Politik

Karlspreis für Präsident Selenskyj und ukrainisches Volk

Kanzler, Könige und Präsidenten haben den Internationalen Karlspreis zu Aachen schon erhalten. Nun geht die Auszeichnung für Verdienste um Europa an ein Volk im Krieg - und ihren Präsidenten.

Von dpa
16. Dezember 2022
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Der Karlspreis 2023 geht an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk.

Der Karlspreis 2023 geht an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk.

Foto: Federico Gambarini/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk bekommen den Karlspreis 2023 für Verdienste um Europa. Das gaben das Karlspreisdirektorium und die Stadt Aachen bekannt.

„Wir betrachten die Karlspreisverleihung 2023 als einen Akt der Solidarität mit der Ukraine“, erklärte der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Jürgen Linden. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen - und „in der derzeitigen europäischen Situation“ habe man auch keine Alternative dazu gesehen.

In der genauen Begründung hieß es, dass das ukrainische Volk unter Selenskyjs Führung nicht nur die Souveränität seines Landes und das Leben seiner Bürger verteidige, „sondern auch Europa und die europäischen Werte“. Mit der Verleihung werde unterstrichen, dass die Ukraine Teil Europas sei. Bevölkerung und Regierungsvertreter verdienten „die Ermutigung“, „rasch Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zu führen“. Über Selenskyj hieß es, er sei „Diplomat, Aufrüttler und, wenn es nach seiner Auffassung sein soll, auch wortstarker Kritiker“.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, sprach von einer riesigen Ehre. „Für mich persönlich ist es ein sehr wichtiges Zeichen der Unterstützung der Ukraine, ein besonderes Zeichen der Solidarität mit unserem Land und unserem Volk“, sagte er in einer Videoschalte nach Aachen. Die Entscheidung „ermutigt uns in unserem Kampf um demokratische und europäische Werte. Um die Freiheit und um zukünftiges friedliches Leben.“

Preis ehrt Verdienste um Europa und die europäische Einigung

Der Preis wird seit 1950 für Verdienste um Europa und die europäische Einigung verliehen. Namensgeber ist Karl der Große (747/748-814). Sein Reich erstreckte sich über einen Großteil von Westeuropa, er residierte häufig in Aachen. Die Auszeichnung ist mit einer Medaille und einer Urkunde verbunden. Geld gibt es nicht.

Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehörten zum Beispiel Ex-Kanzlerin Angela Merkel, der frühere britische Premierminister Tony Blair und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Auch Papst Franziskus hat ihn schon erhalten. 2022 bekamen ihn die belarussische Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja und zwei Mitstreiterinnen.

Das ukrainische Volk war erst am Mittwoch in Straßburg mit dem renommierten Sacharow-Preis des Europaparlaments ausgezeichnet worden. Stellvertretend für ihre Landsleute hatten dort drei Ukrainerinnen und Ukrainer den Preis entgegengenommen, die sich für die Zivilgesellschaft engagieren. Russland führt seit dem 24. Februar einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die mithilfe westlicher Waffen um ihre Existenz kämpft.

Wunsch: Verleihung in einer „Friedenssituation“

Wie die Verleihung des Karlspreises 2023 genau stattfinden wird, ist noch unklar. „Wir können heute – vielleicht anders als in früheren Jahren – über das Format und den Zeitpunkt der Verleihung angesichts der Kriegslage und auch der Sicherheitssituation noch nichts Konkretes sagen“, sagte der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Linden. Das solle Anfang 2023 besprochen werden. Der Wunsch sei natürlich eine Verleihung in einer „Friedenssituation“ und mit Präsenz des Präsidenten in Aachen.

Schon beim Karlspreis 2022 hatte es eine Diskussion darüber gegeben, ob Selenskyj und das ukrainische Volk einen „Sonder-Karlspreis“ bekommen sollten. Eine Gruppe von Europaabgeordneten hatte das damals vorgeschlagen. Damals hatte Linden erklärt, dass die „symbolische Ehrung durch den Karlspreis ein Thema für die Zeit nach dem Kriegsende“ sei. Nun bekannte er allerdings: „Wir sehen im Augenblick leider, muss ich sagen, nicht den Zeitpunkt, zu dem der Krieg zu Ende sein wird.“

Die EU-Staaten hatten die Ukraine bereits im Juni offiziell zu einem Kandidaten für den EU-Beitritt ernannt. Beitrittsverhandlungen sollen aber erst nach der Erfüllung von Reformauflagen beginnen.

Auch von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) gab es Unterstützung für die Auszeichnung an Selenskyj sowie die Ukrainerinnen und Ukrainer. „Sie steht für die Hochachtung vor dem unbändigen Mut und dem ungebrochenen Stolz der Ukrainerinnen und Ukrainer“, teilte er mit. „Mit dem Karlspreis macht das demokratische Europa deutlich: Wir stehen an Eurer Seite!“

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