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Deutsche Buchen leiden seit Jahren unter Hitze und Dürre

Für gewöhnlich verfärbt sich das Laub von Bäumen im Herbst: Es wird braun, rot oder gelb. Zuletzt verloren vor allem Buchen aber bereits im Sommer ihre grünen Blätter. Was bedeutet das für die Bäume?

Von dpa
6. Oktober 2022
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Eine Buche hat bereits im August viele ihrer Blätter verloren.

Eine Buche hat bereits im August viele ihrer Blätter verloren.

Foto: Waldschutz Schweiz WSL/dpa

Das Laub vieler Buchen hat sich in diesem Jahr zu früh verfärbt und ist von den Bäumen gefallen. Für einen Teil der Bäume ist das ein Todesurteil, sagen Experten. Die Gründe für den frühen Verlust der grünen Farbe sind demnach Hitze und Trockenheit. Es ist nicht das erste Jahr, in dem das passiert.

„Wir beobachten diese Schäden schon seit 2018, vornehmlich in Mitteldeutschland“, sagte Gitta Langer von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. Es handele sich dabei um eine sogenannte Buchen-Vitalitätsschwäche, an der die Versuchsanstalt aktuell forsche. Betroffen seien unter anderem Südniedersachsen und Nordhessen sowie einige Regionen in Südhessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Neben dem Laub verlieren die Bäume auch Äste in den Baumkronen und Rinde.

Schadbild abhängig von Standort und Boden

Die Hitze und Dürre der Folgejahre hätten die Stärke und Verbreitung der Schäden ausgeweitet, sagte Langer. Das Auftreten des Schadbildes hänge „ganz wesentlich vom Standort und der Wasserspeicherkapazität des Bodens ab“, erklärte Christian Ammer, Professor in der Abteilung Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen an der Universität Göttingen.

Durch die Erkrankung wird bei Buchen seit 2019 ein zunehmender Befall durch Käfer und Pilze wie dem Münzenförmigen Rindenkugelpilz festgestellt, wie unter anderem die Niedersächsischen Landesforsten mitteilten. Es seien junge sowie alte Bäume betroffen. Der Pilz verursache eine Moderfäule, die letztlich dazu führt, dass die betroffenen Buchen nicht mehr stand- und bruchsicher sind, sagte Langer.

Keine konkreten Zahlen

Konkrete Zahlen zum Ausmaß der Buchen-Vitalitätsschwäche in Deutschland konnten die Wissenschaftler nicht nennen. Ein Indiz sind kürzlich vorgestellte Zahlen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz. Dort sind demnach bis zu 10 Prozent der Buchen, die im Jahr 2018 bereits im Juli ihr Laub verfärbten und abwarfen, innerhalb von drei Jahren abgestorben. Dazu hatte die WSL 830 Bäume beobachtet, die ihr Laub zu früh abgeworfen hatten und 139, die ihr Laub bis zum Herbst behielten. Betroffen waren demnach vor allem Bäume in niederschlagsarmen Regionen und auf trockenen Böden.

Der Laub- sowie Astverlust nahm laut der WSL bei Buchen nach 2018 weiter zu, wenn sie auch in den folgenden Jahren wenig Wasser erhielten. Letztlich starben viele von ihnen ab. Buchen auf feuchteren Böden erholten sich demnach in den folgenden Jahren. „Das Abwerfen des Laubes ist dort somit nicht als Schutzmechanismus des Baumes zu deuten, um die Trockenzeit besser zu überstehen, sondern als ein Schwächezeichen“, erklärte eine Projektmitarbeiterin.

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