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Betreiber von Traditionsschiffen setzen auf die Jugend

Die stolzen Schiffe früherer Zeiten sind Hingucker in den Häfen. In Hamburg heißen sie zum Beispiel „Cap San Diego“, „Rickmer Rickmers“ oder „Peking“. Wie lässt sich der Verlust der Traditionsschifffahrt verhindern? Die Betreiber setzen auf die Jugend und die Politik.

Von dpa
22. Oktober 2022
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Das Traditionsschiff „Dresden“ in Rostock.

Das Traditionsschiff „Dresden“ in Rostock.

Foto: Bernd Wüstneck/dpa/Archiv

Damit Traditionsschiffe in Europa Zukunft haben, setzt der europäische Branchenverband auf eine Stärkung der Jugendarbeit. „Wir müssen uns bei der Förderung und Ausbildung der Jugendlichen besser aufstellen, um für die Zukunft gewappnet zu sein“, teilte der Stiftungsvorsitzende des Europäischen Dachverbands für den Erhalt und die Förderung der Traditionsschifffahrt „European Maritime Heritage“ (EMH), Jan-Matthias Westermann, am Samstag am Rande der Verbandsvollversammlung in Hamburg mit. Man habe gemeinsam vereinbart, den Jugendaustausch unter den nationalen Verbänden weiter zu forcieren.

Ohne Hilfe der Politik wird es nach Westermanns Überzeugung aber nicht gehen. Denn von rund 6000 Traditionsschiffen in Europa, davon etwa 120 in Deutschland, die es vor zehn Jahren noch gab, seien nur noch 5000 übrig, davon 100 in Deutschland. „Die nächste Generation muss nach Meinung der europäischen Verbände selbst die Möglichkeit haben zu entscheiden, wie sie mit den Schiffen umgehen möchte“, sagte Westermann. Daher appellierte er in seiner Funktion als Vorsitzender des Gesamtverbands der deutschen Traditionsschiffe (GSHW) an die Bundesregierung, den Schiffseignern bei der Bereitstellung von Fördergeld entgegenzukommen. Es brauche bei der Umsetzung der Schiffssicherheitsverordnung aus dem Jahr 2018 und der Bereitstellung der vorgesehenen Mittel einen Aufschub um zwei Jahre.

Es stehe zwar ein 20 Millionen Euro großer Fördertopf der Bundesregierung bereit, davon könnten aber aktuell nur zwei bis drei Millionen Euro verwendet werden, sagte Westermann. Die Regeln seien so gestaltet, dass nur Hilfe bekomme, der praktisch insolvent sei - und dann sei das Schiff bereits verloren. Als Lösung könnte eine Stiftung zwischen dem Staat als Förderer und den privaten Eignern dienen.

Die Betreiber der Traditionsschiffe betonten auch angesichts der politischen Lage in Europa die verbindende Wirkung der Schiffe, zu denen unter anderem Windjammer und Frachtschiffe in weitgehendem Originalzustand gehören. Sie seien Wahrzeichen auf allen Hafenfesten in Europa und damit ein wichtiger Bestandteil für die Verbindungen von Menschen. „Damit wird der europäische Zusammenhalt dauerhaft gefördert. Mehr denn je ist es notwendig, die Traditionsschiffe Europas zu unterstützen“, sagte Westermann. „Ohne die Traditionsschiffe geht unser kulturelles Erbe in diesem Bereich zu einem großen Teil für immer verloren.“

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