NORD|ERLESEN

Bremerhavener Buchhändler verraten ihre Lesetipps

Der Frühling, heißt es, sei die Zeit für Frühlingsgefühle. Für Bremerhavener Buchhändler bedeutet das aber noch lange nicht, dass sie ihren Kunden derzeit vor allem Liebesromane ans Herz legen. Welche Neuerscheinungen für vier von ihnen derzeit ganz heiße Ware sind, haben sie NORD|ERLESEN verraten.

Die Tücken des Internets studiert Nicole Steffens (Buchhandlung Mausbuch) in ihrem Lieblingsbuch.

Die Tücken des Internets studiert Nicole Steffens (Buchhandlung Mausbuch) in ihrem Lieblingsbuch.

Foto: Lammers


Wenn Nicole Steffens am Wochenende das gute Wetter in ihrem Garten genießt, ist das Sahnehäubchen auf der gelungenen Auszeit im Grünen, eine Schmökerstunde in „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl (Rohwohlt Verlag). Und darin geht es ganz und gar nicht lieblich zu: „Eine Frau, Mutter von drei Kindern steht vom Abendbrot-Tisch auf und springt vom Balkon in den Tod“, erzählt die Inhaberin der Buchhandlung Mausbuch. Zurück lässt sie eine entsetzte Familie und ihre Freundin, die helfen will. Es geht um Befreiungsprozesse und Aufbrüche und um ein „starkes Ende“, wie Nicole Steffens verrät. Und: „Das Buch ist dramaturgisch sehr beeindruckend.“

Sehr beeindruckt hat sie auch die Lektüre des Sachbuches „Der Ausfall des Internets und seine Folgen für die Welt“ von Esther Paniagua (Hoffmann und Campe). In dem Bestseller aus Spanien geht es nicht um die Frage, ob das Internet komplett ausfällt, sondern wann. „Es bildet sehr gut und verständlich geschrieben ab, was ein anhaltender Ausfall des Internets für die menschliche Zivilisation bedeuten wird“, so Nicole Steffens. „Am Ende wird deutlich, dass alles, was es braucht, um das Beste aus dem Internet herauszuholen, neue Regeln sind.“

Der unbekannte Vater

Ihr Kollege Miguel Flores von der Buchhandlung Morisse schwört für diesen Frühling auf die Neuerscheinung „Der Markisenmann“ von Jan Weiler (Heyne Verlag). Bereits das Cover gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was der Leser erwarten darf: eine Markise, im typischen Farbmix der 70er-, 80er-Jahre, sprich in Braun-Orange-Gelb. Solche Retro-Sonnenschutz-Modelle aus DDR-Restbeständen nämlich versucht der Vater der 15-jährigen Kim an den Mann oder die Frau zu bringen. Vater und Tochter begegnen sich zum ersten Mal, als Kim für die Sommerferien zu ihrem etwas schrulligen Vater soll. Eine Begegnung, die aus beiden andere Menschen macht. „Der Roman ist leicht melancholisch, aber nicht traurig und strotzt nur so vor Ruhrpott-Humor“, erzählt der Buchhändler, warum er es ihm die Geschichte angetan hat. Sein zweiter Favorit ist der Krimi „Der Holländer“ (Mathijs Deen, Mare Verlag) in dem ein knorriger Kommissar die Hauptrolle spielt.

Miguel Flores von der Buchhandlung Morisse bevorzugt in Sachen Schmökerstoff Spannendes und Schräges.

Miguel Flores von der Buchhandlung Morisse bevorzugt in Sachen Schmökerstoff Spannendes und Schräges.

Foto: Lammers

Der Literatur-Liebling in Sachen Neuerscheinungen von Petra Riggers aus der Buchhandlung Hübener ist „Eine Frage der Chemie“ von Bonnie Garmus (Piper Verlag). Darin geht um Elizabeth Zott. „Sie ist Chemikerin, aber das heißt noch lange nicht, dass sie als Chemikerin arbeiten darf“, verrät Petra Riggers. Die Geschichte spielt im Jahr 1961. „Selbstständig denkende Frauen sind in diesen Zeiten nicht besonders beliebt. Elizabeth lässt sich von Phrasendrescherei nicht beeindrucken und findet als Wissenschaftlerin immer Argumente gegen die Vorurteile ihrer Zeit.“ Eine Einstellung, die ihr einen beschwerlichen Weg mit vielen Umwegen beschert. Und sie aber auch erfinderisch sein lässt: „Statt als Chemikerin zu arbeiten, leitet sie eine Kochshow.“ Und sie geht diesen Weg nicht nur für sich selbst, sondern auch für viele Frauen ihrer Zeit, die auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis sind, erzählt Petra Riggers weiter. „Das Buch ist gleichzeitig lustig und lebensklug, und sollte es jemals verfilmt werden, wäre das eine Paraderolle für Meryl Streep.“

Turbulenter Insel-Krimi

„Mein ultimativer Tipp für den Frühling ist ‚Der Tote im Netz‘ von Frauke Scheunemann (Scherz Verlag)“, sagt Alexandra Köpping von der Buchhandlung Memminger. Darin fürchtet Reporterin Franziska Mai ein wenig um ihren Job. Bäder-Radio ist verkauft worden. Schnell überlegt sie sich, wie sie und ihre Kollegen den kleinen Insel-Sender für den großen neuen Boss unverzichtbar machen können. Eine Idee ist schnell geboren: Eine Problemlöser-Sendung. Dann taucht eine Leiche auf, und noch so manche kuriose Verwicklung passiert auf der Insel Usedom. „Eine klasse Mischung aus spannendem Krimi und humorvollem Liebesschmöker – und an die Ostsee möchte man danach auch“, verspricht Alexandra Köpping.

Andrea Lammers

Reporterin

Andrea Lammers (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und aufgewachsen. In Bremen hat sie Rechtswissenschaften studiert. Das Jonglieren mit Buchstaben erschien ihr jedoch erheblich spannender als das mit Paragrafen. Deswegen volontierte sie bei der NORDSEE-ZEITUNG. Seit 1999 arbeitet sie als Redakteurin beim SONNTAGSjOURNAL.

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