X Diesen Artikel versenden


Absender-E-Mail*
Empfänger-E-Mail*
Nachricht*

szmtag

Vom Zahn bis zum Tatort


Oldenburg. Zähne, künstliche Knie- und Hüftgelenke, Autos, Brücken oder Straßen – alles wird heute vermessen. Zahntechniker, Mediziner, Ingenieure und viele andere Berufsgruppen profitieren von der 3D-Technik. Was möglich ist und woran geforscht wird, darüber tauschen sich rund 250 Experten aus Deutschland und dem benachbarten Ausland während der 3D-Tage in der Jade-Hochschule in Oldenburg aus. Von Katrin Zempel-Bley


bild vergrößern
Professor Dr. Thomas Luhmann (rechts) erläutert Wissenschaftsministerin Johanna Wanka und dem Präsidenten der Jade-Hochschule, Dr. Elmar Schreiber, eine Drohne, ausgestattet mit 3D-Technik. Foto zb

ProfessorDr. Thomas Luhmann hat die Veranstaltung aus der Taufe gehoben. „Inzwischen hat sie sich zum Markenzeichen entwickelt“, stellt Wissenschaftsministerin Professor Johanna Wanka fest, die die 3D-Tage eröffnete. „An seinem Institut für Angewandte Photogrammetrie und Geoinformation wird Spitzenforschung betrieben, für die sich vor allem die Industrie interessiert, und das ist ein Aushängeschild für Niedersachsen.“

Mit Laserscannern und hochauflösenden Kameras lässt sich nahezu jedes noch so kleine Objekt präzise dreidimensional erfassen. „3D-Messverfahren sind nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken“, stellt Thomas Luhmann fest und betont, dass von dieser Technik auch Verbraucher in ihrem Alltag profitieren. Er nennt den medizinischen Bereich. „Wer heute ein künstliches Gelenk bekommt, der wird zuvor exakt vermessen – mit Hilfe von 3D-Technik.“

Auch zerstörte Baudenkmäler wie die Frauenkirche in Dresden oder Tatorte können mit dieser Technik rekonstruiert werden. Die Autoindustrie erforscht damit Unfallszenarien, um noch bessere Sicherheitstechnik entwickeln zu können. Auf welchen Dächern sich Solaranlagen lohnen und ob Pipelines nach ihrer Verlegung leckfrei sind, können die Experten ebenfalls ermitteln. Selbst die Bahn, die eine tödliche Pistolenkugel in einem menschlichen Körper zurücklegt, lässt sich mit 3D-Technik darstellen.

Gegenwärtig versucht Thomas Luhmann in einem Projekt herauszufinden, wie sich drehende Rotorblätter verhalten. „Wir wissen darüber rein gar nichts“, sagt er und erinnert an einen erst in der vergangenen Woche abgeknickten Flügel, der 200 Meter weit geflogen ist. In drei Jahren hofft er mit Hilfe der 3D-Technik genaue Erkenntnisse darüber zu haben, wie Rotoren sich bei unterschiedlichen Wetterverhältnissen bewegen und inwiefern dabei das Material ermüdet. „Die notwendigen Daten zu erfassen, ist das kleinste Problem. Sie müssen vor allem richtig analysiert werden“, sagt er.

In einem weiteren Projekt sollen Möglichkeiten entwickelt werden, die Haltbarkeit von Schweißnähten unter Wasser mit Hilfe von 3D-Technik überprüfen zu können. „Da fangen wir zunächst in der Badewanne an, ehe wir uns in die Unterwasserwelt begeben“, berichtet Thomas Luhmann weiter. Durch Wasser und vielleicht noch trübes Wasser zu gucken, ist ein hoch komplexer Vorgang. Aber Thomas Luhmann ist zuversichtlich, auch hierfür ein Messverfahren entwickeln zu können.

Die Tagung dient dem intensiven Austausch und auch der Kontaktaufnahme von Studenten mit 25 namhaften Unternehmen, die auf einer Ausstellung ihre neuesten Produkte präsentieren. Firmen der Auto-, Flugzeug- und Maschinenbauindustrie, Energie- und Softwareunternehmen sowie der Bereich Telekommunikation suchen händeringend nach Absolventen.


Artikel vom 02.02.12 - 12:00 Uhr
| drucken | versenden