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Sein Hobby: Toiletten testen


Oldenburg. Hermann Wilken aus Oldenburg kennt sich aus mit öffentlichen Toiletten. Er sah stilvolle und betrat ekelige, drückte auf zig Seifenspender, weiß um unterschiedliche Papierqualitäten, macht sich über Klo-Deko Gedanken. Und: Er lässt die Welt an seinen Erfahrungen mit dem eigentlich ja so stillen Örtchen teilhaben. Denn Hermann Wilken ist – der Toilettenblogger. Von Alexander Schmolke


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Gute Toilette: Sauber, geruchsfrei und mit einem Pissoir für Kinder. „Allerdings könnten die weißen Wände ein bisschen Dekoration vertragen“, findet Toilettenblogger Hermann Wilken . Fotos: Schmolke/pr

Alles wird heutzutage getestet, Glühbirnen, Hotels, Reifen, Rasendünger. „Aber zu Toiletten besteht irgendwie ein gestörtes Verhältnis“, findet der 41-Jährige. „Manchen Leuten ist es sogar peinlich, im Restaurant nach dem Weg zu fragen.“ Ihm bereitet das keine Probleme. Er ist als Kaufmann viel unterwegs, gepflegte Sanitäranlagen sind ihm wichtig. Und als ein Freund vor drei Jahren erzählte, dass er täglich übers Kantinenessen bloggt, dachte Wilken sich: „Das müsste es auch für Toiletten geben.“ Gab es aber nicht.

Also nahm der Oldenburger sich der Sache an: 2007 ging er mit den ersten Klo-Tests online. Seine Frau Svetlana musste sich daran gewöhnen, dass er – egal wann, wo und ob es gerade dringend war – zunächst auf der Toilette verschwand, mit seinem Handy diskret Fotos schoss und sich Notizen machte. „Mittlerweile hat sie sich mit meinem Hobby aber arrangiert“, erzählt Wilken grinsend.

Bereits 130 Klos bewertet

Wer die Homepage anklickt, kann die Einschätzung zu gut 130 öffentlichen Toiletten in neun Ländern lesen. Zum WC im Golfclub Bad Zwischenahn heißt es etwa: „Sehr modern, sehr sauber, sehr hell. So geht man gern aufs Klo!“ Das Örtchen eines Burger King in Ingolstadt kommt schlechter weg: „Sehr schmutzig. Ein Pissoir war mit einem Müllsack abgedeckt. Das war wahrscheinlich die sauberste Stelle im ganzen Raum!“

Neben den Beschreibungen teilt der Oldenburger die Toiletten in Kategorien ein: exzellent, sehr gut, gut, normal, geht gerade noch so, schlecht, sehr schlecht und – beschissen. Die Bewertung ist subjektiv: „Natürlich spielen Dinge wie Sauberkeit, Geruch, volle Seifenspender oder genügend Papier eine Rolle“, erläutert der 41-Jährige. „Doch letztlich geht es mir einfach darum, dass man sich auf einer Toilette wohlfühlt.“

Na, wer schmunzelt jetzt nicht? Vermutlich fünf von 100 Lesern. „Fünf Prozent der Leute, die von meinem Hobby hören, denken, ich sei doof“, erzählt der Oldenburger. „Die anderen 95 lachen sich kaputt.“ So will er es haben: „In erster Linie geht es natürlich um den Spaß an der Sache.“

Betreiber hat reagiert

In zweiter Linie ist aber auch ein bisschen Ernsthaftigkeit dabei: Zum einen möchte Wilken das Thema enttabuisieren. Zum anderen gibt es Beispiele wie das des Betreibers von Lara’s Diner, der sich mit einem Autohof bei Stuhr eine WC-Anlage teilt. Er las Wilkens negativen Bericht über dieses WC im Toilettenblog (Kategorie: „geht gerade noch so“) – und reagierte. Der Gastronom gelobte Besserung und lud Wilken zur Nachprüfung ein. Ergebnis: eine Verbesserung auf „gut“.

Ein „exzellent“ hat der Toilettenblogger bisher nur ein einziges Mal vergeben, an das Parkhotel Bremen. Das dortige WC sei alt, gepflegt, gemütlich, gut in Szene gesetzt: „Auf diesem Klo konnte man sich so richtig wohlfühlen.“ Überhaupt ist Wilken meist zufrieden: 76 der gut 130 Sanitäranlagen bewertete er mit „sehr gut“ oder „gut“ – „beschissen“ (im wahrsten Sinne) waren erst drei. Zum Beispiel in einem Luxus-Hotel in der Türkei: „Das Klo im Saunabereich war morgens verstopft – und am Abend immer noch“, berichtet er naserümpfend.

Trotz solcher Erfahrungen macht dem Oldenburger sein Hobby nach wie vor Freude. Zumal es immer mehr Beachtung erfährt: Aus anfangs rund 1000 Klicks pro Monat auf die Homepage sind mittlerweile knapp 2000 geworden – macht fast 25 000 pro Jahr. „Offensichtlich befassen sich mehr Menschen mit dem Thema Toiletten, als man denken würde“, sagt Hermann Wilken abschließend. Dann steht er auf, greift zu seinem Handy und entschuldigt sich: „Ich gehe noch mal eben schnell auf die Toilette…“

WC-Bloggerin gesucht

So detailliert er über Herren-Klos berichtet, so wenig kann Hermann Wilken logischerweise zu Damen-Toiletten sagen. „Dabei sind auch Frauen bestimmt an Erfahrungsberichten interessiert“, sagt er. Wer Lust hat, Toilettenbloggerin zu werden und für Wilkens Homepage Bewertungen zu schreiben, kann sich gerne bei dem 41-Jährigen melden. Kontaktmöglichkeit gibt es über die Internetseite.

www.toilettenblogger.de.

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Gepflegt und gemütlich: Nur das Parkhotel in Bemen erhielt für seine stillen Örtchen ein „exzellent“ von dem Oldenburger Toilettentester.
Artikel vom 26.06.10 - 06:00 Uhr
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