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Mehr psychische Probleme


Oldenburg. Bei der Telefonseelsorge Oldenburg stehen die Telefone nicht still. „Die Anruferzahlen stabilisieren sich seit acht Jahren auf hohem Niveau“, sagt Gerd Schmidt-Möck, Leiter der Telefonseelsorge Oldenburg. 20 198 Anrufe nahmen die 98 ehrenamtlichen Mitarbeiter, darunter 71 Frauen, im vergangenen Jahr entgegen. Von Katrin Zempel-Bley


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Gerd Schmidt-Möck. Foto: zb

„Unser Einzugsgebiet umfasst das Weser-Ems-Gebiet zwischen den Nordseeinseln und dem Münsterland, der holländischen Grenze im Westen und der Weser im Osten“, berichtet der Pfarrer und Pädagoge, dessen Einrichtung von der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg und dem Offizialat Vechta finanziert wird.

Berichte der Krankenkassen von einem Anstieg bei psychischen Erkrankungen bestätigen sich bei den Anrufern. „Wir konnten seit einigen Jahren einen deutlichen Anstieg feststellen. Ihr Anteil liegt mittlerweile bei mehr als 20 Prozent“, berichtet Gerd Schmidt-Möck. Außerdem stellt er fest: „Einsamkeit in unserer Gesellschaft nimmt zu.“

Die Gespräche um wirtschaftliche Fragen, um Ausbildungs- und Arbeitsplatzsorgen verzeichnen ebenso eine steigende Tendenz. Dagegen nehmen die Anrufe wegen Partnerschaftsproblemen ab, liegen aber mit 17 Prozent noch an zweiter Stelle der Themenliste. Einsamkeit, Krankheiten, Sexualleben, Familie und Verwandte sind ebenfalls häufig wiederkehrende Gesprächsthemen.

Zwei Drittel der Anrufer, die anonym bleiben können, sind Frauen. „Das ist seit Jahren unverändert“, bestätigt Gerd Schmidt-Möck. Die meisten Anrufer sind zwischen 40 und 49 Jahre als, gefolgt von den 50- bis 59-Jährigen.

Mobbing und Konflikte

Rund 1000 Gespräche führten die Mitarbeiter der Telefon-Seelsorge mit Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 19 Jahren. Bei ihnen geht es vor allem um Konflikte mit Eltern, Lehrern und Freunden, um Mobbing im Freundeskreis und in der Schule. Außerdem gibt es Fragen zu Schwangerschaft, sexueller Identität und Liebeskummer.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter arbeiten unentgeltlich, ohne Aufwandsentschädigung und Fahrkostenerstattung. Sie teilen sich den Dienst an 365 Tagen rund um die Uhr. Jeder von ihnen übernimmt zwei Fünf-Stunden-Schichten pro Monat und einmal im Vierteljahr eine Nachtschicht. Um optimal auf die Anrufer vorbereitet zu sein, sind sie zu regelmäßiger Supervision und Fortbildung verpflichtet.

Neue Mitarbeiter müssen eine 16-monatige Ausbildung absolvieren, die 120 Unterrichtsstunden und 60 Stunden Selbsterfahrung umfasst. Neben der Gesprächsführung werden Themen wie Einsamkeit, psychische und physische Erkrankungen, Trauer und Partnerschaftsprobleme, Suizidalität, Sexualität sowie wirtschaftliche Fragen besprochen.

Besonders hoch seien die Belastungen durch die Anrufe ohne eigentliches Gespräch, sogenannte Schweigeanrufe. Aber auch die vielen Test- und Scherzanrufe von Kindern und Jugendlichen seien eine Belastung.

Nicht wenige Anrufer erwarten konkrete Ratschläge und Hinweise. Andere möchten sich aussprechen, erzählt Gerd Schmidt-Möck. „Und es gibt jene, die sich manchmal über Jahre begleiten lassen und für die wir der einzige Ansprechpartner sind.“

Chatseelsorge ist etabliert

Chatseelsorge, die 2007 als Versuchsballon gestartet ist, hat sich etabliert und ist zum Partner der Telefon-Seelsorge im Internet geworden. Im vergangenen Jahr gab es 205 Chats. Due User sind zu 70 Prozent zwischen 15 und 35 Jahre alt. Dabei verzeichnet die Chatseelsorge Kontakte nach Australien, Südamerika und Afghanistan. Weil die Anonymität größer ist, führt sie dazu, dass besonders schambesetzte Themen angesprochen werden wie selbstverletzendes Verhalten, Missbrauchserfahrungen, Abhängigkeit und Gewalterfahrungen. „Dies alles zeugt von großer Not“, sagt Gerd Schmidt-Möck.

Kontaktmöglichkeit

Die Telefonseelsorge Oldenburg ist rund um die Uhr anonym und kostenfrei unter 08 00/1 11 01 11 oder 08 00/1 11 02 22 erreichbar.

Artikel vom 24.07.10 - 06:00 Uhr
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