
Auf dem Angelsee im Seenpark drehen die ersten unerschrockenen Schlittschuhläufer ihre Runden. „Das knackt noch nicht mal“, freut sich Heike Rummel über die Qualität der Eisdecke. Sie ist mit Tochter Lara, Ehemann Bastian und Hund Nero an den See gekommen.
Sonja Brödje ist mit Sohn Tammo und Tochter Maira auf dem See. „Ich hab auch noch Nachbarn und Bekannte gefragt“, erzählt Sonja Brödle. „Aber denen war das zu gefährlich.“ Sie selbst hat keine Angst, auch wenn das Eis offiziell nicht freigegeben ist. „Das hat die Stadt ja noch nie gemacht“, weiß sie. „Dann geht man halt auf eigene Gefahr aufs Eis. Das hat die Leute in den letzten Jahren ja auch nicht abgehalten.“ Am Wochenende, so schätzt sie, werden mehr Schlittschuhläufer kommen. „Wäre schön, wenn dann auch mal wieder jemand eine Bude aufstellt.
Auch Heike Rummel fühlt sich sicher. Sie schiebt mit dem Fuß etwas Schnee zur Seite und zeigt auf die Eisdecke. „Das sind mindestens zehn Zentimeter, das kann man sehen. Das hält auf jeden Fall.“ Vorsicht ist nur am westlichen Ufer geboten, wo eine Stelle für die Schwäne freigehalten wird. „Da darf man halt nicht zu nah ran“, sagt die Mutter.
Rudolf Müller vom Ordnungsamt bestätigt, dass die Stadt nicht vorhat, die Eisflächen am Seenpark freizugeben. „Dafür müssten wir ständig die Eisdicke messen, das ist zu aufwändig.“ Zudem sei das Haftungsrisiko bei einem Unfall zu groß. „Grundsätzlich wird das Eis ab zehn Zentimetern Dicke schon halten“, sagt der Amtsleiter. „Aber es gibt auf einem See auch immer Flächen, die nicht so stark gefroren und deshalb dünner sind.“
Rudolf Müller rät Schlittschuh-Freunden, lieber zur Eisfläche vor dem Rathaus zu gehen. „Da kann jeder wirklich gefahrlos eislaufen.“
Mit einem Zufrieren der Weser ist schon seit etlichen Jahren nicht mehr zu rechnen. Grund dafür ist der hohe Salzgehalt – einerseits aus der Nordsee, andererseits aus der Kaliproduktion an der Werra. Hinzu kommt, dass das Kernkraftwerk Unterweser auch in abgeschaltetem Zustand noch Kühlwasser für den Reaktor benötigt und aufgewärmtes Wasser in die Weser abgibt. Allerdings könnten sich auf dem Fluss größere Eisschollen bilden, die den Schiffsverkehr behindern.
„Wenn ich aus meinem Bü- rofenster schaue, sehe ich allerdings noch keine Eisschollen“, sagt Joachim Niezgodka, Sachbereichsleiter für das Verkehrswesen des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Bremerhaven. „Aber auf der Geeste und der Lune sind schon Eisschollen zu sehen, deshalb rechnen wir auch noch mit Schollentrieb auf der Weser. Wir behalten die Situation auf jeden Fall im Auge.“ Kritisch werde es in jedem Fall, wenn die Eisschollen zusammenfrieren und Packeis bilden.
Beeinträchtigungen für die Schifffahrt habe es noch nicht gegeben, aber das WSA hat bereits eine Bekanntmachung für Seefahrer herausgegeben, laut der in den nächsten Tagen mit Eisgang zu rechnen ist.
Benutzer der Weserfähre müssen das Eis voraussichtlich nicht fürchten. „Dass Eis die Fähre behindert, hatten wir noch nie“, weiß Jürgen Wißmann, Prokurist der Weserfähre GmbH. Dass die Elbfähre zwischen Wischhafen und Glückstadt ausfiel, hat laut Jürgen Wißmann andere Gründe. „Dort sind die strömungsarmen Gewässerarme problematisch. Ansonsten ist die Elbe eisfrei.“
