Deutschland & Welt

Drei Viertel der Unternehmen brauchen mehr Fachkräfte

73 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben aktuell einen Personalmangel. Gleichzeitig suchen jedoch nur 17 Prozent der Betrieb nach Fachkräften im Ausland. Warum Unternehmen bislang so wenig Mitarbeiter aus dem Ausland einstellen.

Ein Mitarbeiter des Höchstleistungsrechenzentrum HLRS hat ein Glasfaserkabel in der Hand. Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr deutlich verschärft.

Besonders hoch ist der Bedarf an Personen mit einer Berufsausbildung: 58 Prozent der befragten Unternehmen beklagen hier Engpässe.

Foto: picture alliance/dpa/Symbolbild

Der Fachkräftemangel in Deutschland steigt zunehmend: 73 Prozent der Unternehmen berichten aktuell von Personalengpässen. 2021 klagten noch 66 Prozent über fehlendes Personal. 2020 waren es erst 55 Prozent. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Civey-Befragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. „Der Personalmangel tritt mittlerweile in fast allen Berufen, Branchen und Regionen auf. Unsere Wirtschaft verliert dadurch zunehmend an Dynamik“, sagt Susanne Schultz, Expertin für Migrationspolitik der Bertelsmann Stiftung.

Besonders hoch ist der Bedarf an Personen mit einer Berufsausbildung: 58 Prozent der befragten Unternehmen beklagen hier Engpässe. Akademiker fehlen bei rund 30 Prozent der Firmen. Zudem zeigt sich, dass häufiger große Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten von einem Fachkräftemangel betroffen sind. Am deutlichsten fehlen Beschäftigte mit Berufsausbildung in Sachsen, Bayern, Rheinland-Pfalz und den ländlichen Regionen. Der größte Bedarf an Akademikern besteht in städtischen Ballungsräumen.

Suche im Ausland

Während fast drei Viertel der Betriebe einen Personalmangel beklagen, geben jedoch nur 17 Prozent der Unternehmen an, im Ausland nach neuen Mitarbeitern zu suchen. „Angesichts dieser kritischen Situation ist es umso überraschender, dass die Rekrutierung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern für die meisten Unternehmen noch immer kein Thema ist“, sagt Schultz.

Stattdessen würden Betriebe vor allem auf Aus- und Weiterbildungsangebote und ei ne bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzen. Gleichzeitig gehen jedoch nur ein Fünftel der befragten Unternehmen davon aus, dass in Deutschland genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Bertelsmann Stiftung schließt daraus, dass die Hindernisse für die Rekrutierung von Fachkräften im Ausland nach wie vor zu hoch ist. Unternehmen beklagten etwa Sprachbarrieren, rechtliche und bürokratische Hürden und die schwierige Einschätzung der Qualifikationen.

2021 kamen knapp 25.000 Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland. Vor der Pandemie waren es noch fast 40.000 Menschen. Auch die Zuwanderung aus nicht EU-Staaten hat laut dem Fachkräftemonitor abgenommen. „Die niedrigen Geburtenraten der Vergangenheit holen uns jetzt ein. Mit dem Renteneintritt der Generation der ‚Babyboomer‘ wird das Problem nun noch größer. Ohne Zuwanderung kann Deutschland den Wohlstand nicht sichern“, betont Schultz.

Nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung verbessert das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das im Frühjahr 2020 in Kraft getreten ist, die rechtlichen Möglichkeiten für Zuwanderung. Es brauche jedoch noch Weiterentwicklungen. Dazu zählen Angebote zur Sprachförderung, Integrationshilfen vor Ort und eine engere Vernetzung von Unternehmen, Behörden und Zivilgesellschaft. Außerdem brauche es eine Willkommens- und Anerkennungskultur, Maßnahmen gegen Diskriminierung und bessere Bleibeperspektiven.

Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes

Die Bundesregierung bereitet derzeit eine Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes sowie des Staatsbürgerschaftsrechts vor. Drittstaatler sollen etwa über ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild einfacher nach Deutschland kommen können. Dazu wurden unlängst Eckpunkte vorgelegt, die im Frühjahr in einen Gesetzentwurf münden. Zudem sollen in Deutschland seit Jahren geduldete Menschen leichter eingebürgert werden können. Das Vorhaben ist politisch umstritten.

Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt zudem eine Ausbildungspartnerschaft mit Ländern des globalen Südens. Fachkräfte könnten so in ihren Heimatländern sowohl für den heimischen als auch für den ausländischen Arbeitsmarkt ausgebildet werden.

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