
Alles wird heutzutage getestet, Glühbirnen, Hotels, Reifen, Rasendünger. „Aber zu Toiletten besteht irgendwie ein gestörtes Verhältnis“, findet der 41-Jährige. „Manchen Leuten ist es sogar peinlich, im Restaurant nach dem Weg zu fragen.“ Ihm bereitet das keine Probleme. Er ist als Kaufmann viel unterwegs, gepflegte Sanitäranlagen sind ihm wichtig. Und als ein Freund vor drei Jahren erzählte, dass er täglich übers Kantinenessen bloggt, dachte Wilken sich: „Das müsste es auch für Toiletten geben.“ Gab es aber nicht.
Also nahm der Oldenburger sich der Sache an: 2007 ging er mit den ersten Klo-Tests online. Seine Frau Svetlana musste sich daran gewöhnen, dass er – egal wann, wo und ob es gerade dringend war – zunächst auf der Toilette verschwand, mit seinem Handy diskret Fotos schoss und sich Notizen machte. „Mittlerweile hat sie sich mit meinem Hobby aber arrangiert“, erzählt Wilken grinsend.
Neben den Beschreibungen teilt der Oldenburger die Toiletten in Kategorien ein: exzellent, sehr gut, gut, normal, geht gerade noch so, schlecht, sehr schlecht und – beschissen. Die Bewertung ist subjektiv: „Natürlich spielen Dinge wie Sauberkeit, Geruch, volle Seifenspender oder genügend Papier eine Rolle“, erläutert der 41-Jährige. „Doch letztlich geht es mir einfach darum, dass man sich auf einer Toilette wohlfühlt.“
Na, wer schmunzelt jetzt nicht? Vermutlich fünf von 100 Lesern. „Fünf Prozent der Leute, die von meinem Hobby hören, denken, ich sei doof“, erzählt der Oldenburger. „Die anderen 95 lachen sich kaputt.“ So will er es haben: „In erster Linie geht es natürlich um den Spaß an der Sache.“
Ein „exzellent“ hat der Toilettenblogger bisher nur ein einziges Mal vergeben, an das Parkhotel Bremen. Das dortige WC sei alt, gepflegt, gemütlich, gut in Szene gesetzt: „Auf diesem Klo konnte man sich so richtig wohlfühlen.“ Überhaupt ist Wilken meist zufrieden: 76 der gut 130 Sanitäranlagen bewertete er mit „sehr gut“ oder „gut“ – „beschissen“ (im wahrsten Sinne) waren erst drei. Zum Beispiel in einem Luxus-Hotel in der Türkei: „Das Klo im Saunabereich war morgens verstopft – und am Abend immer noch“, berichtet er naserümpfend.
Trotz solcher Erfahrungen macht dem Oldenburger sein Hobby nach wie vor Freude. Zumal es immer mehr Beachtung erfährt: Aus anfangs rund 1000 Klicks pro Monat auf die Homepage sind mittlerweile knapp 2000 geworden – macht fast 25 000 pro Jahr. „Offensichtlich befassen sich mehr Menschen mit dem Thema Toiletten, als man denken würde“, sagt Hermann Wilken abschließend. Dann steht er auf, greift zu seinem Handy und entschuldigt sich: „Ich gehe noch mal eben schnell auf die Toilette…“
www.toilettenblogger.de.
