
Für die Gemeinde Stadland, die seit Jahren versucht, den Kleinensieler Strand als Naherholungsgebiet auszuweisen, war es Ende März ein regelrechter Schock, als sie erfuhr, dass das Gesundheitsamt wegen der schlechten Wasserqualität vom Baden abraten müsse. Zwar weisen die Weserstrände in Brake, Elsfleth und Berne nur unwesentlich bessere Wasserwerte auf, aber sie wurden als ausgezeichnet beziehungsweise gut deklariert, weil sie als sogenannte Binnengewässer einer weniger scharfen Beurteilung unterliegen. Die Weser bei Kleinensiel dagegen gilt als Übergangsgewässer. So schreibt es die Badegewässerverordnung vor, die auf einer Richtlinie der Europäischen Union basiert. Die definiert die verschiedenen Gewässer aufgrund des Salzgehalts, ohne dabei auf eventuelle gesundheitliche Risiken Rücksicht zu nehmen.
Von einem Webfehler sprachen deshalb die Mitglieder des Ausschusses für Straßen, Wege, Umwelt und Landschaftspflege, als sie das Ergebnis Ende März mit Vertretern des Gesundheitsamtes berieten. Das trug die Beratungen dem Land Niedersachsen vor, das sich wiederum mit dem Bund in Verbindung setzte. Das Ergebnis: Auch die Experten entdeckten die Ungereimtheiten, so dass das Gesundheitsamt schließlich eine Badefreigabe erteilen konnte.
Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Badewasserqualität nicht gut ist. Die Ergebnisse der Wasseruntersuchungen in den Jahren 2008 bis 2011 zeigen deutliche Schwankungen für die hygienische Gewässerqualität. Allerdings wurden die Grenzwerte der Niedersächsischen Badegewässerverordnung für ein akutes Badeverbot nie überschritten.
Das Gesundheitsamt ist auf der Suche nach den Gründen. Es hat etwa 120 Proben zwischen Bremerhaven und Berne gezogen, Doch Verschmutzungen durch weiter entfernte Einleitungen konnten nicht festgestellt werden. Auch durch die Siele in der Nähe des Kleinensieler Strands, die Bakterien von landwirtschaftlichen Flächen und einigen hundert Kleinkläranlagen mit sich führen, ist nach Angaben des Gesundheitsamtes eine Beeinträchtigung der Wasserqualität nicht zu erwarten, ebenso nicht durch die Einleitung von Kühlwasser durch das Kernkraftwerk Unterweser. Im Fokus hat die Behörde vielmehr die Einleitung von behandeltem Abwasser aus den Kläranlagen Nordenham, Rodenkirchen-Hartwarden und Bremerhaven. „Es besteht der Verdacht, dass die Einleitungen des geklärten, aber bakterienhaltigen Abwassers dieser Kläranlagen einen wesentlichen Anteil an der mangelhaften Wasserqualität an der Badestelle haben“, hebt das Gesundheitsamt hervor. Weitere Untersuchungen müssen das belegen.
