Bremerhaven

Bremerhavens Galerie Hermy M.: Wilde Bilder, starke Fotos

„Kunst muss an die Öffentlichkeit gehen“: Galerist Hermann Eskorbier-Modersitzki ist da einfallsreich. Aktuell wirbt er mit einem Aufsteller vor der Galerie Hermy M. an der Weserstraße für die neue Dreierausstellung. Die lohnt einen Abstecher.

Hermann Eskorbier-Modersitzki

Galerist Hermann Eskorbier-Modersitzki präsentiert aktuell drei Künstler, darunter auch Arbeiten des Grafikers und Designers Rasty Stone. Foto Loskant

Foto: Sebastian Loskant

„Hier rockt Kunst“, kann man draußen lesen. Und „Habt einen guten Tag“. „Es sind schon Autofahrer hereingekommen und haben sich bedankt“, erzählt der Galerist schmunzelnd. Auch die mit Comicfiguren bemalten Zähne der vergangenen Ausstellung fanden Anklang. Drei der schrillen Skulpturen wurden verkauft, für 7500 Euro das Stück. Für Bremerhaven geradezu sensationell.

Den Künstlern der aktuellen Schau - alle drei kennen sich gut - wäre solches Interesse ebenfalls zu wünschen. Voran der Fotografin Wida Taban-Amiri aus Saarbrücken, die Natur und Menschen mit den digitalen Filtern ihrer Kamera geschickt zu inszenieren weiß. Zum einen in Schwarz-Weiß: Ihre Aufnahmen von Musikern kommen wie Pop-Plakate daher, denen man die Farbe gestohlen hat. Der Blütenkorb einer Blume zwingt zum Hinsehen, weil nur Tautropfen farbig auf ihm glänzen. Manchmal liegen zwei Naturpanoramen, streng strukturiert, übereinander.

Zum anderen in Farbe: eine Rosenblüte zu einer wahren Farbexplosion herausgeputzt. Zwei Stillleben wirken wie Reverenzen vor den alten Niederländern, sind aber bewusst ohne Tiefe inszeniert. Aus nächster Nähe inspiziert die Fotografin Früchte, die ins Wasser fallen. Das Farbspiel, das Malpinsel im Wasser erzeugen, fasziniert sie ebenso wie der flüssige Rohstoff eines Glasbläsers.

Als ähnlich wandlungsfähig erweist sich das Werk des Malers Rasty Stone aus Walldorf. Dass er als Grafikdesigner gearbeitet hat, sieht man seinen abstrakten Formen ebenso an wie seiner Frankfurter Skyline („City Night“). Dass er in der Sponti-Szene großgeworden ist, lässt sich an der starken Farbigkeit seiner Arbeiten und an der Lust zu Materialexperimenten erkennen. Da wird gespachtelt und Goldlack gesprüht, dass die Augen flimmern. Manche Bildquadrate schimmern wegen des Glanzlacks wie Kacheln, eine schöne Vierergruppe erinnert an japanische Drucke.

Einen Gegenakzent dazu setzen die lichten Aquarelle der Wiesbadenerin Barbara Machoczek-Zaleta. Sie erinnern in ihrer Farbigkeit an Buchillustrationen aus Italien-Romanen der 50er Jahre. Dass die Malerin diese Duftigkeit elegant in Acryl überführen und sogar bis zur Abstraktion erweitern kann, zeigen die Großformate gegenüber. Ein Selbstporträt fällt daneben etwas ab.

Insgesamt 80 Bilder sorgen für Abwechslung. Derweil wirbt Galerist Eskorbier-Modersitzki im „Art Cube“ vor dem Stadttheater mit seiner Skulptur „Snowboard-Fechten“ um Neugierige. Denn, genau, Kunst muss zu den Leuten gehen.

Auf einen Blick

  • Was: Ausstellung: Wida Taban-Amiri (Fotografie), Barbara Machoczek-Zaleta (Malerei) und Rasty Stone (Malerei)
  • Wo: Galerie Hermy M., Weserstraße 67
  • Wann: Bis 29. September, Mittwoch und Sonnabend 11 bis 18 Uhr
  • Eintritt: frei

Sebastian Loskant

Reporter

Sebastian Loskant ist seit 2001 Kulturchef der Nordsee-Zeitung. Der Hannoveraner hat Germanistik, Musikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster studiert, 1989 wurde er Kulturredakteur der Münsterschen Zeitung. Im Jahr 2000 erhielt er den Journalistenpreis Münsterland.

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