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Weddewarden: „Feuerfunken“ sprühen vor Begeisterung

Sollte Miley einmal in eine brenzlige Situation kommen, weiß die Neunjährige, was zu tun ist. „Nicht ausflippen und durch die Gegend rennen“, sagt sie. Sondern zum Telefon greifen und ans eigene Gesicht denken: „Jeder hat einen (1) Mund, eine (1) Nase und zwei (2) Augen“, zählt sie auf. Mithilfe dieser Eselsbrücke habe sie dann die Notrufnummer 112 zusammen und könne die Feuerwehr und Rettungsdienste alarmieren. Gelernt hat die Drittklässlerin das bei Bremerhavens einziger Kinderfeuerwehr in Weddewarden.

Immer mit Spaß dabei: Die „Feuerfunken“ mit ihren Betreuern Nathalie Zander (Zweite von rechts) und Thies Renken (links).

Immer mit Spaß dabei: Die „Feuerfunken“ mit ihren Betreuern Nathalie Zander (Zweite von rechts) und Thies Renken (links).

Foto: Michelle Fincke

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Miley ist eines von 20 Kindern zwischen sechs und zehn Jahren, die den „Feuerfunken“ angehören. Alle 14 Tage treffen sich die Mädchen und Jungen auf der Wache, um zu lernen, dass „Feuerwehr mehr ist als nur ein rotes Auto“, wie Kinderfeuerwehrwartin Nathalie Zander erklärt. Gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Thies Renken unterrichtet sie den Nachwuchs.

Doch egal, ob Brandschutzerziehung, Erste Hilfe oder Schilderkunde, wichtig sei, die Kinder nicht wie kleine Erwachsene zu behandeln: „Spiel und Spaß müssen an erster Stelle stehen“, sagt Zander, die die junge Gruppe seit ihrer Gründung im März 2019 betreut. Sie selbst sei erst als Erwachsene Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr geworden und habe sich aufgrund ihrer Arbeit als Erzieherin in einem Kindergarten mit Begeisterung in die Aufgabe gestürzt, Bremerhavens erste Kinderfeuerwehr mit aufzubauen. Denn pädagogisches Hintergrundwissen sei Voraussetzung, um mit den Mädchen und Jungen arbeiten zu können. „Auffassungsgabe, Konzentration, Merkfähigkeit: Sechsjährige ticken einfach anders als Zehnjährige“, meint die 29-Jährige.

Die Warteliste bei den Feuerfunken ist lang

Neben Lehrgängen haben sich Zander und ihre Feuerwehrkollegen in den Anfängen auch Tipps und Anregungen bei Kinderfeuerwehren im Landkreis wie Langen und Imsum geholt. Bis heute tauschen sie sich regelmäßig aus.

Ehrenamtliche gesucht

Dass die Arbeit von Zander und Renken gut ankommt, bestätigen auch die Zahlen. Aktuell gibt es eine Warteliste von 16 Kindern aus ganz Bremerhaven, die gerne Teil der „Feuerfunken“-Gemeinschaft werden möchten. „Mehr als 20 Mädchen und Jungen können wir bei zwei Betreuern aber nicht aufnehmen“, bedauert Marc Hübler, Vertreter der Jugendfeuerwehren im Stadtfeuerwehrverband. Deswegen sei man auf der Suche nach weiteren ehrenamtlichen Helfern mit pädagogischem Hintergrundwissen. „Unser Ziel ist es, auch bei den Freiwilligen Feuerwehren in Lehe und Wulsdorf Kindern dieses Angebot machen zu können“, sagt Hübler.

Der Plan ist klar

In Weddewarden präsentiert Miley unterdessen stolz ihren Mitgliederausweis samt Dienstbuch, in das nach jedem Treffen ein Stempel kommt. „Ich bin eigentlich immer da“, erzählt die Grundschülerin. Und so hat sie mit ihren neun Jahren bereits den Pflasterpass – das Silber-Abzeichen in Erste Hilfe – in der Tasche, sie weiß, wie man eine Kerze richtig anzündet und durfte schon das Brandhaus – ähnlich einem Puppenhaus, mit dem schon den Kleinsten klar gemacht wird, wie gefährlich Feuer und Qualm sind – in Aktion sehen. „Besonders gut gefallen mir auch unsere Ausflüge“, fügt sie noch hinzu.

Wie es in Weddewarden für sie weitergeht, hat Miley bereits fest im Blick. „Mit zehn will ich in die Jugendfeuerwehr wechseln“, erzählt sie. Dann werde sie ihre „Kinderuniform“ (blaues T-Shirt und Cappy) gegen „richtige“ Feuerwehrbekleidung tauschen, wie sie sagt.

Kinderfeuerwehrwartin Zander lauscht Mileys Ausführungen und freut sich. „Zu hören, mit wie viel Freude und Feuereifer die Kinder dabei sind, ist einfach toll – dann wissen wir: Wir haben alles richtig gemacht.“

Michelle Fincke

Reporterin

Michelle Fincke fühlt sich an vielen Orten dieser Welt wohl - aber ihr Zuhause ist und bleibt Bremerhaven. In der Seestadt geboren, pendelte sie nach dem Abitur zum Studium der Sozialpädagogik nach Bremen. Nach dem Volontariat bei der NORDSEE-ZEITUNG arbeitet sie seit 2001 als Redakteurin beim SONNTAGSjOURNAL. Die Themen, die sie bearbeitet, beinhalten "von jedem etwas": Sportberichterstattung, Servicegeschichten, Star-News.

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