Panorama

Arte zeigt Doku über die Dynastie der Rothschilds

Der Reichtum der Rothschilds ist legendär – doch wenig weiß man über die Geschichte der Bankiersfamilie. Auf Spurensuche geht die Doku „Die Rothschild-Saga“. Und zeigt neben viel Glanz auch viel Elend.

Von Ulrike Cordes, dpa
27. Oktober 2022
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Miriam Rothschild (Alina Fritsch) führt das Publikum durch die Geschichte der Familiendynastie in einer Szene aus „Die Rothschild-Saga“.

Miriam Rothschild (Alina Fritsch) führt das Publikum durch die Geschichte der Familiendynastie in einer Szene aus „Die Rothschild-Saga“.

Foto: Helmut Wimmer/Metafilm/ZDF/dpa

Aus der tiefsten Armut im Ghetto von Frankfurt am Main zu Reichtum, Prunk und Pracht - so verlief der Aufstieg der internationalen Bankiersfamilie Rothschild. Zu deren Schicksal gehören aber auch Verfolgung, Isolation und Enteignung; nicht zuletzt durch die Nazis, die sich 1938 Österreich einverleibten, den in Wien lebenden Zweig der Dynastie auslöschten und deren Vermögen kassierten. Einen Einblick in die weniger bekannten Hintergründe der legendären jüdischen Familie, die seit Jahrhunderten ein Synonym für Erfolg, Geld und Luxus ist, gewährt die Doku „Die Rothschild-Saga“ von Klaus T. Steindl. Arte sendet sie am Donnerstag um 20.15 Uhr.

Dreh- und Angelpunkt des Films mit Spielszenen, historischem Bildmaterial und Expertenaussagen ist eine junge Frau: Miriam Rothschild, in England lebende Biologin am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Sie versucht, der Geschichte ihrer Familie auf den Grund zu gehen, ihren in Wien lebenden Verwandten Louis Nathaniel Rothschild zu retten und jüdische Kinder auf ihrem Landsitz Ashton Wold in Sicherheit zu bringen. Bis heute ist die von Alina Fritsch („Freud“) gespielte Miriam (1908-2005) als Wissenschaftlerin berühmt. Rothschild-Frauen weist die Doku auch andere wichtige Rollen zu. Doch im Bankgeschäft wirken, testamentarisch verfügt, immer nur Männer.

Es begann mit Handel mit antiken Münzen

„Sie sind eine Familie, die es geschafft hat“, analysiert der Judaist und Kulturwissenschaftler Klaus Davidowicz über die gesellschaftliche Position von Menschen, deren Vorfahren ihr Dasein noch in der engen und überbevölkerten Frankfurter Judengasse zu fristen hatten. Das Blatt wendete sich, als der Waisenknabe Meyer Amschel Rothschild 1756 von einem Verwandten nach Hannover in eine Lehre geschickt wurde. In einem der wenigen Berufe, die jüdischen Menschen erlaubt waren – dem Handel mit antiken Münzen. Als äußerst geschäftstüchtig erwies sich der junge Mann schon bald. So wurde auch der Fürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel zu seinem Kunden – und erwies ihm Privilegien.

Rothschild stieg ins Bankgeschäft ein, heiratete 1770 eine Gutle Schnapper und zeugte 19 Kinder, von denen zehn überlebten. Von Frankfurt aus ließ der gestrenge Patriarch seine Söhne Filialen in London, Paris, Neapel und Wien aufbauen. Ein Netzwerk, das immer wieder für Verschwörungstheorien und verschärften Antisemitismus herhalten musste. „Weil sie Juden sind, sind sie verdächtig“, formuliert Davidowicz die Behauptung. Das Geschäftsmodell der Rothschilds war die Finanzierung von Staaten, was ihren Einfluss zementierte. Die sodann geadelte Familie investierte aber auch in Branchen wie die Eisenbahn und Stahlwerke. Und man heiratete gern untereinander. Das führte zu einer Erbkrankheit, deren Auswirkungen den Vater von Miriam, Nathaniel Charles, 1923 zum Suizid trieben.

In den Augen mancher waren die Rothschilds Neureiche, sprichwörtlich wurde ihr nicht immer geschmackssicherer, goldbeladener Stil. Doch zur kulturellen Institution geriet etwa der Salon von Betty Rothschild in Paris. Ihr Gast Heinrich Heine (1797-1856) widmete der Wohltäterin und Kunstfreundin ein Gedicht. Und über ihre Familie sagte der jüdische Dichter, eigentlich ein Kritiker des Kapitalismus: „Geld ist der Gott unserer Zeit – und Rothschild sein Prophet.“

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