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Noch in diesem Jahr könnte zwischen Atens und Ellwürden ein 15 Hektar großer Solarpark entstehen. Ein Investor hat gegenüber der Stadt konkretes Interesse bekundet. Auf starke Kritik stößt die Planung jedoch beim Ellwürder Bürgerverein. Christian Heske

Standort für das Sonnenkraftwerk soll die ausgediente Atenser Mülldeponie auf dem ehemaligen Ziegeleigelände zwischen Oldenburger Straße und Bundesstraße 212 sein. Außerdem sollen westlich der B 212 Solarmodule errichtet werden. Betroffen wären auch die Osterfeuerwiese des Ellwürder Bürgervereins sowie der Übungsplatz des Hundesportvereins Nordenham. Ein Investor habe erste Grobplanungen im Arbeitskreis der Stadt für Gewerbeflächenentwicklung vorgestellt, bestätigt der stellvertretende Chef der Stadtverwaltung, Carsten Seyfarth.

Das Gelände gehört den Erben der ehemaligen Frisia-Ziegelei. Das Unternehmen hatte der Stadt die für die Ziegelproduktion nicht mehr nutzbaren Wiesen verpachtet. Die Stadt, die damals noch für die Müllentsorgung zuständig war, hatte von Anfang der 1960er Jahre bis Mitte der 70er die tiefer liegenden Flächen als Abfalldeponie genutzt.

Bei der Stadtverwaltung sieht man die Sonnenstrom-Ambitionen durchaus positiv. Neben zu erwartenden Gewerbesteuer-Einnahmen könnte sich die Stadt mit dem Ökostrom-Image schmücken. „Das würde Nordenham gut zu Gesicht stehen“, meint Carsten Seyfarth. Liefern soll der Solarpark 6,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr – genug Strom für knapp 1900 Durchschnittshaushalte.

Vor einer Investition müsste die Stadt jedoch einen Bebauungsplan aufstellen und den Flächennutzungsplan ändern. „Hierbei müssen wir auch eine öffentliche Diskussion mit allen Betroffenen führen“, kündigt Carsten Seyfarth an. Unter anderem sei zu klären, wie stark der Solarpark das Orts- und Landschaftsbild beeinträchtige und ob man hier mit einer Begrünung Abhilfe schaffen könne. Entscheiden über das Projekt muss der Stadtrat. Carsten Seyfarth geht davon aus, dass der Solarpark im Mai Thema einer Bauausschusssitzung sein wird. Zunächst müsse ein vom Investor beauftragtes Büro die konkrete Planung vorlegen.

Doch die Zeit ist knapp: Interessant für den Solarpark-Investor ist die ehemalige Mülldeponie nämlich deshalb, weil es sich um eine sogenannte Konversionsfläche handelt. Solaranlagen, die auf derartigen Flächen bis zum Jahresende ans Netz gehen, sind noch nicht von der Absenkung der Einspeisevergütung für Sonnenstrom betroffen. Da die Installation des Parks mehrere Monate dauert, müsste der Bau im September beginnen.

Hartfil: Eine Katastrophe

Der Zeitdruck treibt Norbert Hartfil, Vorsitzender des Ellwürder Bürgervereins, die Sorgenfalten auf die Stirn: „Die Stadt hat uns zugesichert, dass wir gehört werden, aber es gibt im Dorf die Befürchtung, dass das alles im Schnellverfahren durchgezogen wird.“ Und die Bedenken der Ellwürder sind erheblich: „Die Auswirkungen eines solchen Parks mit seinen rund vier Meter hohen Modulen auf das Ortsbild sind eine Katastrophe“, meint der Vereinsvorsitzende. Nach seinen Informationen könne die Stadt als Gegenleistung lediglich Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 15 000 Euro pro Jahr erwarten.

Für den Verein ist zudem der Verlust der Osterfeuerwiese ein Problem. „Aus den Einnahmen der Großveranstaltung finanzieren wir viele andere Aktivitäten“, sagt Norbert Hartfil. Eine Ausweichfläche sei nicht erkennbar.

Während einer Mitgliederversammlung des Bürgervereins, die am morgigen Freitag um 20 Uhr in der Bahnhofsgaststätte in Abbehausen beginnt, soll der geplante Solarpark Thema sein.


Artikel vom 19.04.12 - 12:00 Uhr
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