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Geestenseth: Landschaftspflegeschule feiert zehnjähriges Bestehen

Die ökologische Aufbereitung von Wegrändern, die fachgerechte Pflege von Hecken und die pflanzliche Artenvielfalt – das hat sich die Norddeutsche Landschaftspflegeschule in Geestenseth auf die Fahnen geschrieben. Sie bietet insbesondere Kurse für Mitarbeiter von Kommunen in ganz Niedersachsen an. Jetzt feiert die Schule ihren zehnten Geburtstag.

Fritz Beinker, Rita Kröncke und Gerhard Hillmann arbeiten im Garten.

Fritz Beinker, Rita Kröncke und Gerhard Hillmann (von links) legen im Landschaftsgarten auch selber Hand an.

Foto: Bohn


Der Verein wurde allerdings schon am 18. März 2009 gegründet, doch seit Oktober 2011 bietet die Schule Landschaftspflegeseminare an. Am 20. Mai will der Verein mit seinen aktuell 50 Mitgliedern nun den Geburtstag feiern und hat dazu einen versierten Gastredner eingeladen: Prof. Dr. Werner Kunz von der Universität Düsseldorf. Die Kernaussage des Biologen: „Der Artenschutz in Deutschland braucht keine Flächenstilllegung, sondern eine aktive Landschaftsgestaltung.“

Eine Aussage, die Fritz Beinker, Vorsitzender des Vereins Norddeutsche Landschaftspflegeschule nur unterstreichen kann: „Professor Kunz hat in seiner 35-jährigen Forschung das bestätigt, was wir in 30 Jahren Praxis herausgefunden haben.“ Denn dem Erhalt und der Pflege der norddeutschen Kulturlandschaft haben sich viele der Gründungsmitglieder schon lange vor Gründung der Schule verschrieben: als Aktive im Natur- und Umweltschutzverein Geestenseth.

Doch was bedeutet nun die Aussage von Kunz? Das kann Björn Rohloff, stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege – zusammen mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist die Stiftung Kooperationspartner der Schule –, erläutern. Er ist zudem seit zehn Jahren Dozent an der Schule: „Die Hecken in der freien Landschaft würden sich ohne die gelegentliche Entnahme von Großbäumen zu reinen Baumreihen entwickeln, in denen niedrig wachsende heimische Sträucher auf Dauer keine Überlebenschancen hätten.“

Beinker: Viele Arten können unter Bäumen nicht leben

Das zu vermitteln, sei oftmals schwierig, bestätigt Beinker: „Viele Leute finden unsere Arbeit gut. Aber es gibt häufig Unverständnis, wenn wir Bäume fällen müssen.“ Es sei richtig: Ein Drittel aller Arten wüchsen in und unter Bäumen. „Doch das heißt auch, das zwei Drittel der Pflanzenarten eben nicht unter großen Bäumen überleben können“, betont Beinker. Und gerade an Wirtschaftswegen stünden häufig Baum an Baum, bekräftigt auch Gerhard Hillmann, Beirat im Verein und Ortsvorsteher von Frelsdorf.

Deswegen richten sich die Seminare der Schule zwar hauptsächlich an Personen, die beruflich mit dem Thema Landschaftspflege zu tun haben, wie beispielsweise Bauhofmitarbeiter und Landwirte, aber eben auch an Private. Das Interesse an den Seminaren ist über die Jahre gestiegen, sagt Rita Kröncke vom Vorstand des Vereins. Sie schreibt regelmäßig alle Kommunen in Niedersachsen an. Mit Erfolg: Die Teilnehmer kommen somit aus ganz Niedersachsen bis hinunter nach Göttingen und Hildesheim, aber auch aus dem ostfriesischen Raum und aus dem Süden Hamburgs: „Die Gemeinde Rosengarten aus der Nähe von Hamburg schickt regelmäßig Mitarbeiter“, erzählt Kröncke. Natürlich kämen auch Mitarbeiter aller Kommunen aus dem Cuxland und auch aus Bremerhaven.

„Die Resonanz ist gut“, berichtet Kröncke. „Die Teilnehmer sind sehr interessiert.“ Leider hätten sie oft nicht die Gelegenheit, das Gelernte umzusetzen. Deswegen wünscht sie sich, dass mehr Führungskräfte die Kurse besuchen.

Es werden theoretische Grundlagen genau so vermittelt wie die praktische Anwendung. So findet der theoretische Teil im Haus der Vereine statt, den der Verein Landschaftspflegeschule zusammen mit dem TV Geestenseth, dem Natur- und Umweltschutzverein und der Dorfjugend Geestenseth betreibt, und ein Teil der praktischen Ausbildung direkt vor der Haustür. Denn auf dem 1,3 Hektar großen Grundstück, auf dem das Haus der Vereine steht, befindet sich der rund ein Hektar große Landschaftsgarten, der 2014 angelegt wurde. Aber auch die Wirtschaftswege im Umkreis werden genutzt.

Schule hat schon zwei Auszeichnungen

Den Erfolg der Pflegemaßnahmen kann man bereits an einigen Stellen bewundern: „Was zu Anfang noch etwas merkwürdig aussah, ist mittlerweile wirklich toll geworden“, freut sich Hillmann. Zwei Auszeichnungen hat die Schule schon erhalten, beide im Jahr 2015: von der Bildungsinitiative für die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft als Projekt des Jahres und vom Land Niedersachsen den Ehrenamtspreis.

Der Verein kann also auf durchaus erfolgreiche zehn Jahre zurückblicken. Auch die Corona-Pandemie hat sich kaum negativ ausgewirkt. „Wir mussten nur einen Kursus absagen“, erzählt Kröncke. Alles andere sei auch durch moderne Kommunikationstechnik gelöst worden. „Das Haus der Vereine ist mittlerweile ans Glasfasernetz angeschlossen und bietet auch WLAN an“, berichtet Beinker stolz.

Und die erfolgreiche Arbeit soll weitergehen. Dazu wünscht sich der Vorstand auch mehr junge Leute, die mitarbeiten.

www.landschaftspflegeschule.de

Christoph Bohn

stellv. Redaktionsleiter SONNTAGSjOURNAL

Christoph Bohn (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. Er hat in Bremen Wirtschaftswissenschaft und Politik studiert und ist Diplom-Ökonom. Nachdem er zweieinhalb Jahre als Controller beim Hanstadt Bremischen Hafenamt gearbeitet und nebenbei schon frei als  Journalist für die NORDSEE-ZEITUNG gearbeitet hatte, entschloss er sich zu einem Volontariat (1998-2000). Danach fing er als Redakteur beim SONNTAGSjOURNAL an (Schwerpunkte: Wirtschaft und Landkreis Cuxhaven).

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