
Die abschreckende Wirkung des Grundstücks kommt nicht von ungefähr, schließlich waren Zivilisten lange Zeit wirklich nicht willkommen. Tausende Soldaten verrichteten hier in den vergangenen Jahrzehnten ihren Dienst, noch vor fünf Jahren war das Verteidigungsbezirkskommando 24 vor Ort. Doch seit dessen Abzug 2007 steht die Kaserne leer und unter Verwaltung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).
Die sucht nun den neuen Eigentümer – und die Ausschreibung klingt wie eine Immobilienofferte, die einen Hollywood-Star interessieren könnte. Zum Verkauf steht ein 19-Hektar-Grundstück, das einen eigenen Sportplatz sowie denkmalgeschützte Gebäude mit einer Nutzfläche von 50 000 Quadratmetern bietet, die unter anderem Sauna, Turnhalle und Kino beherbergen. Die Kaufpreisvorstellung? „4,5 Millionen Euro“, so Wera Buhr vom Bima-Verkaufsteam Oldenburg.
Gut für sie: Gleich acht Investoren haben ihren Hut in den Ring geworfen; eine Resonanz, die genutzt wird, um den Preis noch ein bisschen nach oben zu treiben: Aufgrund der „Angebotszahl und -dichte“ läutete die Bima eine Nachgebotsrunde ein, die voraussichtlich noch bis Ende kommender Woche läuft. Ob der eine oder andere Investor tatsächlich aufstockt, ist nicht klar; ebenso wenig, ob die 4,5-Millionen-Grenze geknackt wird. „Wir machen keine Angaben zu den Geboten“, sagt Buhr. Klar sei dafür: „Das Areal geht an den Meistbietenden.“
Mit den groben Plänen für die Kaserne konform geht die Lokalmatadorin unter den Interessenten, eine Bietergemeinschaft aus der Oldenburger Wohnbaugesellschaft GSG, einem Bauunternehmer und einem Immobilienvermittler. Allerdings müsse die Stadt laut GSG-Marketingchef Rainer Zietlow darauf achten, dass bei der Detailplanung nicht doch auf für den Investor lukrativere Luxuswohnungen umgeschwenkt wird. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“, sagt er – und hofft auch deshalb auf den Zuschlag: „In aufgeregten Zeiten sind unaufgeregte Leute, die den Markt kennen, besser geeignet als Externe, die glauben, sich hier eine goldene Nase verdienen zu können.“ Die Bietergemeinschaft jedenfalls würde antreten, um „500 bis 700 Wohneinheiten für mittlere und kleine Einkommen“ zu schaffen, in einer Mischung aus kernsanierter Altbausubstanz und zeitgenössischer Architektur.
Doch so weit ist es längst nicht, zumal das Eckpunktepapier nicht in den Stein gemeißelt ist: „Nach dem Verkauf wird der neue Besitzer mit der Stadt sicher erst einmal in einen langen Dialog über die endgültigen Bebauungspläne eintreten“, sagt Wera Buhr. Auch mit der Bima müssten noch letzte Vertragsdetails geklärt werden. „Aber spätestens Ende 2012 wollen wir die Schlüssel übergeben.“ Und dann kann er beginnen, der Umbau der Kaserne zum Wohnquartier – ganz ohne Steinmauern, Stacheldraht und Schlagbaum.
