Bremerhaven

Traumjob in Bremerhaven: So wird man Erschrecker in der Geisterbahn

Es gibt schon echt geniale Arbeitsplätze in Bremerhaven. Jobs, bei denen man auf dicke Hose machen kann und fies brüllen darf. Und wenn man dann zudem nicht der hübscheste Mensch auf dem Planeten ist, ist das auch noch von Vorteil. Herzlich willkommen auf dem Frühjahrsmarkt in Bremerhaven und fangt endlich an zu kreischen – denn ich bin der Erschrecker in der Geisterbahn.

Reporter Matthias Berlinke verbreitet Angst und Schrecken.

Reporter Matthias Berlinke verbreitet Angst und Schrecken.

Foto: Uwe Zander

Als NORD|ERLESEN-Reporter habe ich den Selbstversuch gewagt. Endlich mal den Bösewicht spielen. Und das geht nirgendwo besser als im „Scary House“, der Geisterbahn auf dem Frühjahrsmarkt. Kurzes Vorstellungsgespräch bei Chef Harry Paul Hansla – und schon kann ich mit dem Probearbeiten anfangen. Der Geisterbahn-Boss scheint mich zu mögen. Der Reporter als kleiner Mann mit wenig Haaren und dunkler, dröhnender Stimme, das scheint zu passen. Hansla drückt mir eine fiese, gruselige Clownsmaske in die Hand, dazu ein Gummischwert. Ich werte das mal als Zusage. So ausgerüstet kann nichts mehr passieren.

Profi-Erschrecker Detlef Watermann ist eigentlich ein sehr sympathischer Kerl.

Profi-Erschrecker Detlef Watermann ist eigentlich ein sehr sympathischer Kerl.

Foto: Uwe Zander

Aber der Reporter muss natürlich noch angeleitet werden. Ganz so einfach ist der Gruseljob nun auch wieder nicht. Mein Lehrmeister heißt Detlef Watermann. Der Bremer ist schon seit ewigen Jahren Erschrecker bei Hansla, er kann sich nichts Besseres vorstellen. „Ich habe schon viel gemacht – war Müllmann, bei der Bundeswehr oder Feuerwehrmann. Aber hier in der Geisterbahn ist es so, dass ich absoluten Spaß habe. Und den bringe ich den Leuten rüber. Das ist toll. Dafür bekommt man dann auch den Dank der Leute zurück“, berichtet der 46-Jährige. „Die Leute freuen sich, wenn ich im ersten Stock stehe und meine Show abziehe.“ Ja, das kann der Detlef. Toll sogar. Mit der (natürlich nicht echten) Kettensäge auf Geisterbahn-Fahrgäste lauern, sie jagen, ihnen Herzrasen bescheren.

Mein neuer Arbeitsplatz: finster, auch ein bisschen muffig, aber schön

Auf geht’s in die Einführungsrunde. In jeden Waggon der Geisterbahn passen zwei Leute. Die Gondel läuft elektrisch angetrieben auf einer Schiene, hinter der ersten Pforte geht es hinein in ein dunkles Abenteuerland. Detlef und ich gehen zu Fuß in das Gruselgebäude. Mein neuer Arbeitsplatz, finster, auch ein bisschen muffig, aber schön. Bloß nicht die Sensoren berühren. Sonst kommt mir die Gruselfratze von der Decke entgegen. Und auch das mächtige Dinoskelett mit den riesigen Zähnen bewegt sich.

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In der Geisterbahn ist es ziemlich finster. Es gibt viele Stolperfallen auf dem Boden. Immer schön Detlef folgen. Der kennt hier alle Nischen und Ecken, weiß ganz genau, wo niemand der Fahrgäste mit dem Erschrecker rechnet. Und wenn dann die unbedarften Geisterbahnbesucher in ihrem Wagen vorbeikommen, dann schlägt Detlefs Stunde. Er jagt den Frauen und Männern einen Schrecken ein, lacht fies, brüllt und spielt mit der Gummi-Kettensäge. „Du überlegst nicht lange, läufst hinter dem Wagen hinterher und lässt deinen Emotionen freien Lauf“, sagt Detlef Watermann.

Detlef Watermann versteckt sich hinter der Tür und wartet auf seine nächsten Erschreckopfer.

Detlef Watermann versteckt sich hinter der Tür und wartet auf seine nächsten Erschreckopfer.

Foto: Uwe Zander

Jetzt will ich auch. Die nächsten Jugendlichen, die gerade eingestiegen sind, gehören mir. Denen werde ich einen Schrecken einjagen, einen, der sie erzittern lässt. Hoffe ich jedenfalls.

Das ist meine Geisterbahn! Was wollt ihr hier? Das ist mein Revier! Das ist meine Geisterbahn!

Matthias Berlinke

Und dann kommen sie. Ich springe von der Seite vor den Wagen, zücke das Schwert und gröle ihnen ins Gesicht: „Das ist meine Geisterbahn! Was wollt ihr hier? Das ist mein Revier! Das ist meine Geisterbahn!“ Der Spruch kommt gut an, die jungen Leute kreischen kurz. Dann aber fangen sie an zu lachen. Mist! War wohl doch nicht so böse, der Herr Erschrecker-Azubi.

Profi-Erschrecker Detlef gibt wichtige Tipps

Beim nächsten Mal klappt es schon besser. Die beiden Mädels haben sich in ihrem Wagen herrlich erschreckt, sie haben fast schon Angst. Erschrecker-Profi Detlef gibt dem NORD|ERLESEN-Reporter einen wichtigen Tipp: „Du musst dich zurücknehmen, wenn du merkst, dass die Leute wirklich Angst bekommen. Gerade bei Kleinen kann das gut sein.“ Aber auch das Gegenteil kann passieren. Dass Leute ausrasten, wenn sie erschreckt werden und zuhauen wollen. „Dann muss ich ausweichen“, sagt Detlef. „Aber niemals zurückhauen. Das geht nicht.“

Nach einer halben Stunde ist das Probearbeiten vorbei, ich bin angelernt. „Bis du alles richtig drauf hast, brauchst du einen Tag. Dann läuft das“, sagt Detlef. Und Chef Harry Paul Hansla würde mich am liebsten gleich verpflichten. „Nach Bremerhaven geht es weiter auf den Jahrmarkt nach Cuxhaven. Bist du dabei?“, fragt er mich. Nun ja, hat Spaß gemacht, ich überlege es mir.

Geisterbahn-Chef Harry Paul Hansla hat eine besondere Beziehung zu seinem „Scary House“

Allein schon dieser Harry Paul Hansla ist ein dufter Typ, ein cooler Chef. Er weiß, was er tut. „Ich bin mit Geisterbahnen aufgewachsen. Sie sind mein Leben. Nur wenn du so eine enge Beziehung zu deinem Geschäft hast, kannst du es mit Leidenschaft machen“, sagt Hansla. Und für den „Geisterchef“ aus Oldenburg sind das nicht nur irgendwelche beliebige Phrasen, die er da auspackt. Die Geisterbahn ist sein Baby, er lebt seinen Traum. „Du kannst dir für 500.000 Euro so eine Bahn hinstellen, aber das reicht nicht. Du musst immer was ändern, Neues machen“, sagt Hansla. „Wir haben jetzt die Wagen, in denen die Fahrgäste sitzen, neu gemacht – und zwar in Eigenarbeit. So haben wir nur 20.000 Euro investiert statt normalerweise 70.000 Euro.“

Geisterbahn-Chef Harry Paul Hansla würde den Reporter am liebsten gleich als Erschrecker verpflichten.

Geisterbahn-Chef Harry Paul Hansla würde den Reporter am liebsten gleich als Erschrecker verpflichten.

Foto: Uwe Zander

Echt, diesen Boss muss man mögen. Vielleicht sollte ich sofort zusagen. Die Clownsmaske steht mir auf jeden Fall. Und fies brüllen – das habe ich jetzt allen bewiesen – kann ich auch.

Reporter Matthias Berlinke ist als Erschrecker-Neuling voll in seinem Element.

Reporter Matthias Berlinke ist als Erschrecker-Neuling voll in seinem Element.

Foto: Uwe Zander

Matthias Berlinke

Online-Redakteur

Matthias Berlinke, geboren 1971, ist seit 1992 im Verlag. „McBörli“ hat nebenbei für viele Radiostationen in Deutschland Eishockey-Übertragungen gemacht. Was Berlinke liebt: Bockwürste, Lokomotiven, den Hukilau (hawaiianischer Tanz) und natürlich seine Mädels daheim.

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