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Nordholzer Kirchenglocken brauchen Wetterschutz

Seit Ende des vergangenen Jahres verrichten sie bereits ihren Dienst: die Friedens- und die Hirtenglocke in der Nordholzer Kirche „Zum Guten Hirten“. Noch ist ihre Arbeit etwas eingeschränkt, doch das soll sich bald ändern, wenn die beiden Glocken „eingehaust“ werden. Für den Wetterschutz will die Kirchengemeinde Angebote einholen.

Im September wurden die Friedens- und die Hirtenglocke der Nordholzer Kirche eingebaut.

Im September wurden die Friedens- und die Hirtenglocke der Nordholzer Kirche eingebaut.

Foto: Büttner

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„Wir haben zusammen mit dem Architekten Heinrich Wiebusch und dem Glockensachverständigen der Hannoverschen Landeskirche eine Lösung gefunden“, berichtet Pastor Stephan Büttner. Die Abstimmung war notwendig, denn dabei geht es auch um Klang und Schallschutz. Bisher wird deshalb wochentags nur um 12 und 18 Uhr geläutet, außerdem zu allen Gottesdiensten. Auf das Acht-Uhr-Geläut werde derzeit verzichtet, sagt Büttner.

Noch in diesem Jahr soll der Wetterschutz fertig sein, so der Plan. Damit alles klappt, ist die Kirchengemeinde aber auch wieder auf Spenden angewiesen. „Wir bekommen zwar auch Geld vom Kirchenkreis, müssen uns aber auch selber beteiligen“, erläutert Büttner. Einige Spenden für die Umsetzung seien bereits eingegangen, auch Anträge an mögliche Geldgeber seien gestellt worden.

„Ein Gefühl von Heimat“

Den Nordholzern liegen die Kirchenglocken am Herzen. „Bisher haben sich die meisten lobend und erfreut über den Glockenklang geäußert“, freut sich der Pastor. Das bestätige im Nachhinein, dass sich die Mühen gelohnt hätten, die Glocken zu beschaffen. „Offenbar bestärken die Kirchenglocken ein Gefühl von Heimat“, vermutet Büttner und verweist auf eine Einwohnerin, die eine größere Spende zugesagt habe. Sie sei aus einem anderen Ort zugezogen, und habe jetzt durch den Glockenklang das Gefühl, zu Hause zu sein, erzählt Büttner.

Die Glocken sind im Ort gut zu hören, weiß der Pastor. Das hänge jedoch aber auch davon ab, wie der Wind stehe. „Ein Gemeindemitglied hat aber auch schon angefragt, ob es nicht eine Rufweiterleitung für die Glocken geben könne, weil ihr Klang ihn nicht erreiche“, berichtet Büttner. Doch das sei leider nicht möglich. Vielleicht könne man hier aber ja eine Glocken-App fürs Handy entwickeln, die zusätzlich zum Glockengeläut arbeite.

Nordholzer sammeln für Glocken

Doch ganz ohne analoge Glocken gehe Kirche nicht, betont der Pastor. Er selber habe eine Gänsehaut bekommen, als die neuen Glocken das erste mal geläutet hätten: „Mit einem Schlag waren sprichwörtlich sieben magere Jahre seit dem Kirchneubau vorbei.“

Beinahe hätte es auch keine Glocken gegeben, denn die alte Glocke aus der ehemaligen Nordholzer Kirche passte nicht in den neuen Kirchturm. 880.000 Euro hatte der Bau der neuen Kirche gekostet, 120.000 Euro davon waren durch Spenden zusammengekommen. Doch das Geld reichte nicht für neue Glocken. Dafür waren weitere 55.000 Euro notwendig. Letztlich sammelten und warben die Nordholzer mit 45.000 Euro den Großteil selbst ein. 10.000 Euro steuerte die Landeskirche bei.

739 und 567 Kilogramm

Gegossen wurden die beiden Glocken Ende März 2020 in der Glocken- und Kunstgießerei Petit & Gebr. Edelbrock im nordrhein-westfälischen Gescher. Nach den Wünschen der Nordholzer wurden eine Friedens- und eine Hirtenglocke hergestellt – mit entsprechende Reliefs: eine Taube und ein Hirte. 739 und 567 Kilogramm sind die beiden Glocken schwer. Im September wurden sie eingebaut.

Nun fehlt nur noch der Wetterschutz für die beiden Glocken, dann ist alles fertig. „Es ist so, wie mit einem neuen Auto. Das stellen sie auch lieber in eine Garage, anstatt es dem Wetter auszusetzen“, versucht Büttner einen Vergleich. Und auch der Klang wird sich noch einmal ändern. „In die Planungen sind auch alle kritischen Anregungen mit eingeflossen“, sagt der Pastor.

Christoph Bohn

stellv. Redaktionsleiter SONNTAGSjOURNAL

Christoph Bohn (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. Er hat in Bremen Wirtschaftswissenschaft und Politik studiert und ist Diplom-Ökonom. Nachdem er zweieinhalb Jahre als Controller beim Hanstadt Bremischen Hafenamt gearbeitet und nebenbei schon frei als  Journalist für die NORDSEE-ZEITUNG gearbeitet hatte, entschloss er sich zu einem Volontariat (1998-2000). Danach fing er als Redakteur beim SONNTAGSjOURNAL an (Schwerpunkte: Wirtschaft und Landkreis Cuxhaven).

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