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Ukraine-Krieg trifft die Landwirte im Cuxland hart

Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland treffen auch die Landwirtschaft im Cuxland, besonders bei Düngemitteln und Kraftstoffen. Auf der anderen Seite können die Landwirte im Kreis nur wenig beim Anbau von zusätzlichem Weizen helfen, sagt Jan Heusmann, Vorsitzender des Landvolks Wesermünde. Er rechnet damit, dass sich Verbraucher auf steigende Preise einstellen müssen.

Ein Traktor mit einem Streuaufsatz verteilt Dünger auf einem Feld. Viele Landwirte haben mit massiv gestiegenen Kosten für Düngemittel zu kämpfen.

Ein Traktor mit einem Streuaufsatz verteilt Dünger auf einem Feld. Viele Landwirte haben mit massiv gestiegenen Kosten für Düngemittel zu kämpfen.

Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild


„Der Kostendruck auf die Erzeuger ist hoch“, betont Heusmann. Teilweise sei auch noch nicht abzusehen, ob die Preise längerfristig wieder sinken werden. Allein bei den Düngemitteln seien die Preise drei- bis viermal so hoch wie vor der Krise. Kein Wunder: Einen Teil des Stickstoffdüngers hat Deutschland bisher aus Russland bezogen, erläutert Marina Sancken, Geschäftsführerin des Landvolks Wesermünde.

Dirk Wurzer (links) und Jan Heusmann.

Dirk Wurzer (links) und Jan Heusmann.

Foto: Arnd Hartmann

„Allerdings werden bei der Düngemittellieferung immer Kontrakte mit Preisbindung abgeschlossen. Wer also vor dem Krieg einen Vertrag abgeschlossen hat, profitiert noch von niedrigeren Preisen“, meint Sancken. Allerdings sei der Preis auch 2021 schon gestiegen, gibt Heusmann zu bedenken: „Da haben vielleicht auch einige gewartet, weil sie auf sinkende Preise gehofft hatten.“ Den Krieg habe keiner vorhersehen können.

Bisher kamen ein Viertel des Düngers in der EU aus Russland, macht Heusmann klar. Ein Teil der Mengen kämen auch aus Belarus und Skandinavien. Es könne im Verlauf des Jahres jedoch zu Engpässen kommen. „In Deutschland wurde die Kapazität abgebaut“, weiß Heusmann. Grund dafür sei, dass für die Herstellung von Dünger viel Energie gebraucht werde. So werde von dort Dünger importiert, wo die Energie günstiger sei.

Energiekosten belastendie Landwirte

Die Energiekosten belasteten die Landwirte aber zusätzlich, sagt Heusmann und verweist vor allem auf den Diesel: „Ohne Diesel läuft in der Landwirtschaft gar nichts.“ Aber auch Gas werde benötigt: für die Ställe von Geflügel und Schweinen. „Doch nicht nur die Landwirtschaft ist betroffen, sondern auch alle nachgelagerten Betriebe wie Molkereien, Bäckereien und Schlachtereien“, gibt Heusmann zu bedenken. Deswegen wäre eine Gasunterbrechung auch fatal. „Denn bisher gelten diese nicht als systemrelevant, werden also bei einem Gasstopp nicht vorrangig behandelt.“ Das müsse sich ändern, bekräftigt er eine Forderung des Deutschen Bauernverbandes (DBV).

Anbau von Brotweizen nur bedingt möglich

Dabei ist jetzt auch die deutsche Landwirtschaft gefordert, um die wegbrechenden Getreidelieferungen aus der Ukraine zu kompensieren. „Die Ukraine gehört zu den Top-5-Exporteuren bei Weizen, Mais, Gerste und Raps“, macht Sancken deutlich. So soll auch in Deutschland vermehrt Weizen angebaut werden. Ist das im Cuxland möglich? „Möglich schon, aber nur bedingt sinnvoll“, meint Heusmann. So stünden in den Anbaugebieten in der Ukraine und in Russland große Fläche zur Verfügung bei stabilen Wetterbedingungen. „Hier bei uns herrscht jedoch Küstenwetter“, gibt Heusmann zu bedenken. Sicherlich könne man durch Anpassung der Vorgaben für Feuchte und Proteingehalt des sogenannten Brotweizens mehr Weizen in Backqualität erzeugen. Und auch der Verzicht auf den Fruchtwechsel, sodass Weizen auf Weizen angebaut werden dürfe, könne helfen. „Aber wir produzieren im Cuxland, durch die Witterungsbedingungen und die Bodengegebenheiten, eher für den Futterbedarf“, sagt Heusmann.

Auch Körnermais werde im Cuxland nur ganz wenig produziert, weiß der Landvolk-Vorsitzende. Hauptsächlich gehe es auch hier um Futter.

Eine große Rolle spiele Raps, sagt Heusmann: zur Herstellung von wertvollem Öl für die Nahrung, wobei der Pressrest wertvolles Eiweiß für Futter liefere. Und gerade für die Versorgung von gentechnisch nicht verändertem Futtermittel und Biofuttermittel spiele Raps aus der Ukraine eine große Rolle. „Grundsätzlich steht Raps zur Verfügung, aber eben nicht gentechnisch unverändert.“ Betroffen ist dadurch auch die Ökolandwirtschaft, betont Sancken.

Heusmann: Längerfristig muss umgedacht werden

„Grundsätzlich ist Europa in der Lage, Nahrungsengpässe zu vermeiden. Es ist nur eine Preisfrage“, meint Heusmann. Längerfristig müsste aber umgedacht werden. Wer jetzt schon auf Kreislaufwirtschaft setze, stehe gut da. „Wir werden in Zukunft wieder genauer hinschauen müssen bei einigen Dingen, beispielsweise beim Dünger“, sagt Heusmann. Hier könnten wieder Mist und Gärreste eingesetzt werden. Und auch das Biogas werde wohl eine größere Bedeutung bekommen. So spiele die EEG-Umlage bei Betrieben mit Direktvermarktung schon gar keine Rolle mehr. Sie bekämen gute Preise auf dem freien Markt.

Christoph Bohn

stellv. Redaktionsleiter SONNTAGSjOURNAL

Christoph Bohn (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. Er hat in Bremen Wirtschaftswissenschaft und Politik studiert und ist Diplom-Ökonom. Nachdem er zweieinhalb Jahre als Controller beim Hanstadt Bremischen Hafenamt gearbeitet und nebenbei schon frei als  Journalist für die NORDSEE-ZEITUNG gearbeitet hatte, entschloss er sich zu einem Volontariat (1998-2000). Danach fing er als Redakteur beim SONNTAGSjOURNAL an (Schwerpunkte: Wirtschaft und Landkreis Cuxhaven).

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