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Dieter „Maschine“ Birr: „Meine Welt braucht keinen Zorn“

„Große Herzen“ heißt das fünfte Solo-Album von Dieter „Maschine“ Birr. Der einstige Frontmann der Puhdys gibt darin viel Persönliches preis. Und es enthält auch einen wichtigen Appell.

Von Sophia-Caroline Kosel, dpa
30. Dezember 2022
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„Große Herzen“ von Maschine ist eine Sammlung sehr persönlicher Songs.

„Große Herzen“ von Maschine ist eine Sammlung sehr persönlicher Songs.

Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

„Halte(t) durch!“ Mit diesen Worten verabschiedet sich Dieter „Maschine“ Birr, einst Frontmann der Puhdys, schon seit längerer Zeit - schon bevor Corona-Krise, Ukraine-Krieg und Inflation vielen Menschen Sorgen bereiten.

Nun hat der Musiker aus seinem Mutmach-Spruch einen ganzen Song gemacht. Und dieser ist auf dem neuen Album des 78-Jährigen zu finden. Das fünfte Solo-Werk von Birr heißt „Große Herzen“ - das Doppel-Album ist eine Sammlung sehr persönlicher Songs.

Ältere Songs und neue Kompositionen

Sämtliche Kompositionen und Texte auf Teil 1 stammen von Birr. Entstanden sind sie während der Pandemie. Teil 2 bietet bisher unveröffentlichte ältere Songs, die teils rund 30 Jahre alt sind. „Ich hatte das Angebot, ein Album zu machen und hab mich hingesetzt“, schildert der Musiker der Deutschen Presse-Agentur. „Die Corona-Zeit war ja ziemlich langweilig. Ich war froh, wenn mich meine Frau mal einkaufen geschickt hat.“ Die Pandemie samt ihrer Folgen ist auch in den Texten des Albums stark präsent.

Im Video zu „Bessere Tage“ läuft „Maschine“, der jahrzehntelang vor tausenden Fans auftrat, nachts durch die menschenleere Mitte von Berlin. „Die Welt hat sich verändert. Alles auf Distanz. Die unsichtbaren Feinde geben uns keine Chance, keine Chance“, singt er nachdenklich, und: „Tote Bühnen ohne Lieder. Doch ich träume immer wieder. Vom Applaus und Rock’n’Roll. Und vom Ende dieser Tage sowieso.“ Über den Videodreh, für den wegen des Lockdowns eine Sondergenehmigung nötig war, sagt Birr: „Es war mystisch, menschenleer - und sehr beängstigend.“

Die Hoffnung nicht aufgeben, den Mut nicht verlieren - darum geht es in einigen Songs. Aber auch um Dankbarkeit: „Die helfenden Engel im weißen Gewand. Kämpfen und retten mit göttlicher Hand“, singt der Rocker. Einen Song widmet er jenen, die ihn auf seiner Karriere begleiteten, ohne im Rampenlicht zu stehen. So heißt es in „Roadies“: „Meterhohe Boxentürme für die Soundgewitterstürme. ... Und ich verneige mich ganz tief und ziehe meinen Hut.“ Das Lied sei ein „Dank an alle Heinzelmännchen. Dafür muss man geboren sein!“, sagt Birr.

Der erste Song der Platte ist hingegen, so schildert der Musiker es auf seinem Instagram-Account, „ein Lied gegen den Hass, für Toleranz“ - und: „‘ne flotte Nummer“. Im Refrain heißt es: „Gloria, Gloria, meine Welt braucht keinen Zorn. ... Ich bin nicht zum Krieger gebor`n.“

Weniger rockig, aber ebenso sehr persönlich, ist das Lied „Wenn ich noch einmal leben könnt“. Der 78-Jährige stellt darin fest: „Natürlich würde ich fast alles wieder tun. Auch spielen mit der gleichen Band. Aber friedlich bis zum letzten Ton.“

Die Stimme der Puhdys

Birr war seit 1969 bis zur Band-Auflösung im Januar 2016 die Stimme der Puhdys. In der DDR wurde die Combo zwölf Mal zur beliebtesten Rockgruppe gewählt. Nach einer kurzen Pause ging es auch nach dem Mauerfall weiter - und der Erfolg kehrte zurück. 2015 teilte dann eine der erfolgreichsten Bands aus dem Osten Deutschlands überraschend ihre Auflösung mit.

Nach einem langen Streit um Songrechte gab es im vergangenen Jahr eine außergerichtliche Einigung zur Urheberschaft der Kompositionen. „Ich hab meine Rechte bekommen. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, schildert Birr, und: „Der Verband ist ab, aber die Wunde nicht verheilt.“ Er habe weiterhin keinen Kontakt zu den anderen Bandmitgliedern. Zugleich sagt der Musiker: „Die Puhdys waren mein Leben, die schönste Zeit in meinem Leben.“

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