Bremerhaven

Ein Industriegebiet, eine Brache, verwandelt sich in ein architektonisch abwechslungsreich gestaltetes Quartier. Von Wasser umgeben. Autoarm. Ein Dorf in der Stadt. Klimaneutral. Insgesamt rund 600 Wohnungen und Häuser, alle mit Blick aufs Wasser oder ins Grüne. Exklusiv auf NORD|ERLESEN stellt die van-Ronzelen-Gruppe Pläne für das gleichnamige, im künftigen Werftquartier liegende Gebiet auf der Külken-Halbinsel vor. Nicht nur die Idee, sondern die Gruppe selbst ist eine kleine Revolution – nicht nur für Bremerhaven.

...und das sind die Pläne der van-Ronzelen-Gruppe, ein bisher einmaliger Zusammenschluss von sechs Bau- und Wohnungsgenossenschaften und Gesellschaften.

...und das sind die Pläne der van-Ronzelen-Gruppe, ein bisher einmaliger Zusammenschluss von sechs Bau- und Wohnungsgenossenschaften und Gesellschaften.

Foto: van-Ronzelen-Gruppe, Visualisierung: MandaWorks

Werftquartier: Das sind die Pläne für die Külken-Halbinsel

540 Wohnungen und 60 Reihenhäuser plant die van-Ronzelen-Gruppe auf der im Werftquartier gelegenen Halbinsel, die über mehrere Brückenschläge mit Geestemünde und Mitte verbunden werden soll. Wohnraum für rund 1500 Menschen. Das Gebiet umfasst acht Hektar Fläche.

„Ökologisch anspruchsvolles Wohnen direkt am Wasser kann in einer interessanten Mischung aus Miet-, Genossenschafts- und Eigentumswohnungen, vereinzelt sozialem Wohnungsbau und auch Reihenhäusern, gemischt mit nicht störendem Gewerbe gelingen“, stellt Sprecher Klaus Becké die Pläne der so besonderen Gruppe vor.

Energie kommt aus Solarthermie und Solarenergie

Die Häuser werden gestaltet in viel unterschiedlicher Architektur mit Gässchen und Plätzen. Energie kommt aus Solarthermie und Solarenergie, das Gebiet ist von Grün durchzogen bis zu den Dächern, sogar schwimmende Häuser sehen die Pläne vor.

„Ein Erfolgsfaktor wird auch die Gestaltung des öffentlichen Raums am und auf dem Wasser sein“, heißt es in der Projektbeschreibung. Die Pläne zeigen einen künstlichen Kanal, der sich zusätzlich quer durch das vom Wasser umgebende Quartier zieht. So ein Quartier brauche neben einer Kita, Arztpraxen, Gewerbe und kleinen Geschäften auch Promenaden am Wasser, Wassersport, eine Marina, vielleicht sogar ein öffentliches Badeschiff.

So sieht die Külkenhalbinsel heute aus...

So sieht die Külkenhalbinsel heute aus...

Foto: van-Ronzelen-Gruppe

Die van-Ronzelen-Gruppe ist benannt nach dem niederländischen Wasserbauer-Pionier, der Bremerhaven maßgeblich miterbaut hat. Der Zusammenschluss selbst ist eine moderne Pionierleistung, die es so in Bremerhaven und vermutlich in ganz Deutschland noch nie gegeben hat: Sechs lokale Partner, darunter ehemals gemeinnützige Bremerhavener Wohnungsunternehmen und ein sozial ausgerichteter Privatinvestor, bilden diesen Zusammenschluss.

van Ronzelen-Gruppe will attraktives Leben und bezahlbares Wohnen vereinen

Die Gruppe beplant gemeinsam das komplette Gebiet, in dem die einzelnen Unternehmen dann jeweils Projekte für ihren Bestand, aber auch Eigentumswohnungen und Häuser realisieren. Die Gruppe hat Schlagkraft: Heute bewirtschaften sie zusammen fast die Hälfte aller Geschosswohnbauten in der Seestadt. Sie haben sich ein gemeinsames Ziel gesetzt: attraktives Leben und bezahlbares Wohnen in Bremerhaven zu ermöglichen – auch am Wasser.

Die van Ronzelen-Gruppe besteht aus Geschäftsführern, Vorstandsmitgliedern und Gesellschaftern. Die Partner sind die Stäwog mit Sieghard Lückehe, die Gewoba mit dem Bremerhavener Leiter Frank Stickel, die GWF Wohnungs- und Immobilien GmbH mit Olaf Klinge und dem Ex-Geschäftsführer Otto von Bebern, die Wohnungsbaugenossenschaft Bremerhaven mit Uwe Stramm, die Vereinigte Bau- und Siedlungsgenossenschaft mit Torben Peschel sowie Jürgen Stindt von der Friedrich Stindt KG.

Die Ideen für das Projekt sind schon vor 2019 entstanden: Gemeinsam mit Malmös Stadtplaner Lars Böhme hat die Gruppe in Schweden Ideen entwickelt und das Quartier erbaut – zumindest schon einmal im Miniaturformat.

Möglicher Verkauf von Flächen an Dritte

Für ein „Sahnestück“, das Eckgrundstück – auf den aktuellen Plänen ist dort eine hohe Landmarke eingezeichnet – möchte die Gruppe einen Architektur-Wettbewerb ausschreiben. Flächen, die vielleicht im ersten Schritt noch nicht bebaut werden, könnten auch Dritten angeboten werden: Deren Pläne müssten aber vertraglich zugesichert den hohen Maßstäben der Gruppe entsprechen.

Jetzt möchte die van-Ronzelen-Gruppe die Pläne, die sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientieren, der Öffentlichkeit vorstellen: „Dem Pioniergeist des Namensgebers entsprechend soll das Van-Ronzelen-Quartier hohem städtebaulichen und gesellschaftlichen Ansprüchen folgen und zukunftsweisend ganzheitlich klimaneutral entwickelt werden“, sagt Rechtsanwalt Klaus Becké, den die Gruppe zu ihrem Sprecher bestimmt hat.

Die Gruppe steht im Dialog mit Akteuren in Stadt und Land, doch die ambitionierten Ziele werden nur unter Einbezug breiter Gesellschaftsgruppen gelingen, sind sich die Planer sicher. Die Gruppe plant, die Ideen zeitnah in diesem Jahr in einer öffentlichen Veranstaltung vorzustellen.

Die van-Ronzelen-Gruppe ist ein Zusammenschluss verschiedener Gesellschaften.

Die van-Ronzelen-Gruppe ist ein Zusammenschluss verschiedener Gesellschaften.

Foto: van-Ronzelen-Gruppe

Spatenstich könnte in zweieinhalb Jahren erfolgen

Angeschlossen werden soll das van-Ronzelen-Quartier über neue Brückenschläge nach Norden Richtung Alfred-Wegener-Institut und nach Osten über den Handelshafen: So rücken Innenstadt und Hauptbahnhof viel näher. Vor allem nachhaltige Mobilität soll eine große Rolle spielen. Vorgesehen ist ein geringerer Stellplatzschlüssel und ein zentrales Mobilitäts-Haus (neudeutsch: „Hub“) für Auto- und Radparkplätze, Ladestationen, Verleih oder Sharing-Anbieter. Die auf dem Bild rot-weiß eingezeichnete bewegliche Brücke ist nur für Fußgänger und Radfahrer gedacht. Ein zweiter Anschluss für Anwohner-Fahrzeuge, Lieferverkehr und Busse ist im östlichen Teil geplant.

Wenn die weiteren Verhandlungen gut laufen und es für anstehende Fragen akzeptable Lösungen gibt, kann sich die Gruppe vorstellen, in zweieinhalb Jahren den ersten Spatenstich zu tätigen und innerhalb von weiteren sieben bis acht Jahren könne das Quartier entwickelt werden“, sagt Sprecher Klaus Becké.

Offene Fragen dürften der rechtliche Rahmen und die zu schaffende Infrastruktur sein. Die Gruppe – so steht es in der Projektskizze – favorisiert, Eigentum zu erwerben, um die Planung meistern zu können.

Maike Wessolowski

Reporterin

Maike Wessolowski wurde in Remscheid geboren. Die ausgebildete Reiseverkehrskauffrau und Reporterin lebte und arbeite in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen bis sie 2018 in Bremerhaven festmachte. An der Region schätzt sie: Menschen, Maritimes, Möglichkeiten.

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