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Digitaler Totenschein: Tablet ersetzt das grüne Formular

Mit einem Totenschein stellt ein Arzt nach gründlicher Untersuchung den Tod eines Menschen fest und gibt die Sterbeursache an. Rund 900.000 Scheine werden pro Jahr in Deutschland ausgestellt – mit Durchschlägen für das Standesamt, das Gesundheitsamt und das Statistische Landesamt. Die Bremerhavener Firma Init entwickelt derzeit im Auftrag der Bundesregierung eine digitale Version.

Sascha Glaß zeigt im Vergleich den Totenschein in Papierform und digital auf dem iPad.

Sascha Glaß zeigt im Vergleich den Totenschein in Papierform und digital auf dem iPad.

Foto: Bohn


Zwei Jahre lang dauert das Forschungsprojekt, das im November 2021 begonnen hat und bis 2023 läuft. Dabei arbeitet Init mit dem Bundesamt für Statistik und dem Bundesgesundheitsministerium zusamm. Am Ende steht die elektronische Todesbescheinigung (eTB). Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Universität Leipzig und der RWTH Aachen, Projektpartner sind Vodafone und der Softwarehersteller SAP.

Der erste staatliche Auftrag

„Es ist das erste Mal, dass wir einen staatlichen Auftrag bekommen haben“, freut sich Sascha Glaß von der Firma Init, die im Bremerhavener Innovations- und Gründerzentrum BRIG an der Stresemannstraße ihren Sitz hat. Das Unternehmen sei gezielt angesprochen worden, erzählt Glaß: „Hintergrund ist, dass wir vor zwei Jahren ein digitales System für die qualifizierte Leichenschau im Land Bremen entwickelt haben.“

Mit einem Team von 13 Mitarbeitern hat Init eine digitale Verarbeitungskette erstellt. Grundlage ist wie bei der qualifizierten Leichenschau eine App auf dem iPad, das digitale Abbild des Totenscheins. „Allerdings bedeutend komfortabler“, sagt Glaß. „Es blendet je nach Umständen nur die Fragen ein, die benötigt werden.“ Außerdem stelle die App sicher, dass auch wirklich alles Benötigte eingetragen werde. „Das ist bisher ein Nachteil der Papierform. Oftmals werden wichtige Felder nicht ausgefüllt“, weiß Glaß. Zudem überprüfe die App die Eingaben auf Plausibilität – erst danach könnten die Daten in die Cloud übertragen werden. „Die App funktioniert übrigens auch offline, falls kein Netz zur Verfügung steht. Dann werden die Daten später übertragen.“

Die Cloud ist das zweite Element in der Entwicklung. „Hier haben wir einen entsprechenden Cloud-Server als zentrales Verarbeitungsinstrument und Datenbank geschaffen“, sagt Glaß. Auf diesen Server können dann alle Ämter, die mit den Daten des Totenscheins arbeiten, zugreifen und erhalten genau die Angaben, die für sie bestimmt sind. „Das können sie dann mit ihren jeweiligen eigenen Systemen tun. Dafür sorgen entsprechende Schnittstellen, die wir entwickelt haben“, sagt Glaß. Grundlage des Datenaustausches ist das XÖV-Format, ein abgewandeltes XML-Format – dieses wird auf Computern für den Austausch strukturierter Daten benutzt – für die öffentliche Verwaltung.

Mit diesem Ablauf vereinfacht sich die Erstellung und Verarbeitung des Totenscheins beträchtlich. „Denn bisher ist es so, dass die Papierformulare erst einmal per Hand erfasst werden müssen. Das birgt eine große Fehlerquelle oder führt auch zu Rückfragen, wenn einzelne Einträge nicht leserlich sind oder gar fehlen“, weiß Glaß. Weiterhin soll mit der eTB ein bundeseinheitliches Format eingeführt werden, denn noch hat jedes Bundesland eigene Formulare.

Statistische Auswertung

„Außerdem würde Deutschland mit dem elektronischen System die Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation WHO besser erfüllen“, nennt Glaß einen weiteren Vorteil. Denn anhand der Totenscheine werden auch Todesursachen statistisch erfasst – und gegebenenfalls Gesundheitsprojekte initiiert.

Die Entwicklungsphase ist größtenteils abgeschlossen, im August soll nun die fünfmonatige Testphase beginnen. Derzeit handelt es sich aber auch nur um ein Pilotprojekt in den Bundesländern Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. „Die Ergebnisse werden am Ende öffentlich gemacht“, erläutert Glaß.

In der Pilotphase, an der 90 Ärzte und Krankenhäuser teilnehmen, müssen die Totenscheine sogar noch ausgedruckt werden. „Der Arzt muss ja unterschreiben. Das wird aber später durch eine digitale Signatur ersetzt“, weiß Glaß.

Und was hat der Bürger davon? „Der Totenschein ist Grundlage für die Sterbeurkunde“, erläutert Glaß. Und diese könne dann im Rahmen des Online-Zugangsgesetzes online beantragt werden – eine Erleichterung für den Bürger.

Christoph Bohn

stellv. Redaktionsleiter SONNTAGSjOURNAL

Christoph Bohn (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. Er hat in Bremen Wirtschaftswissenschaft und Politik studiert und ist Diplom-Ökonom. Nachdem er zweieinhalb Jahre als Controller beim Hanstadt Bremischen Hafenamt gearbeitet und nebenbei schon frei als  Journalist für die NORDSEE-ZEITUNG gearbeitet hatte, entschloss er sich zu einem Volontariat (1998-2000). Danach fing er als Redakteur beim SONNTAGSjOURNAL an (Schwerpunkte: Wirtschaft und Landkreis Cuxhaven).

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