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Jugendliche stirbt bei Unfall mit Doppeldecker-Bus

Statt Vorfreude auf eine besinnliche Weihnacht bringt das dritte Adventswochenende einigen Familien in Berlin viel Leid. Infolge tragischer Umstände stirbt eine 15-Jährige bei einem schlimmen Busunfall. Die Rettungskräfte arbeiten am Limit.

Von Stefan Kruse, dpa
11. Dezember 2022
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In Berlin-Steglitz sind bei einem schweren Verkehrsunfall mit einem BVG-Bus zwei Fußgänger unter den Doppeldecker geraten.

In Berlin-Steglitz sind bei einem schweren Verkehrsunfall mit einem BVG-Bus zwei Fußgänger unter den Doppeldecker geraten.

Foto: Dominik Totaro/dpa

Furchtbares Unglück in der Vorweihnachtszeit in Berlin: Ein Doppeldecker-Bus erfasste am Samstagabend zwei Jugendliche, die nach ersten Ermittlungen der Polizei an einer Fußgängerampel bei Rot über die Straße liefen. Beide gerieten unter den tonnenschweren Linienbus, wurden dort eingeklemmt und konnten im Zuge eines Großeinsatzes erst mittels Spezialtechnik geborgen werden.

Eine 15-Jährige starb laut Polizei noch am Unfallort, ihre 14-jährige Begleiterin wurde mit schweren Verletzungen an Kopf und Oberkörper in ein Krankenhaus gebracht. „Dem Vernehmen nach soll jedoch bei ihr keine Lebensgefahr bestehen“, hieß es am Sonntag seitens der Polizei.

Augenzeugen wurden von Seelsorgern betreut

Der 62 Jahre alte Busfahrer erlitt einen Schock und wurde medizinisch behandelt. Nach Polizeiangaben gab es viele Augenzeugen: Knapp ein Dutzend musste von Seelsorgern betreut werden, weil sie wie auch Einsatzkräfte das schreckliche Geschehen erst verarbeiten müssen.

Der Unfall ereignete sich gegen 18.45 Uhr in der Leonorenstraße im südlichen Berliner Stadtteil Lankwitz, als es also schon dunkel war. Der Bus der Linie M82 fuhr dort nach ersten Erkenntnissen der Polizei an einer Haltestelle ab und dann an einem nahe gelegenen Fußgängerüberweg die Teenager an.

Da sie danach eingeklemmt waren, schickte die Feuerwehr neben einem Hubschrauber und Rettungswagen auch andere Fahrzeuge, darunter einen sogenannten Rüstwagen. Einsatzkräfte hoben den Bus zunächst mittels Hebekissen an, um die 14-Jährige zu bergen und notfallmedizinisch zu behandeln. Dann musste der Rüstwagen das Fahrzeug weiter anheben, um auch die eingeklemmte 15-Jährige hervorholen zu können. Ein Notarzt konnte anschließend nur noch ihren Tod feststellen.

Nach dem Unfall hatten Polizei und Retter einen Großeinsatz ausgelöst, der auch ein Licht wirft auf die Überlastung des Berliner Rettungsdienstes, der dringend mehr Personal und mehr Fahrzeuge braucht. Als erster Wagen sei ein Notarzt neun Minuten nach dem Notruf vor Ort gewesen, die ersten beiden Rettungswagen (RTW) allerdings erst nach 20 Minuten, so die Feuerwehr.

Defizite bei der Berliner Feuerwehr

Nach Angaben ihres Sprechers Thomas Kirstein war zum Zeitpunkt des Notrufes zunächst kein einziger RTW in Berlin verfügbar. Zum Vergleich: Theoretisch sollten im Durchschnitt etwa 140 in der Stadt unterwegs sein, diese Anzahl werde in der Praxis aber nicht mehr erreicht. Als kurze Zeit später wieder RTW verfügbar gewesen seien, habe die Leitstelle gleich mehrere zum Unfallort entsandt.

Die Berliner Feuerwehr forderte von der Politik schnelle Verbesserungen im Rettungswesen. Die Kapazitäten reichten schon seit längerer Zeit nicht mehr aus, alle Beschäftigten arbeiteten am Limit, schilderte Kirstein. „Wir brauchen dringend eine Novellierung des Rettungsdienstgesetzes und weitere Rettungsfahrzeuge, um vernünftig arbeiten und wieder durchschnaufen zu können“, sagte er. „Im Moment sind wir die Ausputzer eines nicht ausreichend dimensionierten Gesundheitssystems.“ So könne es nicht weitergehen.

Innensenatorin verspricht Verbesserungen

Der Rettungsdienst in Berlin ist vor allem deshalb stark überlastet, weil Personal knapp ist und viele Notrufe eingehen, die sich nicht auf wirkliche Notfälle beziehen. Aber auch darum müssen sich die Retter kümmern mit der Folge, dass es dann bei echten Notfällen womöglich länger dauert.

Oft ruft die Feuerwehr daher den „Ausnahmezustand Rettungsdienst“ aus, am Tag des Busunfalls geschah das um 10.55 Uhr. Dann haben die Helfer die Möglichkeit, ihre Einsätze stärker zu priorisieren. Laut Kirstein besteht aber auch an Krankenhäusern ein Problem. Nicht selten dauere es eine Stunde oder länger, bis ein Rettungswagen mit einem Notfallpatienten eine aufnahmebereite Klinik finde.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) versprach am Sonntag zum wiederholten Mal, die Lage zu verbessern. „Nach intensiven Gesprächen sind die Verhandlungen auf einem sehr guten Weg“, sagte eine Sprecherin der Innenverwaltung. „Unumstößliches Ziel von Iris Spranger ist und bleibt es, die Rettungskräfte schnellstmöglich und nachhaltig zu entlasten und damit für den Schutz aller Menschen in Berlin Sorge zu tragen.“ Innerhalb der rot-grün-roten Berliner Landesregierung gab es zuletzt Streit um Inhalte eines neuen Rettungsdienstgesetzes.

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