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Seit 75 Jahren Seite an Seite


Nordenham. Sich zu vertragen, sich manchmal auch zu ertragen und stets füreinander da zu sein – das sind für Luise und Kurt Kobs Schlüsselbegriffe einer dauerhaften Ehe. Das Paar – 96 und 99 Jahre alt – hat bei diesem Thema reichlich Kompetenz vorzuweisen, ist es doch seit genau 75. Jahren verheiratet. Die Kronjuwelen-Hochzeit wird heute in der Blexer Kirche gefeiert. Von christian heske


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Luise – mit einem Bild, das sie und die Belegschaft ihres Moderaumes zeigt – und Kurt Kobs sind seit 75 Jahren verheiratet . Foto hes

In Blexen hatten sich die beiden Eheleute Mitte der 1930er Jahre beim Tanz in der Gaststätte Frels am Deich kennengelernt. Aus der Tanzbekanntschaft wurde Liebe. Am 17. April 1937 trat das Paar am in Blexen vor den Traualtar. Heute feiert das Ehepaar mit rund 90 geladenen Gästen zunächst in der Blexer Kirche. Anschließend wird in der Friedeburg weitergefeiert. „Ein wunderbares Fest“, freut sich Luise Kobs.

Kurt Kobs war in Hamburg zur Welt gekommen und im Alter von zwei Jahren mit der Familie nach Einswarden gezogen. Er besuchte das Gymnasium in Nordenham und absolvierte eine Elektriker-Lehre im 1935 neu gegründeten Flugzeugwerk. Luise Kobs (geborene Kleemeyer) stammt aus Blexen. Ihr großer Traum war es, Sängerin zu werden. „Auf Wunsch meines Vaters habe ich aber Schneiderin gelernt“, erzählt die 96-Jährige. Parallel dazu nahm sie jedoch Gesangsunterricht und legte im Jahre 1936 eine Mikrofoneignungsprüfung ab.

Bereits im Jahr nach der Eheschließung zog das Paar nach Vegesack um, weil Kurt Kobs ab da im Weserflug-Werk in Lemwerder arbeitete. Beim Einfliegen der dort montierten Sturzkampfbomber vom Typ Ju 87 – kurz Stuka – saß er mit an Bord. „Das war lebensgefährlich“, erinnert sich der 99-Jährige an die Erprobungsflüge. Immerhin bewahrte die Tätigkeit in der kriegswichtigen Produktion den Elektriker vor einem Fronteinsatz. Er wurde nur kurz als Soldat eingezogen.

In diesen Jahren studierte Luise Kobs in Bremen intensiv Gesang. „Ich war dabei, mir einen Namen zu machen“, erinnert sie sich. Doch mit dem Kriegsende und im Jahr danach änderte sich alles. Die Flugzeugproduktion stand still. Kurt Kobs verlor seine Arbeit und erkrankte schwer. Die im Jahr 1946 geborene Tochter Brigitte starb noch im selben Jahr an Diphtherie, weil keine Medikamente zur Verfügung standen. „Das war ein Schicksalsjahr“, erzählt Luise Kobs. Sie machte in kurzer Zeit ihre Meisterprüfung als Schneiderin und sorgte nun für den Unterhalt der Familie.

Neuaufbruch im Jahre 1950

1950 wurde zum Jahr des Neuaufbruchs: Das Ehepaar zog nach Nordenham. Kurt Kobs trat eine Stelle bei den Kabelwerken an. Später wechselte er wieder zum Flugzeugwerk. 1950 kam auch Sohn Michael zur Welt, der heute selbst einen Sohn hat. Luise Kobs eröffnete an der Wilhelm-Böning-Straße einen Moderaum. „Ich holte Weltmode hierher, und das Geschäft war weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt“, erzählt sie. Der Moderaum bestand bis 1986. „In dieser Zeit habe ich 32 Lehrlinge ausgebildet.“

Das Ehepaar baute ein Haus an der Pestalozzistraße. Vor 17 Jahren zogen die Kobs dann in eine Wohnung an der Hafenstraße. Während Kurt Kobs seit seinem 16. Lebensjahr beim Ruderclub aktiv war, Tennis spielte und 1971 die Sippung Castellum Butjentum des Männerbundes Schlaraffia gründete, widmete sich Luise Kobs in ihrer Freizeit dem Gesang. Außerdem reist das Paar gern – im vergangenen Jahr war es mit dem Deutschen Roten Kreuz in Bad Bevensen.

So manches befreundete Ehepaar hält die Kobs und ihre seit einem Dreivierteljahrhundert andauernde Verbindung für beispielhaft. „Wir haben eigentlich ein schönes Leben geführt“, sagt Luise Kobs, „Wir haben arbeiten und kämpfen müssen, aber wir waren zufrieden.“


Artikel vom 17.04.12 - 12:00 Uhr
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