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Bremerhavener Gaußschule hat vorbildliches Verkehrskonzept

Mehr Kinder fallen in Bremerhaven durch die Fahrradprüfung, weil sie wenig Erfahrung im Straßenverkehr haben. Die Gaußschule I hat ein laut Verkehrswacht vorbildliches Konzept - und lässt dabei sogar ganze Klassen verschwinden.

Die Gaußschule macht jedes Jahr eine Projektwoche rund um den Fuß- , Roller- und Radverkehr altersgerecht für alle Grundschüler.

Die Gaußschule macht jedes Jahr eine Projektwoche rund um den Fuß- , Roller- und Radverkehr altersgerecht für alle Grundschüler.

Foto: Spörhase/Verkehrswacht


Eine Woche lang steht die Gaußschule 1 in Eckernfeld immer im Zeichen des Themas Verkehr. Corona geschuldet hat die Projektwoche im Sommer stattgefunden, normalerweise liegt sie im Herbst. „Wir wollen, dass die Erstklässler sich erst ein bisschen eingewöhnen“, begründet Imke Gödeke, Konrektorin, seit 2014 an der Gaußschule I. Das Konzept - immer Theorie und Praxis - ist altersgerecht aufgebaut.

Das altersgerechte Konzept

Erstklässler: Zusammen mit dem Kontaktpolizisten werden Verkehrszeichen und Gefahrensituationen geübt, Dinge, die für den Schulweg als Fußgänger wichtig sind. Mit Hilfe von Unterstützern gab es schon tolle Ideen. „Container-Dienst Glomb hat uns mal einen Lastwagen geliehen und wir haben eine ganze Schulklasse im toten Winkel verschwinden lassen“, erinnert sie sich. Für die Kinder eine wertvolle Erfahrung. Sie sitzen auf dem „Bock“ und wissen, dass ihre Klassenkameraden hinter dem Lkw stehen, sehen sie aber nicht.

Zweite Klasse: Hier steht der Roller im Fokus, Fahrtraining mit Parcours, aber auch Verkehrsregeln. „Dass man vor einem Zebrastreifen vom Roller absteigen muss beispielsweise“, erklärt Gödeke.

Dritte Klasse/Vierte Klasse: Hier steht das Fahrrad im Mittelpunkt. Parcours mit Wippe, im Kreis fahren, Handzeichen geben, Bremstraining. „Viele Kinder müssen es üben, mit der Nicht-Schreibhand Handzeichen zu geben“, weiß die Lehrerin.

Auch der Verkehrsübungsplatz und der Fahrradsimulator der Verkehrswacht kommen zum Einsatz. „Wichtig, denn dass plötzlich ein Ball auf die Straße rollt, können wir nicht im Fahrtraining üben“, sagt die Konrektorin.

An der Karl-Marx-Schule sei der Verkehrsübungsplatz, den die Schule nutzt, besser in Schuss als der vom ADFC kritisierte: Verkehrszeichen und Ampeln würden vor Witterung geschützt in einem Container eingeschlossen.

Verkehrswacht füllt die Lücke

Damit dieses eingespielte Lernkonzept funktioniert, das die Schule anderen als Blaupause gern zur Verfügung stellt, brauche es nicht nur engagierte Lehrkräfte, sondern auch gute Vorbereitung. Die Schulleitung plant jetzt das übernächste Schuljahr. Früher hat die Polizei die Projektwoche begleitet, jetzt springt die Verkehrswacht in die Lücke. Finanziert wurde das bislang mit Unterstützung von Eltern und dem schuleigenen Förderverein.

Allerdings: All diese Erfahrungen kommen auch dem Schulweg zugute - der sei aber Elternsache. Bei den Familien sieht Gödeke auch das Angebot des ADFC richtig aufgehoben: „Das muss an den Elternbeirat gehen.“

Weniger als 30 Prozent der Kinder werden nach einer Zählung des ADFC an der Schule mit dem Auto zur Schule gebracht. Aus Gödekes Sicht gebe es auch gute Gründe, warum Eltern Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Radfahren dürften Kinder alleine ohnehin erst ab Klasse 4.

Als guten Mittelweg, auch um die Parksituation vor den Schulen zu entzerren, sieht sie den Schulexpress. Schilder markieren neun Punkte, an denen Schüler sich zu bestimmten Uhrzeiten treffen und die „letzte Meile“ gemeinsam zur Schule gehen. Zum Bedauern der Lehrkräfte sei die 2017 gestartete Initiative durch Corona eingeschlafen und müsse wiederbelebt werden.

Sie empfinden einen Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad als unsicher? Melden Sie sich bei uns: bremerhaven@nordsee-zeitung.de

Lesen Sie in den nächsten Tagen, welche konkreten Gefahrenstellen Eltern auf dem Weg zur „Stella Maris“-Grundschule sehen.

Maike Wessolowski

Reporterin

Maike Wessolowski wurde in Remscheid geboren. Die ausgebildete Reiseverkehrskauffrau und Reporterin lebte und arbeitete in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen bis sie 2018 in Bremerhaven festmachte. An der Region schätzt sie: Menschen, Maritimes, Möglichkeiten.

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