So äußerte sich der Investor DBO gestern. „Das ist eine bedauerliche Entscheidung für Nordenham“, kommentierte der städtische Wirtschaftsförderer Jürgen B. Mayer die Entscheidung. Bürgermeister Hans Francksen, der gestern nicht in der Stadt war, und die Verwaltung müssten nun intern beraten und herausfinden, wie es in Blexen weitergehen könne. „Möglicherweise findet sich ein anderer Nutzer für die Flächen. Das Ziel der Stadt ist und bleibt es, die bereits hergerichteten Flächen für die Windenergiebranche zu nutzen“, erklärte Jürgen B. Mayer.
Gestern unterschrieb der US-Finanzinvestor DBO den Kaufvertrag für den zahlungsunfähigen Windradhersteller. Als DBO Windpower GmbH soll das Unternehmen eine fertig entwickelte 1,25-Megawatt-Windenergieanlage in Serie produzieren und vermarkten. 150 neue Arbeitsplätze könnten so in Bremerhaven entstehen – und nicht wie einst gedacht in Blexen.
Dort werden bald die Lichter ausgehen. DBO Windpower will zwar zunächst weitere Prototypen und Vorserienmodelle bauen und testen. Dies soll in der gemieteten Halle in Nordenham passieren. Für die Serienfertigung jedoch sucht DBO ein Grundstück am Firmensitz Bremerhaven.
Ein in Nordenham bereits gekauftes 37 000-Quadratmeter-Areal soll wieder verkauft werden. „Da gibt es Interessenten“, versichert Insolvenzverwalter Gerrit Hölzle. Ausschlaggebend für die Entscheidung pro Bremerhaven sei gewesen, dass man den „Pendelverkehr über die Weser“ zwischen Firmensitz und Produktionsstätte vermeiden wolle.
Da erreichte Insolvenzverwalter Gerrit Hölzle ein Anruf im Urlaub: Der US-Finanzinvestor DBO Private Equity Inc. – einer von rund 100 potenziellen Investoren, mit denen der Sanierungsexperte hatte – verkündete plötzlich sein Interesse an einer Übernahme. Die Anfang des Jahres gegründete Investmentgesellschaft will sich auf die weltweite Finanzierung von Projekten im Bereich erneuerbare Energien spezialisieren.
„Der Investor bringt ein Windparkprojekt in Südeuropa mit“, sagt Gerrit Hölzle. Für diesen Windpark allerdings wird DBO Windpower seine eigene 1,25-Megawatt Anlage vom Typ „Falcon“ nicht einsetzen können. Bislang gibt es davon erst einen Prototypen, der in Blexen steht. „Die Anlage zeigt exzellente Leistungen, aber bis zur Serienreife müssen mindestens weitere 20 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt werden“, sagt Gerrit Hölzle. An dieser Hürde war Innovative Windpower zerbrochen – mehr als 30 Millionen Euro Kapital waren verbrannt, ohne dass die Serienfertigung in greifbare Nähe gerückt war.
„Die Lage der Windindustrie ist im Moment nicht so rosig, wie es nach außen erscheint“, sagt Hölzle. Die Aktienkurse vieler Hersteller sind eingeknickt, und die Banken bleiben skeptisch: „Sie bekommen praktisch erst Geld, wenn Sie 20 Anlagen haben, die zwei Jahre fehlerfrei gelaufen sind.“
Entwickelt worden ist die Anlage für den Einsatz in Schwellen- und Entwicklungsländern von zwei Bremerhavener Ingenieuren. Mit diesen liegt der Insolvenzverwalter nun im Rechtsstreit. (cb/er)
