„Das Ziel der sogenannten 2+1-Streckenführung ist es, eine höhere Reisegeschwindigkeit zu erzielen“, sagt Michael Hasselmann, Leiter des Polizeikommissariats Nordenham. Dieses ist neben der Stadt auch zuständig für die Gemeinden Stadland, Jade und Butjadingen. „Die höhere Geschwindigkeit hat aber zur Folge, dass es auch mehr Gefahrenpotenziale gibt“, beschreibt der Polizeirat.
Er stützt seine Aussagen auf die Beobachtungen der Kollegen im Streifendienst und auf die Ergebnisse gezielter Schwerpunktkontrollen. Auch eine wissenschaftliche Arbeit eines Bachelor-Studenten, der sich mit dem Verkehr auf der Bundesstraße 212 in der nördlichen Wesermarsch beschäftigt hat, nennt er als Quelle.
„Die Gefährdung entsteht zum einen aus der Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um bis zu 80 Kilometer pro Stunde“, beschreibt Michael Hasselmann die Situation. „Gerade beim Überholen von Lastwagen geraten einige da in die Versuchung, durch höhere Geschwindigkeit mehr Laster zu überholen.“
Diesen Vorteil, dass auf der 2+1-Streckenführung überholt werden könne, reizten aber viele Autofahrer noch bis hinter die Sperrfläche aus. „Im Einzelfall sind Autofahrer erst 400 Meter hinter der Sperrfläche wieder eingeschert.“
Dennoch betont der Kommissariatsleiter, dass die Bundesstraße 212 zwischen Havendorf und Sürwürden (ab dort ist die Braker Dienststelle zuständig) keinen Unfallschwerpunkt darstelle. Außerdem sei die 2+1-Streckenführung als eher unfallreduzierend anzusehen im Vergleich zu einer einspurigen Bundesstraße, auf der nur individuelle Überholmanöver möglich sind. „Wenn der Autofahrer weiß, dass er in wenigen Kilometern eine ungefährliche Überholmöglichkeit bekommt, bleibt er gelassener“, ist Michael Hasselmann überzeugt.
Allerdings zeige die polizeiliche Unfallstatistik für die vergangenen Jahre: Wenn es in diesem Bereich Unfälle gebe, fielen diese meist schwerwiegender aus als auf vergleichbaren Bundesstraßen mit nur einem Fahrstreifen.
