und Hellwege (32,5 km).

Die Route „Dör’t Moor“ bei Rotenburg (13,7 km) ist sogar als „Deutschlands schönster Wanderweg 2021“ ausgezeichnet worden. Weitere Strecken sind vom Deutschen Wanderverband als „Traumtour“ zertifiziert, doch auch die anderen sind erwandernswert. Zu meinen Favoriten gehören der malerische Nordpfad „Federlohmühlen“ bei Kirchwalsede (13,7 km) und der Rundweg „Börde Sittensen“ mit Jagdschloss und Tister Bauernmoor (16,9 km).

Handy nicht vergessen

Für welche Route auch immer sich die Wandernden entscheiden: Ein Smartphone sollte dabei sein, denn so manche Postkarten-Ansicht lädt zum Fotografieren ein. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Selbst Einheimische haben die Chance, die Region ganz neu zu entdecken. Und dann noch umsonst. Ich möchte sie nicht mehr missen, die Nordpfade, die beruhigende Stille, die geselligen Gespräche unterwegs, das Einkehren nach dem Wandern und das gute Gefühl, dem drohenden Winterblues ein Schnippchen zu schlagen.

  • Die 24 Nordpfade haben eine Länge zwischen fünf und 32 Kilometern. Das gesamte Wegenetz umfasst 357,8 Kilometer. Hinzu kommen rund 137 Kilometer an Zu- und Abwegen sowie ausgewiesenen Varianten.
  • Alle Nordpfade sind quasi unverlaufbar in beiden Richtungen markiert und ausgeschildert. Dafür sorgen rund 1100 Wanderwegweiser mit mehr als 2000 Logotafeln und zusätzlich rund 7200 Markierungszeichen.
  • Die Nordpfade sind durch die Bank Rundwanderwege, die sich je nach Strecke für eine Halbtages-, Tages- oder Mehrtageswanderung eignen. Sie verlaufen durch den gesamten Landkreis Rotenburg.
  • Der Nordpfad „Dör’t Moor“ bei Rotenburg ist in der Kategorie „Tagestour“ als „Deutschlands schönster Wanderweg 2021“ ausgezeichnet worden. Die fünf Nordpfade „Kuhbach-Oste“ bei Groß Meckelsen, „Kempowskis Idylle“ bei Nartum, „Ostetal“ bei Granstedt, „Hölzerbruch-Malse“ bei Hipstedt und „Dör’t Moor“ bei Rotenburg erhielten 2019 vom Deutschen Wanderverband die Auszeichnung „Qualitätsweg Traumtour – Wanderbares Deutschland“.
  • Der kostenlose Tourenbegleiter informiert auf 96 Seiten ausführlich über die 24 Nordpfade, die Streckenführung und die Wegebeschaffenheit, aber auch über die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto. Der Tourenbegleiter ist beim Touristikverband des Landkreises Rotenburg (TouROW) und in allen Rathäusern sowie Tourist-Informationen im Landkreis Rotenburg erhältlich.
  • Internet: www.nordpfade.de. Die Nordpfade sind darüber hinaus in sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram vertreten.

Lutz Hilken

Lutz Hilken ist in Zeven geboren und in der Region aufgewachsen. Seit 1987 schreibt er über so ziemlich alles, was die Menschen bewegt - außer Sport. Privat zieht es ihn mit Vorliebe in die Natur, um auf langen Wanderungen abzuschalten.

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