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Gestern Lehrling, heute Chef

Nordenham. Hamburger rauf, raus und das wars – von wegen. „Wir lernen nicht nur Burger braten“, macht Jennifer Prieske deutlich. Sie und ihr Kollege Florian Halle machen ihre Ausbildung bei McDonald’s und werden dabei für Führungsaufgaben fit gemacht. Einen kleinen Vorgeschmack bekamen sie gestern: Für einen Tag waren sie die Chefs in der Nordenhamer Filiale.

Verkehrte Welt: Inhaber Winfried Nagel brät am Grill Burger und wird von Lehrling Jennifer Prieske freundlich, aber bestimmt angewiesen, doch bitte sein McDonald’s-Hütchen aufzusetzen. Der „Tag der Ausbildung“ stellt im Nordenhamer Fastfood-Restaurant mal alles auf den Kopf: Der Chef ordnet sich unter, seine zwei Auszubildenden übernehmen das Kommando. „Diese Aktion ist für unsere Azubis ein wichtiges Training für künftige Aufgaben – und zudem eine perfekte Motivation für die weitere Ausbildung“, tröstet sich Winfried Nagel.

Die Chefs für einen Tag – dekoriert mit „Ich bin Chef“-Ansteckern – sind Jennifer Prieske und Florian Halle. Die beiden Abiturienten werden bei McDonald’s zu Fachfrau und Fachmann für Systemgastronomie ausgebildet. Und ernteten erst einmal Skepsis bei Freunden, nach dem Motto: „Was kann man da denn lernen?“ Viele hätten keine Ahnung, was für ein System hinter dem „schnellen Essen“ steckt, findet die 20-jährige Jennifer Prieske. Florian Halle pflichtet bei: „Es gehört mehr dazu, als man denkt – wir tragen viel Verantwortung.“

Das Personal im Auge behalten und führen. Salat, Brötchen, Fleisch und Pommes bei der Zentrale ordern, nicht zu viel und nicht zu wenig. Läuft in der Küche alles rund? Sind die gelieferten Waren vollständig und frisch? Dienstpläne und Schichten für die 24 Voll- und Teilzeitkräfte und 19 Mini-Jobber in Nordenham einteilen. Am Abend den Tagesabschluss machen. Sind alle Kunden zufrieden und gehen alle Burger so wie sie sein sollen über den Tresen? Und ja, natürlich: Hamburger braten und zubereiten gehört auch dazu.

Aber vor allem ist es eine kaufmännisch geprägte Ausbildung, ein guter Realschulabschluss oder Abitur sind Voraussetzung. Einmal in der Woche steht die Schule auf dem Plan. „Wir lernen Marketing, Warenwirtschaft, Lebensmittelkunde und vieles mehr“, erzählt Florian Halle.

Mit ihrer abgeschlossenen Ausbildung stehen die beiden dann am oberen Ende der Nahrungskette bei McDonald’s. „Die Perspektiven im Unternehmen sind sehr gut“, ist sich Florian Halle sicher. Ob nun als Schicht- oder gar als Restaurantleiter – das Management wartet auf die beiden. „Ich habe bisher 6 junge Leute ausgebildet“, berichtet Winfried Nagel nicht ohne Stolz, „eine habe ich selbst übernommen, alle anderen konnte ich bei Kollegen unterbringen.“

Nicht nur Fastfood

Und eines möchte der Nordenhamer Chef auch noch klarstellen: „Systemgastronomie ist ja nicht nur McDonald’s und Burgerking, sondern auch Lufthansa oder Deutsche Bahn.“ Ob also nun im globalen Fastfood-Geschäft oder in der Handels-, Verkehrs-, Freizeit- und Erlebnisgastronomie – die Welt steht den künftigen Systemgastronomen Jennifer Prieske und Florian Halle offen. (mcw)

Artikel vom 12.03.10 - 06:00 Uhr
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