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Stadtführung als historischer Herzog

Oldenburg. Oldenburg im Jahr 1822: Herzog Peter Friedrich Ludwig spaziert gedankenverloren durch seinen Schlossgarten. Bewundert hier und da eine Blume. Doch was ist das? Eine junge Frau im gelben Rüschenkleid stibitzt eine Rose. Als er sie zur Rede stellt, kommen die beiden Blumenliebhaber ins Gespräch. Plötzlich platzt eine Touristengruppe in die historische Szene.

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Die Schüler Thore Wittenfeld (von links), Uwe Seyfang und Busse Yanyali proben im Schlosspark von Oldenburg eine Geschichtsszene zum Thema „Herzog und Blumendiebin im Jahre 1822“. Die Schüler bereiten sich auf das Communauten-Projekt der Stiftung Niedersachsen vor.

Junge Leute mit Sonnenbrillen auf der Nase und Kaugummi im Mund lauschen interessiert den Worten der Stadtführerin. „Wisst ihr eigentlich, wie alt der Schlossgarten ist?“, fragt sie in die Runde, um nach kurzer Pause hinzuzufügen: „Er ist etwa 200 Jahre alt.“ Diese kleine Zeitreise gehört zu einer Stadtführung, die sich Schüler einer Oldenburger Realschule ausgedacht haben.

Wissenswertes verpackt

Verpackt in ein historisches Theaterstück erfahren die Zuschauer alles Wissenswerte über den Schlossgarten. Gemeinsam mit der fiktiven Touristengruppe verfolgen sie das Geschehen zwischen den Sträuchern und hören die Erläuterungen der Stadtführerin. „Ich finde es gut, ein Theaterstück mit einer Stadtführung zu kombinieren. Das ist richtig spannend“, meint die 16 Jahre alte Busse Yanyali, die die junge Blumendiebin mimt.

Spannend finden die Schüler Stadtbesichtigungen normalerweise nicht. „Einfach so rumzulaufen, ist ja langweilig“, sagt die 15-jährige Alena Hellmann. Dem will das Communauten-Projekt der Stiftung Niedersachsen entgegenwirken, das Kinder und Jugendliche zu Stadt- und Museumsführern in Oldenburg, Emden, Osnabrück, Papenburg und Meppen ausbildet. „Sie sollen ausdrücklich keine Erwachsenen führen, sondern Gleichaltrigen zeigen, wie sie die Stadt sehen“, sagt Projektleiterin Julia Hiller. Mit 60 000 Euro unterstützt die Stiftung die Vorhaben in den fünf Städten.

Seit Anfang des Schuljahres feilen die Communauten an ihren Konzepten, die sich stark voneinander unterscheiden – die Stiftung hatte absichtlich auf Vorgaben verzichtet. Während die Neuntklässler in Oldenburg bereits für ihr Theaterstück proben, steckt die 12. Klasse in Meppen noch mitten in der Planung. Während des gesamten Schuljahrs beschäftigte sie sich im Unterricht mit ihrer Stadtgeschichte und ludt Historiker zum Gespräch. Im kommenden Schuljahr wollen die Schüler das Wissen in Stadtführungen umsetzen.

In Emden sind diese schon in vollem Gange. Dort zeigen acht Grundschüler anderen Kindern die Stadt und das Landesmuseum. Und das ganz professionell: Schließlich erhielten sie Schulungen von der Stadtführergilde, Museumsmitarbeitern und sogar einem Kommunikationstrainer. „Kinder werden bei Stadtführungen nicht genug angesprochen. Das können Gleichaltrige ganz anders“, sagt Museumspädagoge Diethelm Kranz, der das Communauten-Projekt als Erfolg bewertet.

Für die Oldenburger Realschüler wird es am 19. Juni ernst. Dann stellen sie ihr Theaterstück zum ersten Mal einem Publikum vor. „Ich bin total aufgeregt“, sagt die 15-jährige Alena, die als Stadtführerin eine tragende Rolle spielt. Eins ist jetzt schon sicher: Die Schüler haben eine Menge über die Geschichte der Huntestadt gelernt. „Viel mehr als im Unterricht“, sagt der 16-jährige Marvin Schaber. „Man kann sich die Geschichte bildlich vorstellen.“

www.communauten-oldenburg.de

Artikel vom 05.06.09 - 06:00 Uhr
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