Cuxland

Auf die Erdbeeren, fertig, los! Selber pflücken im Cuxland

Ein milder Winter mit wenigen Frostschäden, kühle Nächte und sonnige Tage – die Bedingungen für die Erdbeersaison sind gut. Hiesige Erdbeerbauern wagen eine vorsichtig optimistische Prognose für die bevorstehenden Wochen. „Aber genau weiß man das nie, wir sind nun mal stark vom Wetter abhängig“, gibt Volker Hildebrandt von den gleichnamigen Erdbeerplantagen in Kirchwistedt zu bedenken. Hier, im Süden des Cuxlandes, hat die Selbstpflücksaison in dieser Woche bereits begonnen.

Raus aufs Feld: Die Saison hat mit Verspätung begonnen, aber jetzt kann man auch im Cuxland selbst Erdbeeren pflücken.

Raus aufs Feld: Die Saison hat mit Verspätung begonnen, aber jetzt kann man auch im Cuxland selbst Erdbeeren pflücken.

Foto: Arnd Hartmann

1. Kapitel

Erdbeeren zum Selbstpflücken

„Hier sind sie noch ziemlich grün“, ruft eine Frau ihrem Nachbarpflücker auf dem Selbstpflückerfeld in Kirchwistedt zu. „Da waren wohl schon welche“, antwortet Swen Haberkorn aus Lunestedt und empfiehlt, ein paar Reihen weiter zu gehen. Der Rentner kennt sich aus. Seit Jahren kommt er zum Selbstpflücken auf Hildebrandts Erdbeerplantage. Und das gleich mehrmals in der Saison. „Weil es Spaß macht und weil es sich auch preislich lohnt“, sagt der Rentner.

2,95 Euro zahlen Selbstpflücker auf dem Familienhof der Hildebrandts für ein Kilogramm Erdbeeren. Wem das zu beschwerlich ist oder zu lange dauert, der kann im Verkaufsstand auf dem Hof auch gepflückte Erdbeeren für 6 Euro pro Kilogramm kaufen. Im vergangenen Jahr waren es noch 5 Euro für ein Kilo gepflückte Erdbeeren, und 2,40 Euro pro Kilogramm bei Selbstpflückern.

Erdbeeren bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und haben pro hundert Gramm nur etwa 35 Kalorien. Zum Vergleich: Bananen haben knapp 90 Kalorien pro 100 Gramm, Weintrauben etwa 70.

Erdbeeren bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und haben pro hundert Gramm nur etwa 35 Kalorien. Zum Vergleich: Bananen haben knapp 90 Kalorien pro 100 Gramm, Weintrauben etwa 70.

Foto: Heike Leuschner

Auch die Preise für Erdbeeren steigen

Doch wie überall muss auch Hofchef Volker Hildebrand mit höheren Preisen kalkulieren. Höhere Kraftstoff- und Düngerkosten und die Lohnkosten für seine polnische Pflücker schlagen zu Buche. Unterstützt werden der Erdbeerbauer und seine Frau in der Hochsaison auch von ihren beiden Kindern. Carola und Christian Hildebrandt arbeiten beide hauptberuflich als Feuerwehrleute, aber in den stressigsten Wochen der Erdbeersaison versuchen sie ihre Eltern sooft es geht zu unterstützen.

„Es macht einfach irrsinnig viel Spaß“, berichtet Carola Hildebrandt. „Vor allem, wenn ganze Familien zum Pflücken herkommen“, ergänzt ihr Bruder Christian. Um zusätzliche Anreize für die Selbstpflücker zu schaffen, haben sich die internetaffinen Juniorchefs des Hofes ein Gewinnspiel ausgedacht. Pflücker können originelle Fotos auf der Facebook- und Instagram-Seite des Hofes hochladen. Als Preise gibt es eine selbst gebaute Holzbank und Gutscheine für die folgende Saison zu gewinnen.

Wer besonders viele Erdbeeren vom Feld holt, kann diese in Kirchwistedt mit einem Wagen zum Auto transportieren - oder einfach sein Gepäck darauf abstellen.

Wer besonders viele Erdbeeren vom Feld holt, kann diese in Kirchwistedt mit einem Wagen zum Auto transportieren - oder einfach sein Gepäck darauf abstellen.

Foto: Heike Leuschner

Angefangen mit den Erdbeeren aus Kirchwistedt hat Großvater Dieter Hildebrandt vor mittlerweile 55 Jahren. Inzwischen hat sich Hofnachfolger Volker Hildebrandt weitgehend auf die roten Früchte spezialisiert. Neun Hektar Erdbeeren baut er Jahr für Jahr an, rund 80 Prozent der Fläche werde von Selbstpflückern abgeerntet, darüber hinaus beschäftigt er polnische Erntehelfer.

Vernichtung von Erdbeerfeldern kommt nicht infrage

Erdbeerfelder zu vernichten, wie es in anderen Teilen Deutschlands aufgrund der Erdbeerpreise in diesem Jahr offenbar bereits vorgekommen ist, ist für Hildebrandt kein Thema. Aus seiner Sicht handelt es sich dabei um Einzelfälle und keinen Standard.

So sieht es auch Carsten Klaus vom Erdbeerhof Klaus in Hoope. „Wir freuen uns über die Erdbeeren, die wir ernten können, und wir werden sie auch sehr gut los“.

Anders als Mitbewerber Hildebrandt vermarktet Klaus die süßen Früchte auch über den Lebensmitteleinzelhandel. Von Cuxhaven bis Bremen kann man Erdbeeren aus Hoope bei Edeka und Rewe kaufen. Den Preis kann Klaus aber nur für die Erdbeeren bestimmen, die er direkt vermarktet. An seinen Ständen kostet das Obst 7,50 Euro pro Kilogramm. Selbstpflücker zahlen bei ihm 4 Euro pro Kilo Erdbeeren.

Auf Selbstpflücker setzt auch Eike Niemczyk vom Obst- und Gemüsehof der Familie in Nordleda bei Otterndorf. Seit der Coronapandemie sei dieses Angebot wieder beliebter. Seit Freitag können sich Kunden zwischen Nordleda und Wanna wieder selbst Erdbeeren vom Feld holen. Die Preise, erklärt Niemczyk, seien vom Saisonverlauf abhängig. Selbstpflücker zahlen bei ihm aktuell um die drei Euro pro Kilo; am eigenen Stand habe der Kilopreis zuletzt bei fünf Euro gelegen.

Zwölf Kilo Erdbeeren selbst geerntet

Anders als seine beiden Mitbewerber auf dem Erdbeermarkt aus dem Südkreis sieht er in der Preisentwicklung und der Preissensibilität vieler Kunden schon eine gewisse Gefahr für die eine oder andere Erdbeerernte. Zwar schließt er es für den eigenen Betrieb aus, ganze Erdbeerfelder zu vernichten. Er glaubt aber schon, dass am Ende der Saison Früchte auf dem Feld bleiben werden. „Erdbeeren sind sehr empfindlich, reife Früchte müssen innerhalb von zwei Tagen gepflückt werden.“

Karin und Manfred Grimm aus Barchel sind leidenschaftliche Selbstpflücker. Bei Hildebrandt in Kirchwistedt haben sie zwölf Kilogramm Erdbeeren geerntet. Verkäuferin Svenja Schwarz wiegt die Früchte, um den Kaufpreis zu ermitteln.

Karin und Manfred Grimm aus Barchel sind leidenschaftliche Selbstpflücker. Bei Hildebrandt in Kirchwistedt haben sie zwölf Kilogramm Erdbeeren geerntet. Verkäuferin Svenja Schwarz wiegt die Früchte, um den Kaufpreis zu ermitteln.

Foto: Photographer:Heike Leuschner

Für Karin und Manfred Grimm aus Barchel bei Bremervörde dauert die Erdbeersaison bis zum nächsten Jahr. Zwölf Kilo haben sie bei Hildebrandt in Kirchwistedt selbst geerntet. „Als Erstes machen wir davon eine Erdbeertorte, das ist Tradition“, sagt Manfred Grimm. Der größte Teil der eigenen Ernte wird aber eingefroren und nach und nach zu Marmelade verarbeitet.


2. Kapitel

Von wegen Beere

  • Botanisch betrachtet sind Erdbeeren keine Beeren, sondern Nüsse. Die gelben Körnchen auf der Oberfläche werden als Nüsse bezeichnet. Sie sind die eigentlichen Früchte der Erdbeerpflanze. Die rote Hülle ist lediglich eine Scheinfrucht.
  • Erdbeeren enthalten jede Menge Vitamine (B1, B2, B6, C, Karotin) und Mineralstoffe (Kalium, Kalzium, Phosphor und Eisen) und gelten daher als sehr gesund. Eine 200 Gramm Schale Erdbeeren deckt den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C. Der Vitamin C-Gehalt von Erdbeeren ist höher als der von Zitronen und Orangen.
    Viel Platz zum Selberernten: Auf den Erdbeerplantagen der Familie Hildebrandt in Kirchwistedt sind rund 80 Prozent der Flächen für Selbstpflücker reserviert.

    Viel Platz zum Selberernten: Auf den Erdbeerplantagen der Familie Hildebrandt in Kirchwistedt sind rund 80 Prozent der Flächen für Selbstpflücker reserviert.

    Foto: Heike Leuschner

  • Weil Erdbeeren zu rund 90 Prozent aus Wasser bestehen und gerade einmal 32 Kilokalorien pro 100 Gramm enthalten, kann man sie nach Lust und Laune essen – vorausgesetzt, man verzichtet auf Zucker und andere süße Beigaben.
  • Walderdbeeren wurden in Europa schon seit der Antike gesammelt und verzehrt. Kulturerdbeeren gibt es erst seit dem 18. Jahrhundert; sie stammen aus Amerika.
  • In Deutschland werden jährlich rund 299.000 Tonnen Erdbeeren gegessen – das ergibt im Schnitt 3,6 Kilogramm Erdbeeren pro Person.
  • Deutsche Erdbeeren kommen zu über 96 Prozent aus dem Freiland. Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes bauten im Jahr 2018 knapp 2022 Betriebe auf rund 16.198 Hektar in Deutschland Erdbeeren an.
  • Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen liegen als Erdbeerländer an der Spitze. Nirgendwo sonst in Deutschland werden so viele Erdbeeren im Freiland angebaut. Niedersachsen lieferte nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft 2018 über 24 Prozent der gesamten deutschen Freiland-Erdbeeren.
  • Für bessere Haltbarkeit und damit sie ihr Aroma optimal erhalten, sollten Erdbeeren im Kühlschrank bei 7 bis 10 Grad gelagert werden. Dann sind sie bis zu zwei Tage haltbar. Grundsätzlich gilt bei Erdbeeren: Nicht vor dem Lagern waschen, sondern erst direkt vorm Verzehr, da das Wasser sie anfälliger für Fäule macht.
Heike Leuschner

Reporterin

Heike Leuschner hat sich nach einem Jura-Studium für die journalistische Laufbahn entschieden. Seit 2010 ist sie als Redakteurin in der Lokalredaktion der NORDSEE-ZEITUNG beschäftigt. Privat sieht man sie oft mit Kamera – oder gar nicht. Dann ist sie auf Reisen.

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