Cuxland

In Sorge um die plattdeutsche Sprache

Hans Meinen macht sich Sorgen. „Wir müssen höllisch aufpassen, dass das Niederdeutsche nicht zu einer reinen Theater- und Bühnensprache wird“, sagt der Plattdeutschbeauftragte des Landkreises. Plattdeutsch müsse wieder Alltagssprache werden, sagt er – und hat hierzu konkrete Ideen.

Kleinensiel zeigt, wie es geht: Der Plattdeutschbeauftragte Hans Meinen möchte sich unter anderem dafür einsetzen, dass alle Ortsschilder in der Wesermarsch zweisprachig werden.

Kleinensiel zeigt, wie es geht: Der Plattdeutschbeauftragte Hans Meinen möchte sich unter anderem dafür einsetzen, dass alle Ortsschilder in der Wesermarsch zweisprachig werden.

Foto: Timo Kühnemuth

Hans Meinen bekleidet das Ehrenamt seit sechs Jahren. „Meine Geschäftsgrundlage ist die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“, berichtete er jetzt im Kreisausschuss für Schulen, Kultur und Sport. Die Charta gibt es seit 1992. Doch viele der Verpflichtungen, die daraus entstehen, seien auch in der Wesermarsch bis heute nicht umgesetzt.

Laut Charta müsste eigentlich an allen Kindergärten im Landkreis eine zweisprachige Erziehung – auf Hochdeutsch und op Platt – ermöglicht werden. „Realität ist das aber bis heute nicht“, so Hans Meinen. Eigentlich dürfte es auch keine Schule mehr ohne Plattdeutsch-Unterricht geben. „Aber auch da sind wir noch weit vom Ziel entfernt.“

Das darf nicht so bleiben

Der Plattdeutsch-Beauftragte warnt davor, diesen Missstand einfach so hinzunehmen. „Wenn wir das Plattdeutsche retten wollen, müssen wir bei den ganz Kleinen anfangen“, betont er. Und das Personal dafür sei vorhanden: Er wisse aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung, dass es an fast jeder Schule im Landkreis ein bis zwei Lehrerinnen oder Lehrer gibt, die Plattdeutsch können, so Hans Meinen.

Hans Meinen, Plattdeutschbeauftragter des Landkreises

Hans Meinen, Plattdeutschbeauftragter des Landkreises

Foto: Archiv

Es sei wichtig, dass an den Schulen wieder Niederdeutsch gesprochen wird – ob in Arbeitsgruppen, im Fach Plattdeutsch oder generell im Unterricht. „Das geht hervorragend in Fächern wie Mathematik, Musik, Werkunterricht und Kunst“, weiß Hans Meinen auch durch seine frühere Tätigkeit als Leiter der Grundschule Schwei. Seine Frau Christa und er hätten die Möglichkeit, hierzu eine Fortbildung anbieten.

Es sei wichtig, dass Plattdeutsche wieder in den Alltag zu holen, indem möglichst viele die Sprache erlernen und dann auch aktiv sprechen. Um das zu unterstützen, hat Hans Meinen bereits einiges getan. Zum Beispiel hat er mit zusammen mit Radio Weser.TV zwölf Radiosendungen für Kinder op Platt produziert, die Schulen als DVD anfordern können. Zudem gibt es seit kurzem das Buch „Bello is een Held“ mit plattdeutschen Geschichten speziell für Kinder im Grundschulalter.

Ein weiteres Projekt, das Hans Meinen noch in diesem Jahr angehen möchte, sind zweisprachige Ortsschilder. „In Ostfriesland sind sie gang und gäbe, auch in vielen Emsland-Kommunen“, weiß der Plattdeutschbeauftragte.

Ein Anfang

In der Wesermarsch gibt es bislang erst einen Ort mit zweisprachigen Schildern: Kleinensiel beziehungsweise Lütjensiel.

Für eine weitere Idee hat Hans Meinen bislang noch keinen geeigneten Partner gefunden: „Ich fände es gut, wenn es auch in der Wesermarsch einen Supermarkt gäbe, in dem alle Schilder zweisprachig sind.“ Bei einem Geschäft im ostfriesischen Großefehn sei das bereits erfolgreich umgesetzt worden.

An Ideen, wie sich das Plattdeutsche retten lässt, mangelt es Hans Meinen nicht, der sein Amt möglichst zum Jahresende, spätestens aber Ende 2023 an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin abgeben möchte. So wird er in Kürze den Musiker, „Liederaten“ und Alleinunterhalter Jochen Wiegandt in die Wesermarsch holen, der seinem Publikum etwas über die Herkunft klassischer plattdeutscher Lieder erzählen wird. Details folgen, wenn alles in trockenen Tüchern ist.

Wenn Hans Meinen und seine Frau Christa am Sonnabend und Sonntag, 25. und 26. Juni, jeweils von 10 bis 18 Uhr zur offenen Gartenpforte nach Augusthausen (Hasenweg 6) einladen, wird es auch dort etwas für Freunde des Plattdeutschen geben. Im Garten der Meinens werden an verschiedenen Stellen Schilder mit QR-Codes stehen, die via Handy zum hoch- und niederdeutschen Hörspiel „Piepenbrinks Hochzeit“ führen.

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