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Missverständnisse am Ende der Welt

Nordenham. Im Jahr 2006 ist Anja Schmidt-Giese, geboren 1972 in Ramsloh bei Oldenburg, mit ihrem Mann, der Arbeit wegen ans andere Ende der Welt nach Australien gezogen. Ehemann Peter Schmidt aus Nordenham ist wie die Autorin promovierter Biologe. Anja Schmidt-Giese hat über die Zeit in Australien ein sehr schönes Buch geschrieben und jetzt in Nordenham vorgestellt.

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Anja Schmidt-Giese

In ihrem Buch beschreibt Anja Schmidt-Giese zunächst die Reaktionen der Freunde und Verwandten, als diese erfuhren, dass das Paar sich entschlossen hatte, das Jobangebot in Melbourne anzunehmen. Man habe viel Zustimmung erfahren, allerdings sei immer wieder die Standardfrage aufgetaucht: „Habt ihr denn keine Angst vor Spinnen, Quallen, Schlangen, Haien oder Krokodilen?“

Die passenden Geschichten, die den Neuankömmlingen aus Deutschland dann erzählt wurden, waren in der Tat haarig. So sei ein Onkel von einer Schlange gebissen und fast getötet worden. Eine Freundin erzählte, wie sie von einer Tigerschlange attackiert wurde, eine andere von nächtlichen Spinnenbissen, die höllische Schmerzen verursacht hatten, wieder ein anderer wurde von einem Huntsman – einer großen roten giftigen Spinne – angesprungen. Ganz so schlimm ist es für Familie Schmidt-Giese zwar noch nicht gekommen, aber die Autorin schreibt von Spinnen im Haus, die nur mit Schuhen ab Größe 40 erledigt werden können und ekeligen Würmern unter Hotelbetten.

Fettnäpfchen

Anja Schmidt-Giese erzählt auch schonungslos von Fettnäpfchen, in die das Paar getreten ist. Denn trotz guter Englischkenntnisse habe es bei der Kommunikation, besonders in Baumärkten, einige Missverständnisse gegeben. Für die meisten Dinge, die man in einem Baumarkt finden kann, fehlten ihr die Vokabeln. „In meiner Aufregung begann ich Wörter durcheinander zu würfeln“, schreibt Anja Schmidt-Giese, „Wollte ich Kette, also Chain sagen, sagte ich cattle, das wie Kette klingt, aber Vieh bedeutet. Die freundlichen Mitarbeiter des Baumarktes dachten sicher, ich wolle ein Stück Vieh in den Garagenboden zementieren, um mein Fahrrad daran festzubinden.“

Anja Schmidt-Giese beschreibt viele sehr amüsante Episoden, von der Ankunft in Australien, vom Autokauf, der Jobsuche, den Kollegen und Freunden, von Ausflügen, die zum Teil sehr abenteuerlich wurden.

Die Autorin warnt davor, blauäugig in einem anderen Land ohne einen Job sein Glück zu suchen, wie es in zahlreichen Fernsehsendungen zu sehen ist. „Viele Menschen haben eine verklärte Vorstellung von Australien. So gut es uns dort geht, stellen wir häufig fest, dass wir eben nicht in Australien aufgewachsen sind. Englisch wird immer unsere zweite Sprache bleiben, die wir nie ganz fehlerfrei sprechen werden. Kleine Unterschiede können zu großen Missverständnissen führen“, machte sie deutlich. „Dann passiert es, dass Mitarbeiter glauben, man sei unverschämt oder aggressiv“, schreibt Anja Schmidt-Giese, die im Grunde aber sehr angetan von dem Land und der großen Freundlichkeit der Australier ist.

Das zahlreich erschienene Publikum in den Weserterrassen war so fasziniert von den Geschichten, dass es selbst nach gut zwei Stunden noch interessiert zuhörte und nach weiteren Episoden verlangte.

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„Possum vor der Tür“ hat Anja Schmidt-Giese ihre Buch über Australien betitelt. Das Possum gehört zu den freundlicheren Tieren, die in Australien heimisch sind. Foto: dpa
Artikel vom 13.06.09 - 06:00 Uhr
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