Sie lesen vor, sie gehen mit den Bewohnern spazieren, sie decken den Tisch oder reichen das Essen, sie kommen mit ihrem Hund vorbei, sie nähen, basteln, reparieren oder hören einfach nur zu. „Mit der Pflege selbst haben wir nichts zu tun“, stellt Alice Fröhlich klar, „wir pflegen die Seele.“ „Wir“, das sind die mehr als 80 Freiwilligen des Vereins Solidar, die sich und ihr Können in das Bremerhavener Pflegeheim Haus im Park einbringen, um dort „das Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung“ seiner Bewohner zu stillen.
Es ist ein ganz neues Konzept von ehrenamtlicher Tätigkeit, das Alice Fröhlich mit ihrem Verein Solidar seit 13 Jahren in Bremerhaven verwirklicht. Dafür wurde sie bereits mit dem Bundesverdienstkreuz und mit dem Freiherr-vom-Stein-Preis für „gesellschaftliche Innovation“ ausgezeichnet. „Als Freiwilliger bestimmen nur Sie selbst, was, wann und wie lange Sie etwas machen“, erläutert sie, „Sie müssen gar nichts müssen.“ Wer gerne näht, ruft eine Nähgruppe ins Leben. Wer gerne Auto fährt, hilft beim Fahrdienst. Wer gerne liest, liest eben vor. Bei Ehrenamtlichen gebe es immer Verpflichtungen und einen gewissen Druck, bei Freiwilligen nur Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung.
Kein Mensch, der seine Freizeit opfert, um zu helfen, dürfe mit einem schlechten Gewissen das Pflegeheim verlassen, nur weil er mal etwas früher geht. Privates und Familie gehe immer vor. Lange Gesichter beim Pflegepersonal seien da tabu.
Wenn Freiwillige ernst genommen werden, mitgestalten dürfen, einen festen Ansprechpartner haben, im Team der Hauptamtlichen integriert sind, dann verspricht Alice Fröhlich hochmotivierte Helfer, die frischen Wind in eine Pflegeeinrichtung bringen und für das Haus einstehen. Keine leere Versprechung – das beweisen die 80 Freiwilligen in „ihrem“ Haus im Park.
Den Weg zur Freiwilligkeit will jetzt auch das Seniorenzentrum to huus achtern Diek in Blexen. Dessen Leiter Stefan Schreiber hat mit Christine Elsner-Asma bereits eine Freiwilligenbeauftragte ernannt. Die hat sich vor Ort in Bremerhaven umgesehen und war begeistert von der positiven Stimmung und der Motivation der Freiwilligen, von der „ganz anderen Art der Freiwilligkeit“.
Das erhofft sich Stefan Schreiber auch für das Blexer Seniorenzentrum. Auf 17 Ehrenamtliche kann er derzeit zählen und mag sich gar nicht vorstellen, was er ohne sie täte. „Unser Pflegepersonal würde auch gerne die Händchen der Bewohner halten“, ist er sicher, „nur haben sie einfach nicht die Zeit dafür.“
