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Superintendent: Die Kirche braucht Kreativität

Sinkende Mitgliederzahlen und geringeres Interesse an Gottesdiensten – die Kirche hat ein Problem. Doch dem kann man entgegenwirken, sagt Albrecht Preisler, Superintendent des Kirchenkreises Wesermünde. Seiner Meinung nach braucht die Kirche flexiblere Strukturen und Kreativität.

Superintendent Albrecht Preisler schlägt vor, auch die Gottesdienstzeiten zu überdenken.

Superintendent Albrecht Preisler schlägt vor, auch die Gottesdienstzeiten zu überdenken.

Foto: Becker/Archiv


„Es ist ein schwieriges Thema, wie die Kirche in Zukunft aussehen könnte. Und eine Patentlösung ist bisher noch nicht gefunden worden“, meint Preisler. Eines ist ihm aber klar: Den allgemeingültigen Masterplan, der für alle Kirchengemeinden gilt, wird es nicht geben. „Wir müssen vielmehr zu individuellen Lösungen kommen“, denkt der Superintendent.

Grundsätzlich habe die Kirche, insbesondere im ländlichen Raum, mit dem demografischen Wandel zu tun. „Kurz gesagt: Es gibt einfach mehr Beerdigungen als Taufen“, meint Preisler. Dazu komme das Wegbrechen der Infrastruktur auf den Dörfern. Das seien alles Faktoren, die die Kirche nicht beeinflussen könne. „Aber wir können unsere Angebote für die Menschen attraktiver machen“, sagt der Superintendent. Denn hier habe es große Änderungen gegeben.

Demografische Entwicklung wird zum Problem

„Früher hatten wir eine Komm-Kultur. Das heißt, die Leute sind von sich aus zu uns gekommen – bei Hochzeit, Taufen, Konfirmation und auch Beerdigungen“, erläutert Preisler. Das sei heute nicht mehr unbedingt so. Und eine Geh-Kultur helfe nicht weiter. „Denn wie will man eine Taufe, eine Hochzeit oder eine Beerdigung anbieten?“, meint Preisler.

Doch die Kirche könne flexibler und kreativer werden. So müsse der Gottesdienst nicht zwingend sonntags um 10 Uhr sein. „Das ist eine Zeit, die für junge Familien eher ungünstig ist. Denn der Sonntagmorgen ist eher die Zeit, um als Familie gemeinsam in Ruhe Zeit miteinander zu verbringen“, sagt Preisler.

So könnte man beispielsweise Sonnabendabend oder Sonntagnachmittag spezielle Familiengottesdienste mit Angeboten für die Kinder und auch für die Eltern einrichten, regt er an. Und auch bei Trauungen und Taufen könnte man beispielsweise bei den Terminen flexibler sein. Das heiße übrigens nicht, dass der 10-Uhr-Gottesdienst abgeschafft werden müsse.

„Wir müssen zu individuellen Lösungen kommen“, sagt Albrecht Preisler, Superintendent des Kirchenkreises Wesermünde.

„Wir müssen zu individuellen Lösungen kommen“, sagt Albrecht Preisler, Superintendent des Kirchenkreises Wesermünde.

Foto: Arnd Hartmann

„Aber auch hier wird es kein Angebot geben, das für alle passt“, betont der Superintendent. So müsse vor Ort geschaut werden, welche Bedürfnisse es gibt, und vor allem, welche Ressourcen vorhanden sind. „Es ist ja zum Beispiel nicht sinnvoll, Gospelgottesdienst anzubieten, wenn es in der Gemeinde gar keinen Gospelchor gibt“, erläutert er. Gleichwohl sei es aber auch von Vorteil, über die Gemeindegrenzen hinweg zu schauen, denn vielleicht gebe es in der Nachbargemeinde einen entsprechenden Chor. „Wir werden immer mehr dazu übergehen, in Regionen zu denken oder gar auf Kirchenkreisebene“, meint Preisler. Auch für Pastoren und andere Kirchenmitarbeiter werde das Netzwerken immer wichtiger. Im Kirchenkreis Wesermünde seien dazu mit den Regionen schon die Voraussetzungen geschaffen.

„Wir werden uns auch davon verabschieden müssen, dass wir einen Plan machen, der dann zehn Jahre lang gültig ist“, meint Preisler. Zukünftig müsse stetig geschaut werden, was funktioniere und was noch nötig sei. „Da ist Kreativität gefragt“, betont der Superintendent.

Knappe finanzielle Mittel

Gleichwohl sei aber auch klar, dass die finanziellen Mittel, die von der Landeskirche kommen, weniger werden. „Das müssen wir auch bei der Personalplanung berücksichtigen“, sagt Preisler. Allerdings führe das nicht dazu, dass von heute auf morgen weniger Personal gebraucht werde, beruhigt er. Dafür gebe es verlässliche Planungen. Derzeit ist der Kirchenkreis mit dem Zeitraum 2023 bis 2028 beschäftigt. Darüber will die Kirchensynode am 19. Mai entscheiden – in öffentlicher Sitzung.

Und noch vor einem weiteren Problem steht die Kirche. Denn es gibt nicht nur weniger Mitglieder und weniger Geld, es fehlt auch an Personal. „Auch die Kirche hat Fachkräftemangel“, sagt Preisler.

Der Superintendent ist aber sicher, dass die Kirche die Herausforderung meistern wird. „Hier im Kirchenkreis Wesermünde haben wir ein tolles Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen“, sagt er. Und für die Zukunft müsse gemeinsam geschaut werden, was passieren soll. „Das kann ich als Superintendent nicht alleine entscheiden. Aber ich kann Anregungen geben“, sagt er.

Christoph Bohn

stellv. Redaktionsleiter SONNTAGSjOURNAL

Christoph Bohn (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. Er hat in Bremen Wirtschaftswissenschaft und Politik studiert und ist Diplom-Ökonom. Nachdem er zweieinhalb Jahre als Controller beim Hanstadt Bremischen Hafenamt gearbeitet und nebenbei schon frei als  Journalist für die NORDSEE-ZEITUNG gearbeitet hatte, entschloss er sich zu einem Volontariat (1998-2000). Danach fing er als Redakteur beim SONNTAGSjOURNAL an (Schwerpunkte: Wirtschaft und Landkreis Cuxhaven).

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