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Marion trifft den Lebensretter


Nordenham. Eine Gemeinsamkeit haben Marion Filzmoser und Christopher Margenburg schon festgestellt – sie lieben beide Italien. Die wichtigere Gemeinsamkeit: Weil ihre Stammzellen übereinstimmen, hat die 45-Jährige ihre Leukämie-Erkrankung überlebt. Jetzt lernte die Nordenhamerin ihren Lebensretter aus Stade kennen. „Ich habe richtig gezittert vorher“, erzählt sie. Von Christian Heske


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Christopher Margenburg ist wie Marion Filzmoser Italien-Fan. Zum Treffen rollte der Stammzellenspender mit seinem Fiat-500-Oldtimer an. Foto hes

Im Jahr 2009 wurde bei der Nordenhamerin Leukämie im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. „Ich war immer erschöpft, bekam Nasenbluten und blaue Flecken“, erinnert sich die 45-Jährige. Nach einer Chemotherapie galt sie zunächst als geheilt. Dann im Januar 2010 der Rückfall. „Diesmal war klar, dass ich es nur mit einer Stammzellentransplantation schaffe.“

Marion Filzmosers lebensbedrohliche Erkrankung bewegte die ganze Unterweserstadt. 1041 Nordenhamer ließen sich über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren, um der Mutter von drei Kindern zu helfen. Letztlich wurde ein passender Spender gefunden. Er komme aus Sachsen-Anhalt, hieß es damals. Tatsächlich lebt er in Stade. Gefunden wurde er aber über die Deutsche Stammzellenspenderdatei (DSD). Und die hat ihren Sitz in Dessau.

Doch auch die Nordenhamer Typisierungsaktion hat bereits drei Menschen das Leben gerettet. „Ich weiß, dass meine Spende für einen 60-jährigen Mann bestimmt war, der sie in der Uni-Klinik in Münster bekommen hat“, berichtet die 33-jährige Stefanie Cardogan. Neben ihr haben zwei weitere Nordenhamer für Patienten im Ausland gespendet. Geholfen wurde dadurch einem zehnjährigen Mädchen und einer 50-jährigen Frau.

Zellen werden ausgefiltert

Typisierte Personen, die als Spender in Frage kommen, müssen zunächst ihr Blut untersuchen lassen. Wenn die Gewebemerkmale mit dem Empfänger übereinstimmen, erhält der Spender ein Medikament. „Das injiziert man sich wie eine Thrombosespritze“, berichtet Christopher Margenburger. Das Medikament sorgt dafür, dass Stammzellen ins Blut auswandern. „Es fühlt sich ein bisschen an wie Gliederschmerzen“, beschreibt Christopher Margenburg die Folgen der Injektionen. Das Ausfiltern der Zellen aus dem Blut mit Hilfe eines Spezialgerätes in einer Klinik dauert einige Stunden.

Auf die Übertragung muss auch der Empfänger vorbereitet werden. „Man bekommt eine Chemotherapie, die die eigenen kranken Stammzellen zerstört“, erzählt Marion Filzmoser. Zügig muss die Transplantation der gesunden Stammzellen erfolgen. „Ansonsten wäre diese Behandlung ein Todesurteil“, sagt sie.

Der Genesungsprozess sei bei ihr gut verlaufen, doch selbst zwei Jahre nach der Stammzellenspende noch nicht vollständig abgeschlossen. „Als ich wieder etwas Kraft hatte, musste ich etwas erleben“, sagt Marion Filzmoser. Die Konfirmation des Sohnes, der 18. Geburtstag einer Tochter, eine Fahrt zum Oktoberfest – das seien Höhepunkte in ihrem neuen Leben.

Sowohl Marion Filzmoser als auch Christopher Margenburg versuchten bald nach der Spende, einander kennenzulernen. Die DKMS hat dafür bestimmte Verfahren. „Als ich den Brief mit der Adresse in der Hand hatte, liefen die Tränen“, sagt Marion Filzmoser. Die Begegnung zwischen Spender und Empfänger sei für beide ein bewegendes Erlebnis gewesen. Beide wollen den Kontakt nicht wieder abreißen lassen.

Hintergrund: Leukämie

Leukämie, eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten: für die Infektabwehr) entsteht im Knochenmark, das für die Blutbildung zuständig ist. Es kommt zu einer explosionsartigen Vermehrung dieser Zellen. Durch die Zellwucherung werden die anderen im Knochenmark gebildeten Zellen, die roten Blutkörperchen (Erythrozyten: für den Sauerstofftransport) und die Blutplättchen (Thrombozyten: für die Blutgerinnung) verdrängt. Falls es nicht gelingt, die Krankheit durch eine Chemo- oder Strahlentherapie zu bekämpfen, besteht in der Übertragung gesunder Stammzellen die letzte Chance, das Leben des Patienten zu retten. Nur für jeden dritten Leukämie-Patienten kann ein Spender aus der eigenen Familie gefunden werden.www.dkms.de

Artikel vom 24.04.12 - 12:00 Uhr
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