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Komisch und konsumkritisch: „Das Weihnachtsschnitzel“

Schnitzel geht eigentlich immer - warum also nicht zu Weihnachten? Doch ganz so einfach ist es nicht in einer neuen Komödie im Ersten.

Von Klaus Braeuer, dpa
7. Dezember 2022
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Wolfgang (Ludger Pistor) und Günther (Armin Rohde, r) ermitteln in Weihnachtsmann-Kostümen.

Wolfgang (Ludger Pistor) und Günther (Armin Rohde, r) ermitteln in Weihnachtsmann-Kostümen.

Foto: Frank Dicks/WDR/dpa

Plötzlich hat der Weihnachtsmann eine Pistole in der Hand. So geht es los in der Komödie „Das Weihnachtsschnitzel“, die diesen Mittwoch (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen ist. Es ist der fünfte Film aus der „Schnitzel“-Reihe, die seit zwölf Jahren im Ersten läuft.

Es weihnachtet gar sehr - deutlich zu viel für Günther (Armin Rohde). Er lebt allein und betreibt mit seinem Freund Wolfgang (Ludger Pistor) eine Schnitzelbude in der Dortmunder Innenstadt. Die müssen sie nun aber aufgeben. Die Miete ist zu hoch, der Umsatz zu gering - und wirklich Lust haben die beiden älteren Herren auch nicht mehr.

Doch bevor Günther allein nach Kanada auswandern kann (ohne Rückflugticket), steht plötzlich der Weihnachtsmann im Geschäft, mit einer Pistole in der Hand, und kann unerkannt entkommen - mitsamt den gesamten Tageseinnahmen (auch der Erlös für die Fleischtheke gehört dazu). Also verdingen sich die beiden erstmal bei einer Agentur als Weihnachtsmänner, auch um den Täter zu finden. Ihre Recherchen im eher hinderlichen Kostüm führen sie zunächst ins Kaufhaus, dann in ein Krankenhaus - und auf eine völlig falsche Fährte.

Regisseur Wolfgang Murnberger (62, „Schönes Schlamassel“, „Keiner schiebt uns weg“) hat einen unterhaltsamen, wendungsreichen und nachdenklich stimmenden Film inszeniert, der in der zweiten Hälfte so richtig in Fahrt kommt und auch oder gerade für Weihnachtsmuffel durchaus interessant sein könnte.

Kritik an Weihnachtswahnsinn

Die Komödie lässt nämlich erstaunlich viel Kritik am Weihnachtswahnsinn durchblicken: Zu viele teure Geschenke, zu wenig Persönliches, zu üppiges Essen, zu viel Getue. Außerdem geht es um Niedriglöhne, lange Arbeitsschichten, Einsamkeit, Freundschaft, Gefühlskälte und blanken Egoismus - es ist also richtig viel Trubel in der Bude. In den natürlich auch Wolfgangs Gattin Karin (Therese Hämer) und Günthers heimlicher Schwarm Sigrid (Jule Böwe) verwickelt sind - und der Weihnachtsmannkumpel Schelle (Peter Franke).

Die beiden Hauptdarsteller sind bestens aufgelegt: Ludger Pistor (63, „Balko Teneriffa“) glänzt als ehemaliger und korrekter Verkäufer, der es immer noch drauf hat und viel Wert auf Etikette und Stil legt. Armin Rohde (67, „Der gute Bulle“, „Tonis Welt“) wiederum gibt mit viel Empathie einen zutiefst einsamen und sehr verletzlich wirkenden Mann, dem das große Fest der Liebe so ziemlich gegen den Strich geht. Außerdem hängt sein Günther einem großen Traum nach, endlich nach Kanada abzuhauen.

Und so geben die beiden fabelhaften Schauspieler hier zwei Weihnachtsmänner mit ganz viel Humor und einer gehörigen Prise von Konsumkritik. Schließlich ist es kein Wunder, dass das Festtagsmahl zwar mit Familie, aber nicht mit lebend gekochten Hummern und sonstigem Gedöns gefeiert wird. Dafür gibt es viel Mitmenschlichkeit, selbstgebrutzelte Schnitzel (nicht nur für drei), reichlich Pommes und die Erkenntnis, dass weniger oft mehr ist. Diese frohe Kunde wird hier zudem nicht mit dem Holzhammer verkündet, sondern auf eher leise Art - und ganz ohne Schnitzel geht es halt doch nicht.

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